Campus-Web Bewertung: 4/5
   
Winter. Ganz England liegt unter einer Schneedecke. Ganz England? Nein – die kleine Insel Fara schlägt sich nämlich mit sommerlichen Temperaturen über 30 Grad rum. Überall laufen die Ventilatoren, das Eis schmilzt, bevor es in den Getränken schwimmt, und Frostschutzmittel ruft den sicheren Tod des Automotors hervor. Die Meteorologen sind ratlos, die Inselbevölkerung schwitzt in der Kneipe „The Swan“ vor sich hin.

Nichtsahnend geht man dem Alltag nach. Hinter der Hitze steckt natürlich ein furchtbares Geschehen – ein merkwürdiges Sirren, landende Lichter und schließlich tote Schafe und Menschen sind ein deutlicher Hinweis auf Außerirdische, die vor der Tür stehen. Nachdem der undurchsichtige Hotel-Gast Hanson seine Theorie offenbart hat, beginnt für den Pub-Besitzer Callum und einen kleinen Kreis von Verbündeten der Kampf ums Überleben.

„Brennender Tod“ stammt aus der Hochphase des britischen „Hammer-Horrors“ – einer langen Reihe von Filmen, die in den 60ern und 70ern in den Hammer Studios produziert wurde und das Horror-Genre dominierte. Regisseur Terence Fisher, der Mann hinter der wohl bekanntesten „Dracula“-Adaption, mehreren „Frankenstein“-Filmen und der originalen „Mumie“, arbeitete in „Brennender Tod“ wieder einmal mit seinen Stamm-Schauspielern Christopher Lee und Peter Cushing.

Lee muss man wohl kaum noch vorstellen, selbst wer ihn nie in seiner Paraderolle als Graf Dracula gesehen hat, kennt den inzwischen über 80-jährigen zumindest aus den neuesten „Star Wars“-Episoden oder natürlich aus „Der Herr der Ringe“. Cushing hat in „Brennender Tod“ zwar nur eine Nebenrolle, sein Name war im Horror-Genre allerdings auch richtig groß – hatte er doch als Doctor Van Helsing Lees „Dracula“ zur Strecke gebracht. Und auch er stellt eine „Star Wars“-Ikone dar, als Kommandant des Todessterns im ersten Film.

Drei Größen des Genres vereint, was will man mehr? Auch wenn ein paar Plot-Löcher, Story-Klischees und Naivitäten seitens der Charaktere unvermeidbar sind: Fisher versteht es, die Insel Fara zum Leben zu erwecken. Alle Nebenfiguren wirken sofort plausibel, selbst wenn man praktisch nichts über sie erfährt. Die Hitzewelle wird durch visuelle Hinweise wie riesige Schweißflecken oder die wie beiläufig plazierten Ventilatoren greifbar, ganz zu Schweigen von der dekorativ enthüllenden Garderobe der biestigen Verführerin Angela. Die schwarzhaarige Femme Fatale bringt gleich mehrere Nebenplots und Mini-Szenen in Bewegung, als sei sie der Mittelpunkt des Films. Selbst musikalisch stimmt alles, bekommt man doch große Melodien wie aus einem Bond-Film zu hören statt des üblichen Horror-Schock-Gedudels. Und dank all dieser Anreicherungen im Inhalt und in der Inszenierung funktioniert auch der Kern der Geschichte.

Am wichtigsten ist bei einem Horror-Film nämlich immer noch die Spannung, und auch wenn sich die Grusel-Gewohnheiten seit 1967 geändert haben, macht „Brennender Tod“ auf dieser Ebene alles richtig. Die Bedrohung bleibt anfangs völlig vage, die vollständige Enthüllung bleibt bis zum Schluss verborgen. Bis dahin arbeitet das wichtigste Element des Horrors – die eigene Phantasie – ungehemmt mit. Schade ist nur, dass die Auflösung des Films plötzlicher nicht sein könnte und den Zuschauer somit ziemlich rüde von der Insel wirft – aber vielleicht schlug hier ja wieder das geringe Budget der Hammer-Filme zu.

Nostalgische Liebhaber klassischer Grusel- und Invasionsgeschichten sollten „The Night Of The Big Heat“ (so der Originaltitel) nicht an sich vorbeiziehen lassen. Und es würde nicht verwundern, wenn auch dieses Werk wie so viele Phantastik-Klassiker demnächst als Hollywood-Remake neu aufgelegt wird – irgendwie muss man den Klimawandel ja ausschlachten können...

Brennender Tod (The night of the big heat), USA 1971
Veröffentlichung: 27.03.2008
Genre: Horror
Verleih: EMS
Laufzeit: 90 min
Darsteller: Christopher Lee, Peter Cushing, Patrick Allen, Jane Merrow
Regie: Terence Fisher

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