DVD-Rezension: Hochspannung mit Robin Williams.

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Hochspannung und packendes Drama: Das bietet „Der nächtliche Lauscher“ mit Robin Williams. Der Thriller überzeugt durch eine gekonnte Inszenierung und überzeugende Hauptdarsteller. Etwas mehr Detailfreude hätte dem Film allerdings gut getan: Die psychologische Tiefe der Figuren bleibt bei der Erzählung auf der Strecke.
Robin Williams ist seit „Mrs. Doubtfire“ ein Erfolgsgarant für Komödien, eine Rollenfixierung, die es ihm schwer macht, das Publikum mit ernsthaften Rollen zu begeistern. Sein letzter Versuch in „One Hour Photo“ konnte nicht jeden Kritiker überzeugen. Jetzt ist er also „Der nächtliche Lauscher“. Er spielt Gabriel Noone, einen erfolgreichen Autor und Radiomoderator, der sich in einer schweren persönlichen Krise befindet: Er wurde von seinem Lebensgefährten verlassen. In dieser Situation erhält Gabriel von seinem Lektor ein Manuskript. Darin erzählt ein dreizehnjähriger Junge, Pete Lomax, von seinen schrecklichen Kindheitserlebnissen: Er wurde von seinen Eltern sexuell missbraucht. Außerdem verkauften sie ihn an einen Pädophilen-Ring, wo er mit dem HIV angesteckt wurde. Seinem Martyrium entfloh er mithilfe seiner Therapeutin Donna (überragend gespielt von Tony Collette). Gabriel beginnt eine Telefon-Freundschaft mit Pete, die sich immer mehr vertieft. Als jedoch sein Ex-Freund Jess die Stimmen von Donna und Pete auf dem Anrufbeantworter hört, kommen erste Zweifel auf, denn trotz unterschiedlicher Tonlage klingen beide Stimmen gleich. Auch Gabriel wird misstrauisch: Weder Pete noch Donna hat er je gesehen. Gibt es die beiden überhaupt? Wird ein perfides Spiel mit ihm getrieben? Schließlich geht er auf die Suche Donna und Pete, um die Wahrheit ans Licht zu bringen…
„Der nächtliche Lauscher“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des Beststeller-Autors Armistead Maupin. Das Buch entstand vor dem Hintergrund einer wahren Geschichte: 1992 bekam Maupin das Manuskript eines Jungen zugesandt, die telefonische Freundschaft hielt jahrelang. Ein Stimmenanalyst fand schließlich heraus, dass der Junge, Tony Johnson, und seine Adoptivmutter Vicky ein und dieselbe Person waren. Der Roman verarbeitet diese innige Beziehung und kontrastiert die beiden Hauptdarsteller: Der leidgeprüfte Pete steht dem alternden, homosexuellen und durch AIDS verunsicherten Gabriel gegenüber. Allmählich setzt die Suche nach Petes wahrer Identität ein, die sich zu einem wahren Krimi-Drama steigert.
Dem Film gelingt es nur ansatzweise, die enge Bindung zwischen Pete und Gabriel zu verdeutlichen. Zu schnell setzt die Suche nach dem Jungen ein. Auch die „Wahrheit“ am Ende des Films kommt etwas unspektakulär daher. Nichtsdestotrotz ist der Film unglaublich packend: Die ganze Zeit hält sich eine mysteriöse, bedrohliche Spannung, die Regisseur Patrick Stettner eindrucksvoll bebildert. Noch mehr als Robin Williams überzeugt Tony Collette („Little Miss Sunshine“, „Sixth Sense“) in der Rolle der Donna: Dämonisch und anrührend zugleich spielt sie eine zerrissene, unglückliche und um Aufmerksamkeit heischende Frau – absolut sehenswert.
Trotz einiger Schwächen ist „Der nächtliche Lauscher“ ein echter Hingucker, der Spannung und Drama gekonnt miteinander verbindet. Der Film erscheint am 19. Oktober auf DVD.