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Schauplatz Oscarverleihung 2017: "La La Land" wird flschlicherweise zum Gewinner des Oscars in der Kategorie "Bester Film" gekrnt. Der Regisseur und sein Team haben die Trophen schon entgegengenommen und die Dankesreden schon vorgetragen, als das Missverstndnis klar wird. Denn der eigentliche, unerwartete Sieger ist "Moonlight" von Regisseur Barry Jenkins. Dieser erzhlt auf berhrende Art und Weise die Geschichte des Afroamerikaners Chiron.

Zwischen gesellschaftlichen Erwartung und Selbstfindung

Moonlight
Verleih: DCM Filmdistribution
Genre: Drama
Darsteller: Alex R. Hibbert (Chiron als Kind), Ashton Sanders (Chiron als Teenager), Trevante Rhodes (Chrion als Erwachsener), Mahershala Ali, Janelle Mone, Naomie Harris, Jaden Piner, Jharrel Jarome, Andre Holland
Regie: Barry Jenkins
Filmlaufzeit: 111 Min.
Der Zuschauer bekommt zu verschiedenen Zeitpunkten Einblicke in Chirons Leben - seine Kindheit, Teeangerjahre und als Erwachsener. Zu Anfang spielt die Handlung in einem Problemviertel am Stadtrand Miamis. Eine Bande Kinder jagen hinter Chiron, auch "Little" genannt, her. Verngstigt versteckt er sich in einem heruntergekommenem Gebude. Dort findet ihn Juan, einer der Drogendealer des Viertels. Es entwickelt sich eine Freundschaft der besonderen Art: Juan wird Vaterersatz fr Chiron. Er wird sein Vorbild und sein Idealbild von Mnnlichkeit. Zu ihm kann sich Chiron zurck ziehen, wenn seine drogenabhngige Mutter lieber ihren eigenen Interessen nachgeht. Auch sozial stt Chiron auf Ablehnung. Die anderen Kinder des Viertels meiden ihn. Er ist introvertiert und fhlt sich "anders", denn er ist homosexuell. Nur in Kevin findet er einen Freund. Doch schon in den Teenagerjahren wird klar, dass Chiron und Kevin unterschiedlichen sozialen Zirkeln angehren: Der eine Einzelgnger, der andere beliebt. Die beiden verbindet aber mehr als alte Kindheitserinnerungen. Sie entwickeln in ihrer Jugend ein intimes Verhltnis zueinander. Dieses Verhltnis prgt Chiron nachhaltig. Als Erwachsener geht er unter dem Namen "Black" in Atlanta Drogengeschften in Atlanta nach. Er ist seinem Vorbild Juan immer hnlicher geworden. Nur eine Beziehung konnte er bisher nicht aufbauen. Zu konflikthaft sind seine Gefhle. Doch auch fr Kevin ist die Vergangenheit nicht Geschichte. Dieser nimmt Kontakt zu Chiron auf, woraufhin ein Wiedersehen zwischen den beiden stattfindet. Bei diesem Wiedersehen zeigt sich, das die beiden immer noch tiefe Zuneigung zueinander empfinden.

"In Moonlight Black Boys Look Blue"

"Moonlight" ist ein Film, der nachhaltig im Gedchtnis bleibt. Von Anfang an ist klar, dass die Bedeutung des Filmes nur verstanden werden kann, wenn sich der Zuschauer den Problemen der afroamerikanischen Unterschicht bewusst ist. Jenkins erzhlt Chirons Geschichte nicht in einem kontextlosem Raum. Themen wie Identitt und (Homo-)Sexualitt werden stets in Zusammenhang mit Chirons Umwelt beleuchtet. Der Regisseur animiert den Zuschauer, Chirons Entwicklung vom introvertierten Auenseiter zum harten Dealer zu reflektieren. Schnell wird deutlich, was sich hinter der Fassade verbirgt. Trevante Rhodes stellt genau diese Problematik zwischen dem harten Kern und des verletzten, unsicheren Inneren des erwachsenen Chirons berzeugend dar. Besonders beeindruckend ist auch die schauspielerische Leistung von Naomie Harris, die Chirons drogenabhngige Mutter spielt. Sowohl die Musik, als auch die visuellen Effekte sorgen fr eine melancholische, jedoch nie dstere Atmosphre im Film.

Oscars so white?

Doch "Moonlight" ist nicht nur bedeutend fr die Welt der Cineasten und Filmkritiker - es ist ein Film, der ntig war. Die Medien stellen Afroamerikaner als gefhllose Gangster, als Inbegriff der Mnnlichkeit dar. "Moonlight" traut sich diese eindimensionale Narrative zu brechen. Der Film offenbart wie gefhrlich diese Stereotypisierung ist und welchen Einfluss sie auf das Individuum hat. Er offenbart, wie instabil dieses Ideal der Mnnlichkeit ist. Und letztendlich zeigt er, wie dieses Ideal von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Im Internet wurden die Oscars in diesem Jahr mit dem Hashtag #oscarssowhite kommentiert. Es ist schockierend, dass Jenkins erst der vierte Afroamerikaner ist, der den Oscar in der Kategorie "Bester Film" gewonnen hat. Umso bedeutender ist "Moonlights" Sieg, denn er wrdigt eine Darstellung von Afroamerikanern die sich gegen den Klischee stellt. "Moonlight" ist ein Film fr alle, die sich gerne mit gesellschaftliche Verhltnissen auseinandersetzen. Doch werden auch Zuschauer, die sich ohne Hintergedanken auf den Film einlassen, Gefallen an der berhrenden Geschichte finden.



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