"Ohne deine Fragen kann ich nicht weitermachen", wendet die namenlose Frau (Sophie Semin) ein, als ihr ebenso namenloser Gesprchspartner (Reda Kateb) aufhrt, ihr Fragen zu stellen. Ein schner Sommertag, die Idylle eines Garten in einer franzsischen Vorstadt, ein Mann und eine Frau: Das sind die Komponenten aus denen "Die schnen Tage von Aranjuez" besteht. Der Film des deutschen Regisseurs Wim Wenders versucht mithilfe dieser Elemente einen profunden Eindruck beim Zuschauer zu hinterlassen.

"You're going to reap just what you sow"

Die schnen Tage von Aranjuez
Verleih: NFP
Genre: Drama
Regie: Wim Wenders
Darsteller: Reda Kateb, Sophie Semin, Jens Harzer
Filmlaufzeit: 98 Minuten
...singt Lou Reed am Anfang, whrend die Kamera ber das menschenleere Paris am Morgen schwenkt. Den Kontrast bildet die nachfolgende Szenerie: ein Landhaus umgeben von sattem Grn und strahlenden Farben, die Lebendigkeit suggerieren. Ein unbekannter Autor (Jens Harzer) sitzt an seiner Schreibmaschine und schaut nachdenklich aus dem Fenster. Drauen auf der Terrasse sitzen sich ein Mann und eine Frau gegenber. Sie sind in ein Gesprch vertieft, welches der Autor gerade konstruiert. Er ist der Schpfer ihres Dialogs. Die Frau erzhlt, nach Anregung durch den Mann, von ihrem ersten Liebesakt. Der Mann erwidert mit einer Geschichte von seinem Besuch der Stadt Aranjuez, dem alten Sommersitz der spanischen Knigsfamilie. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm der Besuch der casa del labrador, dem Haus der Landarbeiter. Seine Gesprchspartnerin reflektiert weiterhin ber ihre Erfahrungen sexueller und romantischer Art. Dabei offenbart sie dem Zuschauer ihr Selbstbild und was es fr sie heit, eine Frau zu sein. Die Perspektive ist im stndigen Wechsel vom Paar zum Schriftsteller, welcher sich in seinem Haus mit Musik die Zeit vertreibt.

Anonym und doch persnlich?

Wer sind diese Charaktere, die Wenders zum Leben erwecken mchte? Der Zuschauer bekommt keinerlei Informationen, um das Geschehene in einen Kontext einzubetten. Die Beziehung zwischen dem Mann und der Frau bleibt unbekannt. Das Gesprch der beiden wirkt hlzern. Obwohl die beiden Charaktere miteinander interagieren, reden sie aneinander vorbei. Dadurch wird der Dialog in Monologe zerstckelt. Diese mchten dem Zuschauer irgendwas Bedeutendes mitteilen, was genau, bleibt allerdings unklar. Das Vorhaben, durch einen abstrakten, philosophischen Diskurs das Interesse des Zuschauers zu wecken, scheitert an der fehlenden Empathie fr die Charaktere. Aus Desinteresse wird schnell Missmut. Die Prmisse des Theaterstcks von Peter Handke kann sich in dem Medium Film nicht vollstndig entfalten.

Konzentrationsbung

Einziger Wermutstropfen ist die schne Szenerie. Das Rauschen des Windes im Hintergrund, das warme Licht, das in den Garten fllt all diese Eindrcke sind sinnlich sehr ansprechend. Doch reichen diese nicht, um den Film 90 Minuten lang geniebar zu machen. Selbst einem Publikum, welches die handlungsarmen Filme Wenders' schtzt, wird es schwer fallen, den Fokus zu behalten. Wer Langatmigkeit nicht scheut, drfte von "Die schnen Tage von Aranjuez" nicht enttuscht werden. Vielleicht kann mancher aus dem Dialog einen Mehrwert ziehen. Besondere Erkenntnisse sollten allerdings nicht erwartet werden.



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