Die Gleichberechtigung zwischen Mnnern und Frauen ist in vielen Gesellschaften ein angestrebtes Ziel. Das gilt im Job genauso wie bei der Kindererziehung und im Haushalt. Dass wir davon in Deutschland noch weit entfernt sind, ist kein Geheimnis, aber wir sind im Gegensatz zum Anfang des letzten Jahrhunderts schon ganz schn weit gekommen. Heutzutage wrde kein Vater seinem Kind eine Karriere als Knstler absprechen, nur weil es weiblich ist. Doch genau das sagt Herr Becker zu seiner Tochter. "Ich glaube nicht, dass du eine gottbegenatete Knsterlin ersten Ranges wirst. Frauen knnen keine Malerinnen werden. Schlag dir das aus dem Kopf. Du bist schon 21 Jahre alt. Wir mssen langsam wirklich einen Ehemann fr dich finden." Mit diesen Worten beginnt das Biopic "Paula" ber die Malerin Paula Modersohn-Becker.

Ein Theaterstck auf der Leinwand

Paula - Mein Leben soll ein Fest sein
Verleih: Pandora Film
Genre: Drama
Regie: Christian Schwochow
Darsteller: Carla Juri, Albrecht Abraham Schuch, Roxane Duran, Joel Basman
Filmlaufzeit: 118 Minuten
Wir begleiten Paula (Carla Juri), wie sie in eine Knstlerkolonie nach Worpswede in der Nhe von Bremen zieht. Dort lernt sie ihren Ehemann Otto Modersohn (Albrecht Abraham Schuch) kennen, aber viel wichtiger, auch ihre beste Freundin Clara Westhoff (Roxane Duran) trifft sie bei den ersten Malstunden. Doch nichts hlt Paula in der engstirnigen mnnlichen dominierten Gesellschaft, die so sehr davon berzeugt ist, dass ihre Kunst nichts von Wert hat. Sie bricht aus und flieht nach Paris. In der pulsierenden Stadt hofft sie Anerkennung fr ihre Werke zu finden. Nur drei gute Bilder mchte sie malen, dann knne sie sterben.

Ist das Ende des Films also schon vorauszusehen? Ja und nein. Ja, weil es eine Biografie ist. Wir wissen dementsprechend vorher schon, wie das Drama endet. Nein, weil wir nicht wissen, wo und wie Regisseur Christian Schwochow den Schlussstrich zieht. Und das hat er ziemlich geschickt, wenn auch verwirrend, gemacht. Gut gewhlt ist die Aufzeichnung und Wiedergabe des Films im Breitbildformat. Dies untersttzt das Gefhl, dass wir nicht im Kino, sondern in einem Theatersaal sitzen. Die Figuren reden langsam, deutlich und akzentuiert. Posen werden lange gehalten, vieldeutige Blicke werden dem Gegenber zugeworfen. Die leicht gestelzte Redeweise und die Innenaufnahmen erinnern mehr an das Bhnenbild eines Theaterstcks, geschlossen, eingeklemmt. Im Gegenzug dazu sind die Aufnahmen in der Natur erfllt von Ungezwungenheit und Freiheit. Der Wind weht durch den Mief der Kulissen.

Wenig Entwicklung

Paula wird von der rebellischen Heldin zur Anti-Heldin. Am Anfang ist ihre strrische Art ermutigend. Sie gibt nicht auf. Ihr ist durchaus bewusst, dass ihre Anstze in der Malerei neu sind. Sie hlt sich nicht an studieren und imitieren, so gut es geht. Clara und sie wissen, dass sie genauso gut sind, wie die Mnner. Anerkennung bekommen sie dafr aber nicht. Ganz im Gegenteil: Sie werden verspottet. Als Paula der Hohn zu viel wird, bricht sie aus. Der Moment, in dem sie das Haus in Worpswede verlsst, ist der Moment, in dem sie sich zum trotzigen Teenager und zur Anti-Heldin wandelt. Was den Filmsequenzen hier fehlt, ist Tiefe. Statt einer zerrtteten, aufgewhlten Seele, sehen wir eine verwhnte Gre, die sich auf Kosten ihres verlassenen Ehemannes amsiert. Stellenweise macht es wirklich keinen Spa ihr zuzuschauen. Es gibt nur wenige Momente, in denen Paulas verwundetes Innenleben zum Vorschein tritt.

Bekannte Namen

"Paula" ist ein bildlich schnes Portrt des frhen zwanzigsten Jahrhunderts. Es zeigt die Verbundenheit der verschiedenen Knstler der Zeit. So lernen wir nicht nur Paula, ihren Mann Otto und Clara kennen, sondern auch den Schriftsteller Rainer Maria Rilke, den Bildhauer Auguste Rodin und Maler Fritz Mackensen. Auch die Besonderheit der Beziehung zwischen Otto und Paula wird ausdrucksvoll herausgearbeitet. Doch Feminismus hin oder her: Der Film zeigt nichts, was wir nicht auch in einem gut geschriebenen Artikel ber Paula Modersohn-Becker erfahren knnen. "Paula" ist ein guter Einstieg in das Leben dieser revolutionren Knstlerin, aber kein bahnbrechendes, atemberaubendes Meisterwerk.



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