Daniel, der die meiste Zeit Dan genannt wird, ist Ende 50 und ein guter Mensch. Er achtet darauf, dass sein jugendlich wirkender Nachbar regelmig den Mll wegbringt und Hunde ihr Geschft nicht auf der Gemeinschaftswiese erledigen.

Dan lebt im Nordosten Englands und hat bis vor kurzem noch als Tischler auf Baustellen gearbeitet. Auf Grund eines Herzinfarkts darf er nun nicht mehr arbeiten. Seine rzte haben es ihm verboten. Das Sozialamt kann aber keine Arbeitsunfhigkeit feststellen. Da Dan laut Fragebogen gesund ist, lehnt es die finanzielle Untersttzung ab. Dieser entwickelt, enttuscht und verrgert vom Sozialsystem Grobritanniens, einen enormen Stolz und Ehrgeiz. Er wird zum Kmpfer fr soziale Gerechtigkeit.

Eine unaufgeregte Sozialstudie

Ich, Daniel Blake
Verleih: Prokino Filmverleih
Genre: Drama
Darsteller: Dave Johns, Hayley Squires, Dylan McKiernan, Briana Shann, Sharon Percy
Regie: Ken Loach
Filmlaufzeit: 111 Min.
Bei seinem ersten Besuch des Sozialamtes lernt Dan Katie kennen. Sie ist gerade mit ihren zwei Kindern aus London in die Kleinstadt gezogen. Dan bekommt mit, wie auch die drei ungerecht behandelt werden und setzt sich fr sie ein. Sie werden zu einer Ersatzfamilie, dessen Ehefrau schon vor einigen Jahren gestorben ist. Katie und ihre Kinder bringen Dan dazu Strke zu entwickeln und seine Wut gegen das System in Hilfe zu katalysieren. Whrend er mehr und mehr den Kontakt zu seinen alten Kollegen verliert, fhlt er sich in seiner neuen, ungewohnten Position immer wohler.

Regisseur Ken Loach behlt seine, ihm typische Erzhlweise bei und gewinnt dieses Jahr mit "Ich, Daniel Blake" die goldene Palme bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes. Die Kamera ist stets beobachtend, und wenn Dan sein Zuhause verlsst, distanziert. Die Bilder wirken dokumentarisch, alle Schauspieler auffallend normal. Daher ist es schade, dass die Synchronstimmen mit ihren gestelzten, hochdeutschen Aussprachen diese sehr genaue Sozialstudie brechen aber dafr bietet die DVD die Mglichkeit der Sprachauswahl.

Ein Held ohne Anzug

100 Minuten dauert der Film. Und nach zwei Dritteln ist es tatschlich ein Dauern. Wenn Dan zum dritten Mal zum Sozialamt geht und danach wieder an den modernen Medien, in Form von Formularen im Internet, scheitert, hat das Publikum die Problematik schon verstanden. Die restliche Zeit des Films fllt es leicht zu vergessen, dass es ganz normale Menschen mit (leider) alltglichen Problemen sind. Dan ist kein Superheld mit Spezialkraft, trotzdem entwickelt der Film eine eigene Spannung.


Die ruhige Erzhlweise und die Sympathie Dans lassen die Thematik nicht berdramatisiert dadurch aber viel eindringlicher erscheinen. Obwohl - oder gerade weil - im Moment viele politische Themen monumentaler erscheinen, ist es wichtig, die bestehenden sozialen Ungerechtigkeiten nicht zu vergessen. Mit "Ich, Dan Blake" ist es eine angenehme und spannende Auseinandersetzung.



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