Wie stellt man das Leben eines Knstlers, der Provokation und Innovation in seiner Person vereint, angemessen dar? Dieter Berner entschied sich in seinem Biopic "Egon Schiele - Tod und Mdchen" dazu, am Ende anzufangen. Das erste, das der Zuschauer wahrnimmt, ist ein halluzinierender Protagonist, der im Sterben liegt. Sein Tod im Jahr 1918 erschttert die Wiener Kunstszene. Rckblickend erzhlt Berner die Geschichte eines unkonventionellen Lebens, die Geschichte eines Knstlers in Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs.

Egon Schiele und die Frauen

Egon Schiele - Tod und Mdchen
Verleih: Alamode Film
Genre: Biografie, Drama
Regie: Dieter Berner
Darsteller: Noah Saavedra, Maresi Riegner, Valerie Pachner
Filmlaufzeit: 109 Minuten
1909 verlsst Egon Schiele (Noah Saavedra) die Wiener Kunstakademie. Kurz darauf grnden seine Freunde von der Akademie und er die Neukunstgruppe. Doch nur seine Schwester Gerti (Maresi Riegner) kennt Egon wie sonst niemand. Sie ist seine erste Muse. Ihre Beziehung ist von gegenseitiger Zuneigung geprgt, wird jedoch auf die Probe gestellt als er anfngt, anderen Frauen seine Aufmerksamkeit zu schenken. Aus Frsorge wird Eifersucht und bei beiden entwickelt sich das Gefhl, vernachlssigt zu werden. Die Geschwister distanzieren sich voneinander. Fortan mssen andere fr Schiele Modell stehen. SeineWerke haben schon immer mit erotischen Motiven provoziert, allerdings sind seine Modelle oft minderjhrig. Sein Mentor Gustav Klimt sieht darin ein Risiko. Deshalb stellt er Schiele die rothaarige Wally (Valerie Pachner) vor. Sie wird nicht nur Modell zahlreicher Kunstwerke, sondern auch seine Lebensgefhrtin. Doch der erste Weltkrieg verlangt Opfer: Schiele soll in Prag ausgebildet werden. Seine Beziehung zu Wally nimmt 1915 ein Ende, als er seine ehemalige Nachbarin, die gutbrgerliche Edith Harms heiratet. Nach Wallys Tod wird das Bild "Mann und Mdchen" umbenannt, fortan soll es "Tod und Mdchen" heien.

Ein Leben fr die Leidenschaft

Der Film verarbeitet die wichtigsten Geschehnisse des Lebens Schieles. Jedoch beschrnkt er sich zu sehr darauf. Die Tragik von Ereignissen, wie Wallys Tod oder das Auseinanderleben der Geschwister, kommt nicht zum Tragen. Es herrscht eine Distanz zwischen dem Zuschauer und dem Geschehen. Egon Schiele bleibt unnahbar, ein Einblick in sein Innenleben wird verwehrt.


Er wird als Charmeur dargestellt, als Egoist, als Provokateur, allen voran als jemand, dessen Leben dem knstlerischen Schaffen gewidmet ist. Berner gelingt es zwar, diese Leidenschaft authentisch darzustellen, doch auch hier verwirklicht der Regisseur viel Potential nicht, wodurch der Film flach wirkt. Was wollte Schiele mit seiner Kunst ausdrcken? Welche Ideen gingen ihm durch den Kopf? Inwiefern korrespondieren seine Werke mit seinem Leben? Diesen Fragen schenkt der Film keine Beachtung. Auch der Wiener Zeitgeist wird vernachlssigt - der erste Weltkrieg tobt, ist aber lediglich Nebensache.

Gemischte Gefhle

Dass der Film dennoch mitreiend ist, liegt grtenteils an der schauspielerischen Leistung Pachners. Auerdem gibt Saavedra dem Knstler Charisma. Erwhnenswert ist auch die visuelle Komponente, denn das Biopic ist schn anzusehen. Der Zuschauer bekommt eine grobe Idee, wie Schieles Leben aussah. Leider verpasst der Film die Chance, mehr als nur das zu bieten.



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