Product Placement ist in Hollywood mindestens genauso dominant wie Superhelden-Filme und schlechte Sequels. Firmen geben viel Geld aus damit Filmcharaktere ihr Fast Food essen oder mit Hilfe ihres Brettspiels von bernatrlichen Mchten heimgesucht werden. Obwohl beides die Gesundheit mglicherweise in gleichen Maen schdigt, mag besonders Letzteres befremdlich klingen. Doch in Mike Flanagans 2016 erschienenem Horrorfilm "Ouija: Ursprung des Bsen" spielt das Brett nicht nur eine tragende Rolle. Der gesamte Film basiert - wie im Abspann extra erwhnt wird - auf dem Brettspiel Ouija von Hasbro. Die Produktionsfirma des Spielwarengiganten war sogar an der Entstehung des Horrorfilms beteiligt. Man knnte denken, dass die Qualitt des Films nicht die oberste Prioritt der Macher war. Zudem hat Flanagans Film als Prequel des verrissenen "Ouija Spiel nicht mit dem Teufel" keine groen Fustapfen zu fllen. "Ouija: Ursprung des Bsen" ist trotz all dieser Widerstnde ein solider Horrorfilm.

Ein bedrohliches Brett

Ouija: Ursprung des Bsen
Verleih: Universal Pictures Germany
Genre: Horror
Regie: Mike Flanagan
Darsteller: Elizabeth Reaser, Annalise Basso, Lulu Wilson, Henry Thomas, Parker Mack
Filmlaufzeit: 90 Minuten
Los Angeles 1967: Behutsam nimmt Alice Zander (Elizabeth Reaser) die Hand ihrer ltesten Tochter Lina (Annalise Basso), whrend die beiden um das Quija-Board herumsitzen. Die Situation ist emotional aufgeladen. Die Augen der beiden Frauen sind gertet. Sie haben erst krzlich geweint. Alice und Lina haben herausgefunden, dass sie ber das Brett mit dem Jenseits in Verbindung treten knnen. Nun kann alles besser werden, glaubt die Mutter. Sie knnen mit Roger, Alices verstorbenem Mann, kommunizieren und auch anderen Menschen helfen, die sich Kontakt zum Jenseits erhoffen. Die Familie leidet noch immer unter Rogers Tod und lebt in bescheidenen Verhltnissen. Alice gibt sich als Medium aus, doch ihre bisherigen Begegnungen mit Geistern waren nur gespielt bis die Mutter das Hexenbrett mit nach Hause bringt. Whrend Alice nun optimistisch ist, bleibt Lina skeptische Haltung. Keine von beiden hat auch nur den Hauch einer Ahnung davon, dass das Hexenbrett bald schon zu einer Art Jumanji auf Steroiden werden wird. Das Spiel ist eine tdliche Bedrohung und das nicht nur fr die Familie selber.

Horror im Zeitalter der Hippies

"Ouija: Ursprung des Bsen" gibt Zuschauern und Charakteren gleichermaen Luft zum atmen. Flanagan lsst einen die Charaktere kennenlernen und findet immer wieder Platz fr ruhigere Szenen der Zwischenmenschlichkeit. Was langatmig sein kann, kommt dem Film unterm Strich enorm zugute. Der Zuschauer bekommt ein gutes Bild von den Zanders. Sie - und nicht die bersinnlichen Mchte - stehen im Mittelpunkt der Handlung. Das Publikum ist emotional involviert und mchte, dass die Familie die dunklen Mchte besiegt. Zugegeben, die Charaktere sind nicht besonders kreativ. Eine sich abmhende Mutter, die versucht ihre Familie zusammenzuhalten, ist nicht originell. Doch die schauspielerische Leistung berzeugt und daher wirken die Figuren authentisch. hnlich verhlt es sich mit anderen bekannten Elementen des Genres, die der Regisseur fr seinen Film beansprucht. Flanagan erfindet die Idee des Spukhauses nicht neu, doch sein Geisterhaus begeistert einen. berhaupt entschdigt das Setting des Films fr viele seiner Schwchen. "Ouija: Ursprung des Bsen" spielt in den 60er Jahren und fhlt sich auch so an. Die Kostme, die Frisuren und selbst kleine visuelle Details lassen ein richtiges Retro-Gefhl aufkommen. Dieses Flair vermischt Flanagan gekonnt mit einer gruseligen Atmosphre.

Er setzt dabei meistens auf Subtilitt. Er setzt nicht auf literweise Kunstblut, sondern wei wie effektiv die Vorstellungskraft des Zuschauers arbeitet. Es ist oft furchteinflender Dinge nur zu erahnen, anstatt sie zu sehen. Diesen Umstand nutzt der Regisseur. Weitere Pluspunkte sammelt der Film durch berraschende Momente. Flanagan liebt es auf dezente Weise mit Erwartungen zu spielen. Der Zuschauer profitiert meistens davon.

Ein Schrecken ohne Ende

Die Achillesverse des Werks ist sein Ende. Von der angenehmen Subtilitt ist pltzlich nichts mehr zu sehen. Die Handlung wirkt berladen, berdreht, teils sogar verwirrend und scheinbar willkrlich. Auerdem wei der Film nicht, wann und wie er enden soll und zieht sich dabei in die Lnge. Von diesem entsetzlichen Ende und einigen Schwchen abgesehen, ist "Ouija: Ursprung des Bsen" ein sehenswerter Film. Alle, die ihre Brettspiele lieber ruhig mgen, sollten einer gepflegte Partie Mensch rgere Dich nicht den Vorzug geben, doch allen anderen kann man "Ouija: Ursprung des Bsen" ans Herz legen.



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