In der nahen Zukunft leben die Schwestern Nell (Ellen Page) und Eva (Evan Rachel Wood) zusammen mit ihrem Vater (Callum Keith Rennie) in den Wldern im Nordwesten Kanadas. Technik und globale Vernetzung definieren und bestimmen immer mehr den Alltag der Menschen. Eva ist eine leidenschaftliche Tnzerin und Nell bereitet sich fr einen Aufnahmetest fr das College vor.

berleben ohne Strom

Doch dann fllt der Strom flchendeckend aus und der Zusammenhalt der Familie und die Fhigkeiten jedes Einzelnen sind gefragt. Fr Eva ist es schwer nur noch zum Takt eines Metronoms zu ben. Nell muss sich nun Bcher zur Hand nehmen, um fr ihre Prfung zu lernen. Das Internet steht ihr nicht mehr zur Verfgung. Der Kontakt zur Auenwelt bricht vllig ab. Bald wird klar, dass es sich nicht um einen vorbergehenden Zustand handelt. Anpassung an die neuen Umstnde ist dringend notwendig und der Kampf ums berleben beginnt.

Sentimentales Drama oder inspierender Prototyp

Auf der einen Seite knnte ich sagen, "Into the Forest" sei vllig misslungen. Die Handlung ist zum Teil vorhersehbar und trge. Die Entscheidungen der beiden Schwestern scheinen irrational.
Nachdem der Vater bei einem Unfall in den Wldern stirbt, sind Eva und Nell auf sich alleine gestellt. Von ihren Emotionen gelenkt, verwenden sie ein paar Liter der sprlichen Benzinvorrte, um den Generator zum Laufen zu bringen. Sie hren Musik und sehen sich alte Videos an, um ihre Trauer zu bewltigen.

Weder Eva noch Nell ziehen in Betracht, dass Gefahren auch von Auen kommen knnen und entwickeln keine Verteidigungsstrategien. Als Stan (Michael Eklung), ein ehemaliger Angestellter aus der naheliegenden Gegend, auftaucht, ist es zu spt. Stan vergewaltigt Eva und stiehlt ihren Jeep. Eine bessere Vorbereitung htte dies verhindern knnen. Eva wird schwanger. Als sie sich daraufhin gegen eine Abtreibung entscheidet, sinkt meine Empathie, aufgrund des Mangels an Vernunft, umso mehr. Zum Ende des Filmes bevorzugt es Eva, ihr Kind im Wald zu bekommen und das Haus aufgrund von Schimmel und Zerfall mit dem letzten Benzinvorrat abzubrennen.

Erwartungen und Realitt

Ich hatte etwas vllig anderes erwartet. Dies veranlasste mich dazu, noch einen zweiten Blick auf "Into the Forest" zu riskieren. Survivalfilme verbinde ich mit Action und einem plottrchtigem Spannungsbogen. Serien wie "The Walking Dead" meiden keineswegs emotionale Abgrnde oder schwierige Entscheidungen, aber sind mehr darauf ausgelegt zu unterhalten. "Into the Forest" hat viele unglaublich lange Szenen, die einem Live-Stream gleichen. Das ist ein anderes Filmerlebnis und bedarf einer anderen Aufmerksamkeit. Die gngige Kreation des Hochglanzhelden hat genug Zeit zu zerbrckeln. Hier nimmt die Regie in Kauf, den einen oder anderen Zuschauer zu verlieren und dafr ein natrlicheres Bild des Menschen als emotionales und auch fehlentscheidenes Wesen in einer sich verndernden Umgebung zu dokumentieren. Sollte sich in Wirklichkeit eine wie im Film dargestellte Situation ergeben, wrde es sich wohl eher wie "Into the Forest" abspielen, als dass sich tatschlich erwarten liee, mit einem Samuraischwert in der Hand die Apokalypse zu berleben.

Scharfe Kritik im Netz

Into the Forest
Verleih: capelight pictures
Genre: Drama
Regie: Patricia Rozema
Darsteller: Ellen Page, Evan Rachel Wood, Max Minghella, Michael Eklund, Callum Keitz Rennie
Filmlaufzeit: 101 Minuten
Aus dieser Perspektive betrachtet, ist das Science-Fiction-Drama eine mutige Auseinandersetzung mit dem fehlerhaften Menschen. Da es sich bei den Hauptcharakteren um Frauen handelt, kam im Netz die Frage auf, ob "Into the Forest" der weibliche Weg der Krisenbewltigung in einer Endzeit-Welt sei. Hierbei handelt es sich um harte Kritik, welche aus etlichen Onlinebewertungen hervorgeht. Die Kritiker sttzen sich auf die zu emotional gelenkten oder gar stupiden Entscheidungen der Protagonistinnen. "Into the Forest" besteht in der Tat den Bechdel-Test und wurde auch von Frauen geschrieben und produziert. Ich wrde davon absehen, ihn aufgrund seiner Geschlechterrollen mit anderen Filmen des Genres zu vergleichen. Die Emotionalitt des Films ist nicht das Manko. Meiner Meinung nach hat der Film nur einen wirklich zu kritisierenden Schnheitsfehler: Die Jahreszeit wird nicht einbezogen. Der Winter steht fr die Zeit des hrtesten berlebenskampfes. Da der Film sich doch um so viel Authentizitt mht, ist es berraschend, dass er sich damit nicht auseinandersetzt. Auch wird nicht weiter auf die Ursachen der Stromausflle eingegangen. Regisseurin Patricia Rozema legt den Fokus mehr auf die Skizzierung der zwischenmenschlichen Beziehungen.

Der Titel des Films wird Wirklichkeit

Am Ende machen sich Nell und Eva mit ihrem Neugeborenen auf in den Wald. Ihr Zuhause ist nur noch ein Haufen Schutt und Asche. Sie lassen ihr altes Leben zurck. "Into the Forest" spielt nach anderen Regel und schafft es den Zuschauer zum Nachdenken anzuregen. Auch das Thema der sexuellen Gewalt wird sensibel aufgegriffen und umgesetzt. Wer sich einen Endzeitfilm aus einer anderen Perspektive anschauen mchte und ein Fan von Ellen Page ist, kann ich diesen Film nur empfehlen.



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