Aix-en-Provence, 1852: Zwei schwatzende Jungs laufen bermtig mit Flinten unter dem Arm durch malerische, sonnendurchflutete Landschaften der franzsischen Provence. Sie schieen auf Hasen, kmpfen mit Holzschwertern und baden in glasklaren Seen. Noch ahnen sie nicht, dass ihre turbulente Zukunft die Kultur Europas fr immer prgen wird. Der eine von ihnen - mile Zola (Guillaume Canet) - wird einmal Frankreichs bedeutendster naturalistischer Schriftsteller werden. Dem anderen - Paul Czanne (Guillaume Gallienne) - steht eine schwierige Malerkarriere bevor. Zeitlebens kaum von Erfolg gekrnt, wird ihn jedoch nach dem Tod selbst Picasso zum "lieben Gott der Malerei" ernennen.

Vor den beiden liegt eine lange und komplizierte Freundschaft. Es ist ihre Liebe zur Kunst, die sie zusammenschweit und am Ende einander entzweien wird. Der Film "Meine Zeit mit Czanne" erzhlt sensibel von dieser lebenslnglichen Beziehung, gert jedoch allzu langatmig und bleibt unter seinen Mglichkeiten.

Schwierigkeiten einer Lebensfreundschaft

Meine Zeit mit Czanne
Verleih: Prokino Home Entertainment
Genre: Tragikomdie
Regie: Danile Thompson
Darsteller: Guillaume Gallienne, Guillaume Canet, Alice Pol, Dborah Franois
Filmlaufzeit: 117 Minuten
Sie sind sich unhnlich und schlieen doch schnell Freundschaft. Der schchterne und etwas unbeholfene mile ist der Sohn rmlicher italienischer Einwanderer. Paul hingegen - extrovertiert und aufbrausend - stammt aus einer reichen Bankiersfamilie. Was sie zunchst verbindet, ist ihre schwrmerische Begeisterung fr Kunst und Literatur und ihre Verachtung fr die brgerliche Gesellschaft mit ihrer konservativen Kunstauffassung. Im Laufe der Zeit aber lsst Eifersucht die Freundschaft brckeln. mile geht eine Beziehung mit Alexandrine (Alice Pohl), der ehemaligen Geliebten von Paul, ein. Auerdem erntet der Schriftsteller zunehmend Ruhm fr seine Bcher, whrend der Maler unzufrieden und wtend seine Werke zerstrt. Czanne fhlt sich von seinem Freund im Stich gelassen und verraten, da sich Zola immer mehr der brgerlichen Gesellschaft anpasst. Die Spannungen eskalieren, als sich Paul in der Hauptfigur von miles Roman "Luvre" wiederzuerkennen glaubt - ein gescheiterter, misanthropischer Maler, der schlielich frustriert Selbstmord begeht. Ihre Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt.

Berhrende Szenen

Zugegeben: Der Regisseurin Danile Thompson gelingt es, die wechselhafte Beziehung der Knstler in zahlreichen Rckblenden einfhlsam lebendig werden zu lassen. Der Titel "Meine Zeit mit Czanne" ist hierbei irrefhrend, da sie die Geschehnisse nicht nur aus der Perspektive Zolas erzhlt. Atemberaubend schn sind die Landschaftsaufnahmen der Provence, der Lieblingsort der Knstler, welcher dem Maler unzhlige Motive fr seine Bilder liefert. Im Zusammenspiel mit dem ergreifenden Soundtrack von ric Neveux gehen die Dialoge und Briefzeilen der Freunde, die zwischen Zuneigung, Vertrautheit, Eifersucht und Hass hin- und herschwanken, ans Herz. Dazu trgt auch die berzeugende Arbeit der Schauspieler bei. Sie schaffen es, die zwiespltigen Gefhle und gegenstzlichen Persnlichkeiten der Figuren authentisch darzustellen. Dafr htte es aber keiner fast hundertzwanzig Minuten bedurft.

Monotonie an der Oberflche

Dramaturgisch weist der Film Schwchen auf. Die Handlung stagniert und wirkt zh - es gibt keine erkennbare Spannungskurve, keine Hhe- oder Wendepunkte. Langeweile entsteht auch durch fehlenden Tiefgang. Der Stoff des Films bietet das Potenzial fr ein lebendiges Zeitgemlde der spannenden und entwicklungsreichen Jahre zwischen 1850 und 1890. Stattdessen bleibt alles, was nicht unmittelbar mit der Beziehung der Hauptfiguren zu tun hat, vage und oberflchlich. Die berhmten impressionistischen Maler Monet, Pissaro und Manet, die zum Bekanntenkreis von Zola und Czanne gehrten, kommen nur am Rande vor. Ganz zu schweigen von Zolas ffentlicher Verteidigung des unrechtmig verurteilten jdischen Hauptmanns Alfred Dreyfus. Die berhmt gewordene "Dreyfu-Affaire" wird kaum erwhnt.

Thompson versumt es zu zeigen, was das Neue und Moderne an den Werken Zolas und Czannes war. Keine Rede ist von Zolas Versuch, naturwissenschaftliche Methoden in die Literatur zu holen. Schlielich verstand der Romancier seine Bcher als Experimente, mit denen er die menschliche Natur erforschen wollte. Ebenso bleibt unbeantwortet, weshalb Czannes Kunst seinerzeit auf Ablehnung stie, spter hingegen die modernen Knstler mageblich beeinflusste. Der Zuschauer bleibt ahnungslos. Er bekommt lediglich hbsches und seichtes Gefhlskino geboten, das noch dazu einen viel zu langen Atem erfordert.



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