"Assassin's Creed", "Warcraft: The Beginning", "Gods of Egypt" - 2016 war das Jahr der Videospiel-Adaptionen. Zugegeben, "Gods of Egypt" gehrt nicht wirklich in diese Liste. Allerdings fhlt sich der Fantasyfilm von Alex Proyas mit seinen fast vollstndig computergenerierten Bildern oft wie die Verfilmung eines Spiels an, wie eine Adaption oder die niemals enden wollende Zwischensequenz eines Computerspiels. Passender Weise hat das Werk auch den gleichen cineastischen Nhrwert wie viele der Filme, die tatschlich auf Videospielreihen basieren.

Von Gttern und Ganoven

Gods of Egypt
Verleih: Concorde Filmverleih GmbH
Genre: Action
Regie: Alex Proyas
Darsteller: Nikolaj Coster-Waldau, Gerard Butler, Bryan Brown, Brenton Thwaites
Filmlaufzeit: 128 Minuten
chzend vor Schmerz liegt der Himmelsgott Horus (Nikolaj Coster-Waldau) auf dem Boden, um ihn herum Verwstung. Es soll der Tag seiner Krnung zum Knig ber ganz gypten werden. Doch es wird der Tag seiner grten Niederlage. Denn bevor Horus gekrnt wird, unterbricht sein Onkel Set (Gerard Butler) die Zeremonie. Der Wstengott ttet zunchst Horus Vater Osiris (Bryan Brown), den Gott des Jenseits, dann besiegt er Horus im Kampf und blendet ihn. Horus geht ins Exil, wo er verweilt, bis er vom jungen Dieb Bek (Brenton Thwaites) aufgesucht wird. Dieser berredet Horus den Kampf gegen seinen Onkel und fr gypten aufzunehmen - was sich als schwieriges Unterfangen entpuppt.

Hamlet trifft auf hanebchenen Unsinn

"Gods of Egypt" ist kein akkurates Portrait der gyptischen Mythologie. So tritt zwar Set im Osirismythos ebenfalls als dessen Mrder auf, die Adaption falls man das Wort berhaupt verwenden mag ist jedoch allenfalls lose. Das ist nicht weiter verwunderlich. "Gods of Egypt" ist nicht als cineastischer Crashkurs in gyptologie gedacht. Auch der Blickwinkel, aus dem sich Proyas dem Stoff nhert, ist grundstzlich nicht schlecht gewhlt. Die Geschichte von einem Mann, der seinen Vater rchen, gegen seinen Onkel kmpfen und dem ihm zustehenden Thron zurckerobern soll, klingt verdchtig nach Hamlet. Die Idee gyptische Mythologie als shakespearianisches Drama zu prsentieren, hat Potenzial. Leider nutzt "Gods of Egypt" dieses Potenzial nicht.


Knige der Klischees

Die Figuren in Proyas Werk sind charakterlich so dnn wie Papyrus und mehr Klischees als ernstzunehmende Persnlichkeiten: Bek ist der naive Dieb mit dem Herzen aus Gold, Horus ein derber Draufgnger, der erst noch lernen muss, ein wahrer Anfhrer zu werden und Set ein Schurke, der seine fehlenden Skrupel mit Machtgier wettmacht. Dass der Film dem Zuschauer keinerlei Zeit gibt eine Bindung zu den Charakteren aufzubauen, verschlimmert die Sachlage zustzlich. Figuren werden kurz vorgestellt, ihre Motivationen rasch angerissen und schon folgt eine Actionsequenz auf die nchste. Dadurch, dass der Zuschauer keinen Bezug zu den Charakteren hat und dass diese ihm daher gleichgltig sind, bleiben diese Szene voller Aktion emotional bedeutungslos. Es will keine Spannung aufkommen. Die Actionsequenzen an sich knnen auch nicht berzeugen. Nichts von dem, was der Zuschauer geboten bekommt, hat er nicht schon mal in besserer Version woanders gesehen. So hneln die diversen computeranimierten Monster uninspirierten Gegnern aus Videospielen. Sie lassen einen unweigerlich an die Spiele denken, die man in der Zeit spielen knnte, welche man damit verbringt diesen den Film zu gucken. Mehr schlecht als recht zusammengehalten wird das Ganze von einer absurden Handlung, die unntig mit Nebenfiguren vollgestopft ist und extrem konstruiert wirkt. Glckliche Zuflle kommen stets ein wenig zu gelegen. All das fhrt dazu, dass einem "Gods of Egypt" mindestens so lange vorkommt wie der Bau einer Pyramide im alten gypten.

Der schottische Set

In "Gods of Egypt" sind vornehmlich weie Schauspieler zu sehen. Beispielsweise der Schotte Gerard Butler, welcher den schurkischen Set spielt. Dieser Umstand hat zu Negativschlagzeilen gefhrt. Grundstzlich ist ein solch kritisierendes Verhalten der Medien begrenswert. Hollywood tut sich leider noch immer schwer mit Vielfalt. Das ist ein Problem. Debatten, wie die um Proyas Film, helfen es verstrkt in die ffentlichkeit zu bringen. "Gods of Egypt" ist kein Film, bei dem man traurig sein muss, wenn man ihn ihm keine Rolle bekommen hat. Jeder, der in diesem chaotischen und berladenen Computerspiel-Verschnitt nicht mitspielen musste, kann froh sein - ganz gleich welche Hautfarbe oder ethnischen Hintergrund er hat.



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