Nach dem Tod seiner Frau Joan (Naomi Watts) sucht Arthur Brennan (Matthew McConaughey) nach dem perfektem Ort zum Sterben. Bei seinen Recherchen stt er auf den bekannten Selbstmrderwald Aokigahara. Ohne Rckflugticket und ohne Gepck reist er nach Japan. Im Aokigaharawald trifft er auf den mysterisen Takumi Nakamura (Ken Watanabe), welcher blutend und taumelnd nach einem Ausweg aus den "Sea of Trees" sucht. Dem Ort ausgeliefert, der entweder Tod oder Heilung bringen kann, durchlebt Brennan erneut seine Vergangenheit. Im Kampf gegen die Naturgewalten stellt er sich seiner Verzweiflung und seinen Schuldgefhlen, doch es ist unklar ob er und sein Leidensgenosse es je wieder aus dem Wald herausschaffen werden.

Eine Geschichte mit viel Potenzial

The Sea of Trees
Verleih: Ascot Elite Home Entertainment
Genre: Drama
Darsteller: Matthew McConaughey, Naomi Watts, Ken Watanabe
Regie: Gus Van Sant
Filmlaufzeit: 107 Min.
Der Anfang ist gut. Groartige Kamerafhrung und ein starker Soundtrack nehmen den Zuschauer ein. Kein Gepck. Kein Rckflugticket. Der Minimalismus berzeugt. Es gibt nur noch einen Weg. Nur noch eine Lsung. Eine Flasche Wasser und blaue Tabletten.
Durch die Poesie der Kulisse erhlt das Thema eine wrdige Einleitung. Matthew McConaughey berzeugt zunchst. Auch die Darstellung des Waldes als Synonym des Lebens ist gelungen, untersttzt durch den, fr diesen Zweck zugeschnittenen Dialog: "Are you okay? Are you lost?" "I can't find a way out. Please help me!" Gut gezeichnet ist auch die Prsentation der erfolgreichen Suizide, an welchen Brennan vorbei geht. Es erinnert stark an eine Szene aus "The Happening".
Dabei werden die Gesichter der Selbstmrder nicht gezeigt. Eine gelungene Inszenierung, dass die Geschichte des Menschen nicht bekannt ist, jedoch sein Ende. Hier htte die Chance bestanden dies kritisch aufzugreifen, wird es aber nicht. Die Gesetze des Waldes sind anders. Ersehnt wird nicht das Leben, sondern der Tod.

Unschne Wendung

Doch dann entwickelt sich die Story zu einer Folge vorrausehbarer Plots und der Film entartet zu einem emotional manipulierenden Hollywood-Kitschdrama. Die Figur des japanischen Geschftsmann Takumi Nakamura bleibt sehr schwach umrissen und seine Funktion besteht allein darin, dem zweifelnden Amerikaner im richtigem Moment emotional berladene Weisheiten aufzutischen. Die Darstellung der schwierigen oder gar gescheiterten Ehe hat ihre starken und ihre schwachen Momente. So ist es gelungen, die Charaktere fr einige Augenblicke krftiger zu zeichnen, durch ehrliche Eingestndnisse sich selbst gegenber.
Doch "The Sea of Trees" ist oberflchlich, nahezu banal und zum Ende hin nur zu ertragen, wenn der Zuschauer sich vllig den emotionalen Manipulationen hingibt: "Achtung! Jetzt musst du weinen!" Eine Szene am Lagerfeuer - der Moment der Katharsis - berzeugt erst recht nicht. Schon fast muss man lachen: Die Erkenntnisse, zu denen die Protagonisten kommen, gehen nicht ber philosophische Kalenderweisheiten oder Yogi-Teesprche hinaus. Hier ist deutlich alleingelassen, wer sich mehr erhofft hat.

"The Sea of Trees" berzeugt nicht

Regisseur Gus van Sant ("Good Will Hunting") hat das Potenzial von "The Sea of Trees" nicht ausgeschpft. Die Frage stellt sich, wie es um Suizid, ber das Einzelschicksal hinaus, steht; warum Suizid vielleicht auch Ausdruck eines eigentlich menschenfeindlichen Systems ist. Interessant wre es gewesen, verschiedenen Protagonisten und deren Schicksalen zu folgen, um der Tiefe und der Intensitt der Thematik gerecht zu werden.
"The Sea of Trees" ist mehr ein kitschiges Drama als ein empfehlenswertes Medium, um eine authentische Auseinandersetzung mit dem Thema Selbstmord zu gewhrleisten.



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