Suche jemanden, der nicht nur deinen Beziehungsstatus verndert, sondern auch dein Leben! Dies rt ein Online-Dating-Portal in seiner Werbung. Die Frage nach der perfekten Partnerschaft beschftigt Psychologen, Knstler und jeden Einzelnen seit jeher. Soll er zuvorkommend und charmant sein? Soll er fleiig und strebsam sein, ein Ziel im Leben haben? Soll er tierlieb sein? Was fr eine Art Humor soll er haben? Die eine Antwort auf die Frage nach dem richtigen Partner und der optimalen Beziehung gibt es wohl nicht.
Der Film "Wild" findet seine ganz eigene, skurrile Lsung. Eins ist sicher: Anias neue Bekanntschaft ndert ihr Leben. Sie bricht aus ihrem Alltagstrott aus. Sie verwirft alle Konventionen. Sie erscheint nicht mehr auf der Arbeit. Sie mllt ihre Wohnung zu. In der Ecke liegt ein totes Kaninchen.

Tierisch verliebt

Wild
Verleih: NFP
Genre: Drama
Darsteller: Lilith Stangenberg, Georg Friedrich
Regie: Nicolette Krebitz
Filmlaufzeit: 97 Min.
Genauso unmglich, wie die Vorstellung, dass dies die Anzeichen einer funktionierenden Beziehung sind, ist Anias Partner. Sie trifft ihn auf dem Weg zur Arbeit im Park. Pltzlich steht er da. Sie tauschen einen Blick aus und sie ist besessen. Sie geht auf die Jagd. Mit Fhrten und Betubungsmittel gelingt es ihr, den Wolf zu fangen. Sie sperrt ihn in einem Zimmer ihrer Hochhauswohnung ein. Bald durchbricht er die Wand zu ihrem Schlafzimmer. Ania berwindet ihren gesunden Respekt vor dem wilden Tier schnell und schlft mit ihm im Bett. Sie kuscheln, streicheln und berhren sich. Der Wolf isst Rhrei und sie rohes Fleisch. Sie holt sich die Wildnis nach Hause, sperrt sie ein, geht eine Liebesbeziehung mit ihr ein und wird dadurch selbst immer freier. Sie wird eins mit der Wildnis. Dieser Film ist anders. Er berschreitet eine Grenze, verwirrt und verstrt.

Tristesse, die Fragen aufwirft

Die Regisseurin und Drehbuchautorin Nicolette Krebitz entwirft eine Welt aus blassen Farben und Emotionsarmut. Lilith Stangenberg spielt berzeugend eine Ania, die in sich selbst gefangen ist. Sie redet kaum, erledigt im monotonen Einklang, was ihr Chef, ihr Leben und die Zivilisation von ihr erwarten. Ihre Depressivitt schwebt ber allem, wie ein Nebel, der den Farben ihre Intensitt nimmt.

Die Schauspielkunst tuscht jedoch nicht ber die Skurrilitt der Geschichte hinweg. Sptestens, als Ania ihr Geschft auf dem Schreibtisch ihres Chefs verrichtet, fragt sich der Zuschauer: "Was soll das?" Verrckt vor Liebe zu ihrem Wolf und zur Freiheit dieser Ausdruck hat wohl nie besser gepasst. Die Psychiaterin Donatella Marazziti vergleicht den Zustand des Verliebtseins mit dem eines Zwangspatienten. Die Gedanken kreisen nur noch um die angehimmelte Person. Ania kehrt diese Besessenheit sogar, wie ein echter Zwangspatient, der sich 40 mal am Tag die Hnde wscht, nach auen. Sie verhlt sich zwanghaft unkonventionell. Sie ist verrckt danach. Das ist bertrieben und wahnsinnig. Nur, wer es schafft, den Film als Metapher zu verstehen, kann ihm deswegen etwas abgewinnen. Er erkennt die Gesellschaftskritik und auch ein Stck weit sein Selbst, das jeder Normalo in der Regel tief in sich einzuschlieen wei. Wer aber einen interessanten, lustigen oder bewegenden Plot erwartet, wird enttuscht. Die Geschichte ist abwegig und bertrieben. Und diese bertriebenheit steht dominant im Vordergrund. Die Handlung und ihre Entwicklung geht dadurch verloren. Deswegen: Egal, wie der Betrachter "Wild" sieht und versteht, ein Fragezeichen bleibt auf jeden Fall.


Artikel drucken