Wir befinden uns in Frankreich Anfang der 70er Jahre. Die Emanzipationsbewegung steckt noch in den Kinderschuhen, aber eine Gruppe Frauen trifft sich regelmig, um fr die Gleichberechtigung zu kmpfen. Darunter sind auch Delphine und Carole. Die beiden verlieben sich ineinander und genieen ihre Zweisamkeit in Paris. Doch da erreicht Delphine die Nachricht, dass ihr Vater einen Schlaganfall hatte. Sie macht sich auf den Weg, um ihrer Mutter auf dem Bauernhof ihrer Familie zu helfen. Carole denkt nicht lange nach und folgt ihrer groen Liebe aufs Land. Zwischen Kuhstall und Heuwenden, Vorurteilen und Tradition wird Delphine und Caroles Liebe auf eine harte Probe gestellt.

Drei sind mindestens eines zuviel

Genau genommen behandelt der Film drei Themen. Zum einen das Problem, wie eine Familie mit dem pltzlichen Ausfall des Familienoberhaupts umgeht, hier Delphines Vater. Zum anderen die aufkeimende Frauenbewegung und das schleichende Bewusstwerden, dass diese Ungerechtigkeit in der Verteilung der Geschlechterrollen so nicht weitergehen kann. Und zuletzt noch die Liebe zwischen Delphine und Carole, die es so nicht geben darf, zumindest nicht, wenn es nach der Auffassung der meisten Menschen in ihrem Umfeld geht. In "La Belle Saison" ist das Hauptaugenmerk ganz klar auf den letzten Aspekt gerichtet. Doch die anderen beiden schwingen unterschwellig immer mit.

Zuviel gewollt

La Belle Saison - Eine Sommerliebe
Verleih: Alamode Film
Genre: Drama
Darsteller: Ccile de France, Iza Higelin, Nomie Lvovsky, Kvin Azas
Regie: Catherine Corsini
Filmlaufzeit: 106 Min.
Es musste einen Grund geben, um Delphine wieder an den elterlichen Hof zurckzubekommen. Aber eine Krankheit wie ein Schlaganfall, die so weitreichende Folgen hat, war nicht die beste Lsung. Antoine, ein Freund der Familie, schleppt den Vater wie einen nassen Sack die knarzende Treppe ins obere Stockwerk. Dort verbannt die Familie ihn in ein Zimmer, wo sie ihn nur sporadisch besucht. Das stt bitter auf und ist zu wenig fr Gesellschaftskritik, aber auch zu viel, um darber hinweg zu sehen.

Delphine und Carole lernen sich kennen, als es Schwierigkeiten bei einer Aktion gibt, die Carole und ihre Mitstreiterinnen der Frauenbewegung durchfhren. Delphine rettet Carole buchstblich den Hintern. Ihre berschwngliche, lebensfrohe Art und ihr Kmpfergeist sind es, was Delphine an Carole so gefllt. Am Anfang funktioniert das Zusammenspiel zwischen Emanzipationsbewegung und der Liebe zweier Frauen sehr gut. Scheinen die beiden Themen doch wie gemacht freinander. Doch gert der Kampf fr die Rechte der Frauen immer mehr in den Hintergrund, je lnger sich die beiden auf dem Land aufhalten. Der Grundstoff bietet viel Potenzial. Leider hat Regisseurin Catherine Corsini sehr wenig daraus gemacht. Das ist enttuschend.

Was bleibt ist nicht viel

Am Ende herrscht also der Konflikt zwischen Traditionsbewusstsein und Liebesglck vor. Whrend Carole sich scheinbar von allen Vorurteilen lst, hadert Delphine mit ihrer Rolle nicht mit sich als Lesbe, sondern damit, dass sie die ihr angedachte Rolle einer verheirateten Frau mit Mann und Kind(ern) nicht erfllt und auch nicht erfllen mchte. Sie muss sich also entscheiden, ob sie sich oder die Gesellschaft glcklich machen will. Im Frankreich der 70er Jahre keine leichte Aufgabe. Doch leider wird der Konflikt herunter gespielt. Er brodelt zwar immer im Hintergrund, aber das kurze Aufkochen am Ende ist zu wenig, um den Film wirklich interessant zu machen.

"La Belle Saison" ist leichte Kost, auch wenn die Thematik etwas anderes vermuten lsst. Vieles wird angesprochen, aber nicht fundiert behandelt. Der Film ist schn anzusehen. Wer aber (Gesellschafts-) Kritik, hohe Schauspielkunst und tiefgreifende Auseinandersetzung mit Konfliktthemen erwartet, wird enttuscht und schaut stattdessen eine seichte Liebesgeschichte.



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