Jede Liebe ist gleich? Nicht, wenn es nach den Behrden in Ocean County, New Jersey, geht. Die verweigern Stacie Andree die Witwenrente, die ihr nach dem Tod ihrer an Lungenkrebs erkrankten Partnerin Laurel Hester zustehen knnte. Knnte, weil es im Ermessen der Stadtvorsteher liegt, ob sie das Gesetz auch auf gleichgeschlechtliche Paare anwenden mchten. Ein zermrbender Kampf um etwas beginnt, das fr heterosexuelle Ehepaare selbstverstndlich ist.

This fight is real

Freeheld - Jede Liebe ist gleich
Verleih: Universum Film GmbH
Genre: Drama
Darsteller: Ellen Page, Julianne Moore, Steve Carell, Michael Shannon, Josh Charles
Regie: Peter Sollett
Filmlaufzeit: 104 Min.
Der Film erzhlt eine wahre Geschichte. Daher war es ein Glcksgriff, dass sich Stacie Andree und Hesters ehemaliger Partner Dane Wells bereiterklrten, sowohl Regisseur Peter Sollett, als auch den beiden Hauptdarstellerinnen Julianne Moore und Ellen Page mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Das ist zu spren. Die beiden Schauspielerinnen portrtieren ihre Rollen greifbar authentisch. Endlich mal Frauen, die nicht durch den Hollywoodweichspler gerutscht, sondern aus dem wahren Leben gegriffen sind. Julianne Moore als krebskranke Polizistin Laurel Hester ist wunderbar, aber Ellen Page als die eher wortkarge, liebevolle, zynische, zurckhaltende Automechanikerin Stacie Andree beeindruckt noch mehr. Sie schafft es, nur mit Blicken und Mimik zu kommunizieren. Als Laurels Partner Dane berraschend zu Besuch kommt, stellt diese Stacie als ihre Mitbewohnerin vor. Worauf Stacie nur meint: "Yeah, her roommate who sleeps in the same bed." Mehr Worte braucht es nicht.

Alle Charaktere sind Personen zum Anfassen, denen man jeden Tag begegnen kann. Hochglanz-Glamour-Drama sucht man vergebens. Der Einzige, der schillert, ist der schwule Aktivist Steven Goldstein exzellent gespielt von Steve Carell - , der Laurel und Stacie nicht ganz uneigenntzig antreibt fr ihre Sache zu kmpfen. Er sieht darin die Chance, sein Anliegen - die Einfhrung der Homoehe voranzutreiben.

Klischees

Nchtern erzhlt "Freeheld" die Vorkommnisse vom ersten Kennenlernen der beiden Protagonistinnen bis zu Hesters Tod. Doch durch diese Nchternheit kommt die Gefhlsebene ein wenig zu kurz. Ein paar Szenen, die Hesters inneren Konflikt zwischen Kmpfen und Aufgeben darstellen, wren schn gewesen.

Auerdem greift der Film gngige Klischeevorstellung ber Lesben auf. Auf der einen Seite findet es Laurel total sexy, dass Stacie handwerklich begabt ist und beim Renovieren ihres neuen Hauses sogar Wnde versetzten kann. Auf der anderen Seite ist das Erste, was aus dem Mund des obersten Stadtvorstehers kommt: "She doesn't look like a...mmmm...you know...lesbian!" Gefhle haben eben nichts mit Begabung oder Aussehen zu tun.

Nur der Anfang

"Freeheld" hlt dem Zuschauer einen Spiegel vor. "You are a priviledged white male" antwortet Laurel ihrem Partner Dane Wells, als dieser wissen will, warum sie ihm verschwiegen habe, dass sie lesbisch ist. Die Bedeutung dieses Satzes muss erst mal sacken. Viele machen sich keine Gedanken darber, was es heit, privilegiert zu sein, egal, ob es um Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder eben sexuelle Orientierung geht. Der Film trgt ein Stck dazu bei, sich dessen bewusst zu werden. Auerdem setzt er den Weg fr ein wenig mehr Gleichberechtigung zwischen hetero- und homosexuellen Paaren in den USA wunderbar in Szene. In den USA wurde letztes Jahr die sogenannte Homoehe verabschiedet, die es gleichgeschlechtlichen Paaren erlaubt zu heiraten. Einige Bundesstaaten haben dies bereits angefochten und auch in Deutschland sind wir von einer Ehe fr Schwule und Lesben, die diesen Namen auch verdient noch weit entfernt. Bis jede Liebe gleich ist, ist es folglich noch ein ganzes Stck zu gehen.



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