Mal eben nach Istanbul reisen und dort ein paar Aufnahmen fr eine Dokumentation machen. So dachte es sich der Regisseur Ben Hopkins. Doch bereits nach wenigen Tagen fllt der britische Filmemacher in ein tiefes, schwarzes Loch und ist gefangen in der Millionenmetropole am Bosporus. Seine Crew hlt ihn fr verrckt, reist vor ihm wieder ab und er zieht alleine weiter durch die Straen Istanbuls auf der Suche nach dem wahren Gesicht der Stadt.

Die fiktiven Dokumentarfilmer bekommen von einem Fernsehsender eigentlich den Auftrag, das alltgliche Leben aufzunehmen. Sie reisen durch die Mega-City, filmen an den bekannten Orten und in belebten Gassen. Dabei geraten sie aber immer weiter weg von den touristischen Attraktionen.

Die Geister der Stadt

Hopkins, der auch den Off-Kommentar der fiktiven Doku spricht, und seine Crew treffen zum Beispiel auf einen exzentrischen Historiker. Der erzhlt von den Geistern und Toten der Stadt. Sptestens dann, nach gut 30 Minuten, wird der Film verrckt, verwirrend aber auch unglaubwrdig. Als Hopkins die Telefonnummer eines Toten anruft und sich jemand am anderen Ende meldet, ist sicher: Es handelt sich nicht wirklich um einen Dokumentarfilm.

Hasret - Sehnsucht
Verleih: Piffl Medien GmbH
Genre: Dokumentation
Regie: Ben Hopkins
Darsteller: Ben Hopkins
Filmlaufzeit: 82 Minuten
Vorher wirkte es tatschlich so, als ob das Filmteam sich bei der Arbeit selbst gefilmt und eine Doku ber das Drehen ihrer Doku gemacht htte. Weil Ben Hopkins Regisseur von "Hasret" und gleichzeitig Darsteller ist, muss sich der Zuschauer erst einmal genau darber klar werden.

Zwischen den Welten

Auf seiner Reise durch Istanbul spricht Hopkins mit Gezi-Park-Aktivisten, ultraorthodoxen Muslimen und alewitischen Kommunisten. Dabei bekommt der Zuschauer nicht nur die typischen Postkartenmotive zu sehen, sondern findet sich in Randvierteln Istanbuls wieder.

Es sind die verrckten und ehrlichen Menschen, die den Streifen sehenswert machen. Sie zeigen, was Istanbul ausmacht: Vielfalt, Geheimnisse und ein wenig Melancholie. Der Film macht darauf aufmerksam, wie eigentlich bunte und belebte Viertel fr riesige Shopping-Malls weichen mssen. Oder wie sich die Aktivisten whrend der Gezi-Park-Proteste organisiert haben. Einblicke, die man sonst nicht bekommt.

99 Tage und du bist einer von uns

Als seine Crew schlielich abreist, ist Hopkins alleine mit sich und den Geistern der Stadt. Pltzlich fllt ihm ein, was der Historiker zu ihm gesagt hat: Nach 99 Tagen bist du einer von uns. Er ist jetzt 98 und einen halben Tag in Istanbul, versteht es immer noch nicht, kann sich seinem Bann nicht entziehen und bleibt schlielich dort.

Ob Istanbul den Menschen wirklich in einen solchen Bann ziehen kann, kann wohl nur der beantworten, der schon einmal da war. Groe Strke des Films sind die eindrucksvollen Aufnahmen. Man bekommt ein echtes Bild von Istanbul - weit abseits vom Tourismus. Doch die Darstellung wirkt teilweise wie ein schlechter Horrorfilm. Um die Schnheit und Unergrndbarkeit der Stadt zu zeigen, htte der Film auf solche Mittel verzichten knnen.



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