Wer diesen Film gesehen hat, wird es sich in Zukunft wahrscheinlich zweimal berlegen, bevor er einer der groen Umweltorganisationen Geld spendet. Denn der Dokumentarfilm "Cowspiracy Das Geheimnis der Nachhaltigkeit" erhebt schwere Vorwrfe gegen in den USA ansssige Umweltorganisationen.
Die beiden Dokumentarfilmer Kip Andersen und Keegan Kuhn haben eine Verffentlichung der unabhngigen Forschungseinrichtung "Worldwatch Institute" aus dem Jahr 2009 gelesen, derzufolge die Produktion von Tierprodukten fr 51 Prozent der weltweit ausgestoenen Treibhausgase verantwortlich sei. Demnach schade der durchschnittliche Verbraucher der Umwelt und dem Klima deutlich mehr, wenn er regelmig Hamburger mit Rindfleisch esse, als wenn er niemals Energiesparlampen benutze, regelmig zu lange dusche oder mit seinem eigenen Auto zur Arbeit fahre. Mit dieser These im Gepck machten sich Andersen und Kuhn auf zu verschiedenen Umweltorganisationen, darunter "Greenpeace", "Sea Shepherd", "Ocean" und das "Rainforest Action Network". Sie fragten: Warum informieren diese Organisationen nicht ber die verheerenden Auswirkungen der Tierindustrie auf Umwelt und Klima? Auf den Homepages und in Publikationen der Umweltorganisationen, so der Vorwurf der Dokumentarfilmer, werde das Thema regelrecht totgeschwiegen.

Die Antworten und Reaktionen von Vorsitzenden, Sprechern und Experten der besagten Organisationen, sprechen Bnde: Betretenes Schweigen, verlegenes Lachen, und in der Regel wird das Gesprch sehr bald abgebrochen. Die Vorwrfe scheinen ins Schwarze zu treffen. "Da stinkt doch etwas gewaltig", sagt Andersen. "Cowspiracy" hat sptestens jetzt seine Zuschauer spannungstechnisch am Haken. Eine "Kuh-Verschwrung" wird evoziert. Erhalten die Umweltorganisationen womglich finanzielle Untersttzung aus der Tierindustrie? Trauen sie sich nicht, die Problematik offen anzusprechen, aus Angst vor den Folgen? Das Beispiel von Umweltschtzern in Brasilien wird angefhrt, die ermordet wurden, womglich, weil sie unbequem wurden. Der Fall des ehemaligen Farmers Howard Lyman, den Rinderzchter (erfolglos) verklagten, weil er in der Talkshow von Oprah Winfrey Fleisch als ungesund und gefhrlich angeprangert hatte, wird dargelegt. Haben die Umwelt- und Tierschtzer also Angst? Oder wollen sie womglich nicht ihre Mitglieder und Untersttzer verschrecken, die ihr Gewissen mit Geldspenden erleichtern, aber nicht mit erhobenem Zeigefinger zum Vegetarismus oder Veganismus angehalten werden wollen?
Cowspiracy - Das Geheimnis der Nachhaltigkeit
Verleih: Polyband Medien GmbH
Genre: Dokumentation
Regie: Kip Andersen, Keegan Kuhn
Darsteller: -
Filmlaufzeit: 87 Minuten


Verschwrungstheorien gegenber einer Tierfleisch-Lobby

Diese Fragen beantwortet "Cowspiracy" nicht. Der Film stellt diesbezglich einige Vermutungen auf, doch diese bleiben lediglich Theorien Verschwrungstheorien, knnte mancher Kritiker sagen. Ob "Greenpeace" oder "Oceana" tatschlich Geld aus einer Lobby der Produzenten von tierischen Produkten erhalten, erfhrt der Zuschauer nicht. Das ist zum einen verstndlich. Wie sollte man in einem eineinhalbstndigen Film einen derartigen Lobbyismus aufdecken? Zum anderen ist es ein Manko von "Cowspiracy". Eine der Hauptbotschaften des Films ist, dass es diesen Lobbyismus gibt, und diese Lobby untergrbt eine fr den Verbraucher wichtige Wahrheit aktiv zugunsten mchtiger Industrien. Trotz dieser argumentatorischen Schwche ist "Cowspiracy" in den vergangenen Monaten regelrecht zum Kultfilm unter Veganern avanciert.

In seinem weiteren Verlauf konzentriert sich der Film darauf, umweltfreundlichere Formen des Nahrungsmittel-Konsums zu ergrnden. Andersen und Kuhn besuchen Selbstversorger, vergleichen Bio- mit konventioneller Massentierhaltung und schauen zu, wie eine Ente geschlachtet wird. Die Frage, welchen Einfluss die Fleisch-, Milch- und Eiindustrie auf die Umwelt hat, wird in zahlreichen Grafiken und von Experten verschiedener Fachrichtungen anschaulich erlutert. Das alles fhrt die Dokumentarfilmer zu einer Schlussfolgerung: Nur die vegane Lebensweise knne wirklich nachhaltig sein.

Eine der wichtigsten Dokus zum Thema Veganismus

So ist es nicht verwunderlich, dass in der veganen Community im Netz "Cowspiracy" hufig als einer der wichtigsten Dokumentarfilme zum Thema Veganismus genannt wird. "Earthlings" solle man demnach gucken, um sich ber den ethischen Aspekt von Tierprodukten zu informieren, "Gabel statt Skalpell" fr den gesundheitlichen Aspekt und eben "Cowspiracy" fr den Aspekt der Umwelt- und Klimafreundlichkeit. Tatschlich ist der Film ein Pldoyer fr den Veganismus. Wer diese Ernhrungsform befrwortet, findet hier Besttigung. Jeder andere Zuschauer drfte seinen Konsum zumindest berdenken. Die Fakten, die der Film vermittelt, werden durch viele Quellen belegt von dem leidigen Vorwurf an die Umweltorganisationen abgesehen.

Dem Anspruch, die Zuschauer gleichzeitig zu informieren und aufzurtteln, wird "Cowspiracy" trotz seiner unbelegten Verschwrungstheorien voll und ganz gerecht. Der Film ist sowohl spannend als auch kurzweilig und humorvoll. Zwar befindet sich auf der DVD auer dem Trailer keinerlei Bonusmaterial. Doch auf der Homepage knnen die Zuschauer weitergehende Informationen in Form von anschaulichen Grafiken abrufen. Und noch ein weiterer Faktor hat diesem Film viel Aufmerksamkeit verschafft: Was das Marketing angeht, haben seine Macher alles richtig gemacht. 2015, ein Jahr nach Erscheinen des Films, sorgte Leonardo Di Caprio hchstpersnlich dafr, dass "Cowspiracy" in mehreren Lndern auf Netflix erhltlich ist, und bernahm die Produktion der neuen, berarbeiteten Fassung. Ende 2015 wurde der Film sogar im Europischen Parlament gezeigt und diskutiert. Nicht ohne Grund, denn zu Diskussionen regt er in jedem Fall an.



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