Dass die meisten Menschen heutzutage ins Kino gehen mssen, um unsere Wildnis zu sehen, ist fr die beiden franzsischen Dokumentarfilmer Jacques Perrin und Jacques Cluzaud Grund genug, ihre beeindruckenden Tierreportagen um eine weitere zu ergnzen. Nach "Nomaden der Lfte" und "Unsere Ozeane" beschftigt sich ihr jngstes Werk "Unsere Wildnis" jetzt auch auf DVD mit dem Element Erde, ihrer Geschichte und ihren Bewohnern. Menschen kommen zur Abwechsung (leider) auch vor.
Unsere Wildnis
Verleih: Universum Film GmbH
Genre: Dokumentation
Regie: Jacques Perrin, Jacques Cluzaud
Darsteller: -
Filmlaufzeit: 97 Minuten


Im Rhythmus der Jahreszeiten

Dem aktuellen Trend folgend, finden wir uns zu Anfang des Films im tiefsten Winter wieder. Die Zeit scheint eingefroren und die Welt unter einer dicken weien Schneeschicht stillzustehen. Doch jedem Winter folgt ein Frhling und so knnen wir beobachten, wie das groe weie Nichts einer neuen ra weicht. "Unsere Wildnis" erzhlt die Geschichte der Erde wie die eines Wimpernschlages, einer einzigen Jahreszeit. Der Kommentar des Erzhlers erscheint dabei wie eine Warnung, die angesichts von Unwettern und berschwemmungen nicht dringlicher sein knnte: "Nur ein paar Grad wrmer und alles ndert sich radikal." Die Gletscher schmelzen und die erste groe Flucht der Tiere setzt ein. Doch noch ist ihre Zufluchtssttte nicht von Zunen und Eintrittskarten begrenzt.

Holy Wood statt Hollywood

Das Goldene oder vielmehr Grne Zeitalter des Waldes hat begonnen. Spannender und zugleich niedlicher kann kein Hollywood-Hit sein. Wie die Erfolgsgeschichte Disneys beginnt auch hier alles mit einem Rehkitz. Der Wald hat alles zu bieten: Bffel, Luchse und Kfer, die sesten Tierbabys und imposantesten Zweikmpfe zwischen Wildpferden oder Bren. Beim Anblick solcher Szenen stellt sich die Frage, ob Leonardo DiCaprio seinen Oscar tatschlich verdient hat. So etwas kann kein Mensch spielen und kein Computer animieren. Auch wenn wir gigantische Wlder und einige ihrer Bewohner bereits verloren haben und die Filmemacher dementsprechend fuschen mussten die groartigsten Bilder verschafft uns immer noch die Natur.

Was ist mit der Menschlichkeit?

Und wo sind die Menschen? Whrend sie in der ersten Hlfte des Films nur winzige und vergngliche Spuren hinterlassen, behandelt "Unsere Wildnis" in der zweiten Hlfte einzig und allein ihren kologischen Fuabdruck. Der Wald verschwindet. Statt eines ganzen Lebensraumes wird die Erde von einem einzigen Lebewesen regiert. Straen entstehen, die in zerstrerische Stdte und eine unheilvolle Zukunft fhren. Zune begrenzen die Natur. Tiere werden nur noch als ntzlich oder schdlich betrachtet leiden mssen sie so oder so. Aus dem wilden Rehkitz vom Anfang ist ein eingepferchter und zum Tode verurteilter Hirsch geworden.

Die Frage nach seiner und unserer Zukunft stellen Jacques Perrin und Jacques Cluzaud ganz direkt an uns: Knnen wir es schaffen, die Natur noch teilweise zu bewahren? Und haben wir noch Achtung vor anderen Lebewesen?

Die Prognose von und fr "Unsere Wildnis" ist dster. Aber die franzsischen Doku-Macher sind hoffnungsvoll: "Es ist noch nicht zu spt." Ihre Warnung ist bildlich und die Botschaft ihres Wildnis-Epos ist eindeutig: Der Mensch ist die schlimmste Naturkatastrophe.



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