Kohle fr uns in Deutschland wird der fossile Brennstoff meist nur als Mittel zum Zweck gesehen. Mit dem in Kohlekraftwerken produzierten Strom haben wir es im Winter warm und knnen unsere Smartphones laden. Doch in vielen Kohleabbaugebieten kmpfen die Menschen mit den Folgen des weltweiten Strebens nach Wachstum und Wohlstand. So auch in Kolumbien, wo der grte Kohletagebau der Welt liegt.
Der Dokumentarfilm "La Buena Vida" erzhlt von einer indigenen Gemeinschaft im Norden Kolumbiens, den Wayu. Durch das immer nher an ihr Dorf heranrckende Kohleabbaugebiet, sehen sie ihre Existenz bedroht, denn sie sollen umgesiedelt werden. Dorfvorsteher Jairo Fuentes will sich den mchtigen Rohstoffkonzernen nicht kampflos ergeben. Und so entbrennt ein schier aussichtsloser Kampf gegen einen bermchtigen Gegner.
La Buena Vida - Das gute Leben
Verleih: Camino Filmverleih
Genre: Dokumentation
Regie: Jens Schanze
Darsteller: Jairo Fuentes
Filmlaufzeit: 94 Minuten


Seine Waffe ist der Dialog

Immer wieder treffen sich die Wayu mit Vermittlern des Tagebaubetreibers Cerrejn, um ber die Umsiedlung zu diskutieren. Vor allem Jairo Fuentes beeindruckt den Zuschauer. Er ist sich bewusst, dass er wohl keine Chance hat, die Umsiedlung zu verhindern. Doch lsst er sich nicht aus der Ruhe bringen und versucht, so gut wie es geht mit Cerrejn zu verhandeln. Am Ende bleibt der Dorfgemeinschaft nichts anderes brig, als den Umsiedlungsvertrag zu unterschreiben.
Grte Strke des Films sind die vielen Gesprche zwischen beiden Parteien. Die Macher des Films, der in spanischer Sprache mit deutschen Untertiteln gezeigt wird, berlassen ausschlielich den Protagonisten das Wort, ganz ohne Off-Kommentar. Das lsst den Zuschauer tief ins Geschehen eintauchen. Es ist berwltigend, wie die Dorfgemeinschaft immer wieder zusammenhlt und mit groer Leidenschaft gegen ihre Vertreibung protestiert.

David gegen Goliath

Als es zur Umsiedlung kommt, sind die Umzugshelfer von Cerrejn bemht, alles so human wie mglich, aber und das scheint viel wichtiger zu sein so schnell wie mglich voranzutreiben. Das riesige Abbaugebiet liegt nmlich nur noch vier Kilometer vom Dorf entfernt. Auch hier gelingt es dem Film, die authentische und aufwhlende Stimmung mit groartigen Landschaftsaufnahmen und Close-Ups der Personen einzufangen.
Am wenigsten mitgenommen wirken die Kinder, fr sie ist es eher ein Abenteuer denn eine Vertreibung. Doch die Erwachsenen wissen um ihre Zukunft. Daher werden die immerhin sehr netten und hilfsbereiten Mitarbeiter von Cerrejn in Wayu auch nur die "Fremden" genannt.

Wohlstand auf Kosten Anderer

Im neu angelegten Dorf angekommen, zeigt der Film geschickt, welch naives Denken bei den groen Rohstoffkonzernen herrscht. Die Wayu haben nun Huser mit flieendem Wasser, Strom und sogar einen Gasherd. Doch gekocht wird immer noch drauen ber offener Flamme. Und zu allem berfluss funktioniert die Wasserversorgung dann doch nicht richtig.
Jairo Fuentes reist kurzentschlossen nach Zrich zu einer Konferenz von Cerrejn, um die Probleme seiner Gemeinschaft dort vorzutragen. Sichtlich berhrt und den Trnen nahe berichtet er davon, dass der Umsiedlungsvertrag nicht erfllt werde. Der Redner von Cerrejn hat dafr nur ein Lcheln brig, eine Antwort auf sein Fragen oder gar eine Lsung der Probleme bekommt Fuentes nicht.
Der Film zeigt eindrucksvoll, wie Menschen in Kolumbien fr unseren Strom leiden mssen, er gibt den Betroffenen wortwrtlich eine Stimme. Das ist in einer rasant wachsenden Welt wie heute umso wichtiger, denn viel bekommt man davon bei uns nicht mit. Schlielich stellt sich am Ende die Frage, ob es berhaupt hilft, dass der Kohleabbau nur hierzulande abgeschafft wird. Warum nicht weltweit?



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