Die franzsische Komdie "Ziemlich beste Freunde" gilt als Klassiker. 2012 in Deutschland in die Kinos gekommen, war sie seinerzeit ein groer Erfolg mit fast durchweg positiven Kritiken. Doch beim Schauen dieses selbsternannten Feel-Good-Movies bleibt ein fahler Nachgeschmack. Denn der Film zelebriert Stereotype und Vorurteile, dekonstruiert diese am Ende jedoch nicht.

Der reiche Aristokrat und der schwarze Kriminelle

Sie gilt als einer der besten Feel-Good-Movies der vergangenen Jahre: Die franzsische Komdie "Ziemlich beste Freunde". Was diesen Film ausmacht, ist sein unbeschwerter Umgang mit der Querschnittslhmung des Protagonisten Philippe. Dessen neuer Pfleger Driss, ein heimatloser Schwarzer aus der Pariser Banlieue, gibt dem Gelhmten neuen Lebensmut durch seine unverhohlene, direkte Art. "Genau das will ich: kein Mitleid", sagt Philippe in einer Szene. Es entsteht eine Mnnerfreundschaft, die ber die Grenzen hinweg zu funktionieren scheint - auf der einen Seite der reiche, gebildete, kultivierte Aristokrat im Rollstuhl und auf der anderen der mittellose Schwarze mit krimineller Vergangenheit. Das muss man dem Film hoch anrechnen: Er hat gezeigt, dass man sich dem Thema krperliche Lhmung nicht nur in Form einer Tragdie nhern kann, und dass Menschen mit krperlichen Beeintrchtigungen in den Medien nicht nur als schwach, bemitleidenswert und passiv dargestellt werden mssen und wollen Doch diese Tatsache allein bedeutet nicht, dass der Film ohne Vorurteile auskommt. Denn er wagt sich an ein weiteres groes gesellschaftliches Thema und scheitert dabei. Er stellt dem weien, gelhmten Protagonisten einen schwarzen jungen Mann aus der Banlieue, dem Pariser Ghetto, gegenber.
Ziemlich beste Freunde
Verleih: Senator Filmverleih
Genre: Komdie
Regie: Eric Toledano, Olivier Nakache
Darsteller: Francois Cluzet, Omar Sy, Anne Le Ny
Filmlaufzeit: 112 Minuten


Im franzsischen Original heit der Film "Intouchables", was im Deutschen soviel bedeutet wie: "Unberhrbare". Unberhrbar ist in unserer Gesellschaft nicht nur der gelhmte Philippe, sondern auch Driss als Schwarzer. Portrtiert wird er als muskulser Hne mit draufgngerischem Verhalten und krimineller Vergangenheit. Driss ist vergleichsweise ungebildet und bedenkt die Frauen, die ihm gefallen, mit machistischen Sprchen. "Ziemlich beste Freunde" zelebriert in der Figur des Driss fast smtliche Vorurteile, die ein Franzose gegen Schwarze, die dazu auch noch in der Banlieue wohnen, haben knnte. Der Film rumt mit diesen Vorurteilen auch nicht auf. Vielmehr ist es die draufgngerische Art von Driss, die Philippes Leben bereichert. Der reiche Mann aus Paris kann vom jungen Mann aus der Banlieue etwas lernen. So erfhrt er, wie man sein Leben geniet, wie man sich nicht mehr alles gefallen lsst und wie man bei Frauen landet.

Frauen werden mit sexistischen Sprchen bedacht

Doch das ist nicht der einzige Stereotyp, dem der Film erliegt. Frauen werden objektiviert und mit sexistischen Sprchen bedacht. Beispielsweise auf die Frage hin, ob er im Leben keine Ziele habe, mustert Driss Philippes Sekretrin und sagt: "Doch, ich habe Ziele, eines sitzt mir direkt gegenber". Die wenigen Frauen im Film sind entweder weitestgehend stumm (Prostituierte, Pflegerinnen, die besagte Sekretrin) oder werden von den Protagonisten zum Verstummen gebracht. So redet Driss oft ber die Sekretrin Magalie in der dritten Person, als wre diese gar nicht mit im Raum. Auch kommt Philippes pubertierende, aufmpfige Tochter kaum zu Wort und wird, weil als zickig erachtet, auch gleich in ihre Schranken gewiesen. Dass der unverhohlene Sexismus, ber den der Zuschauer dieser Komdie wahrscheinlich lachen soll, meistens aus dem Mund des Schwarzen kommt, macht es nicht besser.

Nur schwarz und wei, das Grau fehlt

"Ziemlich beste Freunde" ist dafr berhmt geworden, dass er einen Menschen mit krperlicher Beeintrchtigung auf eine neue Art und Weise darstellt. Der Zuschauer wird nicht dazu verleitet, Philippe durchweg zu bemitleiden. Stattdessen sieht er, wie Philippe immer strker wird. Die Strke des Protagonisten ergibt sich aus der Mnnerfreundschaft, von der "Ziemlich beste Freunde" erzhlt. Das kann durchaus als "Feel-Good-Movie" bezeichnet werden. Allerdings fhlen sich in diesem Film vor allem die Mnner gut, und zwar auf Kosten der Frauen. Der frhliche, mutige Freund, der Philippe den neuen Lebensmut gibt, ist ausgerechnet ein stereotypisierter schwarzer Krimineller aus dem Ghetto. Dieser Film hat zwar gezeigt, dass Menschen mit krperlichen Beeintrchtigungen durchaus starke, selbstbestimmte Individuen ohne Tragik sind. Damit hat er sicherlich viel bewirkt in der Hinsicht darauf, wie ebendiese in den Medien und der ffentlichkeit wahrgenommen werden. Aber am Ende des Tages ist er ziemlich schwarz-wei.



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