Dieser Mann grbt an einem einzigen Nachmittag einen Brunnen, siegt im Faustkampf gegen drei Mnner gleichzeitig und berlebt im Krieg fast als einziger einen Kugelhagel. Russel Crowe spielt in "Das Versprechen eines Lebens" den australischen Farmer Joshua Connor, einen echten Pfundskerl. Die Rolle hat der "Gladiator" und "Robin Hood" Crowe sich selbst auf den Leib geschrieben, denn in seinem neuesten Film spielt er nicht nur die Hauptrolle, sondern fhrt erstmals auch Regie. "Das Versprechen eines Lebens" - im englischsprachigen Original weniger schwulstig "The Water Diviner" - ist die Geschichte eines Vaters, der seine drei im ersten Weltkrieg gefallenen Shne suchen geht, um sie neben seiner ebenfalls toten Frau in seiner Heimat Australien zu begraben. Harter Stoff, den der Film in ertrglichen Dosen und beeindruckenden Aufnahmen von grandiosen Landschaften und Naturereignissen erzhlt.
Das Versprechen eines Lebens
Verleih: Universal Pictures
Genre: Drama
Regie: Russell Crowe
Darsteller: Russell Crowe, Olga Kurylenko
Filmlaufzeit: 108 Minuten


Der Stoff: Ein australischer Grndungsmythos

Mit seinem Regiedebt macht sich Crowe an den Grndungsmythos seiner Heimat. Er ist in Australien aufgewachsen, und das wollte sich im ersten Weltkrieg als Nation in der Welt beweisen. Auf Seiten der Entente kmpfte es 1915 in der Schlacht von Gallipoli gegen das Osmanische Reich. Die Australier verloren die Schlacht. Dennoch wurde sie zu einem historisch wichtigen Ereignis fr das erst 13 Jahre zuvor unabhngig gewordene Land. Endlich durfte es mitmischen im Machtkampf der groen Nationen. Umso nachdenklicher und wenig pathetisch fllt Crowes Film ber die entscheidende Schlacht auf der trkischen Halbinsel Gallipoli und deren Folgen aus. Seine Figuren bereuen den Krieg, allen voran der Vater, der seine drei Shne im Kampf verloren hat. Er wirft sich selbst immer wieder vor, seinen Kindern bertriebenen Nationalstolz eingetrichtert und sie somit in die Schlacht geschickt zu haben.

Wenig glorifizierende Schlachtszenen wechseln sich ab mit beeindruckenden Aufnahmen von australischen und trkischen Landschaften, Sandstrmen und Moscheen. Crowes Regiedebt portrtiert nicht zuletzt die Trkei; selbst wenn dies eine US-amerikanisch-australische Sichtweise auf das Land ist. Damit htte "Das Versprechen eines Lebens" ein richtig guter Film werden knnen: Liebe, Hass, Tod, beeindruckende Landschaftsaufnahmen, eine spannende Suche und eigensinnige Charaktere. Alles ist da, was es fr einen guten Film braucht. Wrde die Geschichte nur nicht gerade zum Ende hin immer weiter in eine schnulzige Erzhlweise abdriften.

Weniger wre mehr gewesen

Der Farmer Conner und eine Trkin, in die er sich auf seiner Suche verliebt, lernen sich kennen. Doch anstatt die Annherung der beiden anhand von guten Dialogen zu erzhlen, hrt man ihr Gesprch nicht. Stattdessen luft pathetische Musik. Als Connor in einer dramatischen Aktion vor Verfolgern aufs Dach flchtet, hlt sie ihn auf einem vom Sonnenuntergang beleuchteten Balkon noch kurz am Arm fest und sagt mit einem Lcheln auf den Lippen: "Geben Sie auf die Dachziegel Acht." Am Ende hilft dem Vater natrlich niemand Geringeres als ein trkischer General bei der Suche seines Sohnes. Dem Film htte es nicht geschadet, ein paar Schritte krzer zu treten.

Die grospurige Erzhlweise passt zum Hauptdarsteller und Regisseur Crowe. Ein Gladiator macht eben keine halben Sachen, hier wird geklotzt und nicht gekleckert. Es bleiben trotz allem Kitsch bewegende Bilder, ein solider Erzhlstrang und die Erkenntnis: Der erste Weltkrieg fand nicht nur in Westeuropa statt. Und Australien hat wirklich einmal in der Trkei gekmpft.



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