Die Geschichte des (Action-)Kinos hat viele selbsternannte Rcher hervorgebracht. Und die meisten hatten einigermaen nachvollziehbare Grnde fr ihr Handeln: In Ein Mann sieht rot (USA, 1974) wird Paul Kerseys (Carles Bronson)Ehefrau brutal ermordet, die Tochter vergewaltigt. Paul Kersey nimmt Rache an den belttern. In dem hnlich gelagerten Thriller Death Sentence - Todesurteil (USA, 2007) muss Nick Hume (Kevin Bacon) mitansehen, wie Gangster seinen Sohn meucheln. Nick Hume nimmt Rache. Im Rape-and-Revenge-Klassiker Ich spuck auf dein Grab (USA, 1978) wird die Schriftstellerin Jennifer Hills (Camille Keaton) von einer Gruppe Rednecks vergewaltigt und halbtot im Wald zurck gelassen. Rache! Und John Wick nimmt Rache, weil man seinen Hund ttet.

Next Level

John Wick (Keanu Reeves) hat gerade seine Frau verloren, da steht bereits die nchste Tragdie vor der Tr. Zwei Gangster brechen in sein Haus ein, klauen das Auto, verprgeln John und tten seinen geliebten Hund. Was die Hundemrder nicht wissen ist, dass John Wick einst ein gefrchteter Auftragskiller in Diensten der Mafia war. Nun, da sein letztes Bindeglied zum gut-brgerlichen Leben gerissen ist, ist er zurck aus dem Ruhestand.

John Wick
Verleih: Studiocanal
Darsteller: Keanu Reeves, Willem Dafoe
Genre: Action Thriller
Filmlaufzeit: 101 Minuten
Was folgt, ist ein Non-Stop-Vergeltungsschlag. Weil es sich bei einem der Missetter um den Sohn des lokalen Mafia-Paten handelt, muss John erstmal smtliche Gangster aus dem Weg rumen, die sich schtzend vor den Unterwelt-Filius stellen. Dieses Spektakel erinnert zuweilen stark an Computerspiele, in denen sich der Held von Stage zu Stage durchkmpfen und diverse Mini-Bosse erledigen muss, bevor es zum finalen Konflikt mit dem Endgegner kommt. In einer Szenen verweist der Film deutlich auf den Gaming-Bezug: Whrend John das Gebude strmt, in dem sich seine Zielperson aufhlt, zockt diese gerade (in Parallel-Montage) einen Shooter. Entsprechend eindimensional und stereotyp ist der Charakter des Protagonisten angelegt. Abgesehen von ein paar kurzen Szenen, die John Wick als recht sympathischen Typ zeigen, der durchaus auch zur non-physischen Konfliktlsung in der Lage ist, prsentiert er sich als eiskalter Rcher, den selbst schwere Verletzungen nicht von seinem Vorhaben abbringen knnen. Keanu Reeves erweist sich dabei als Idealbesetzung, da er schauspielerisch nicht (wie so oft) berfordert wirkt und auch die fr die Rolle ntigen Kampfsport-Fhigkeiten mitbringt (Reeves ist ein groer Fan des Martial-Arts-Genres; in seinem Regiedebt Man oft Tai Chi schwang er bereits selber die Handkanten).

Rache ist en vogue

Der Plot von John Wick ist so simpel wie sein Protagonist und nicht weniger konsequent. Es geht Schlag auf Schlag. Nach einer sehr kurzen Exposition geht die Action los und bis zum Einsetzen des Abspanns kann der Film sein hohes Tempo konstant halten. Es gibt viele Schieereien, ein paar nette Nahkampf-Szenen, Explosionen und folglich einen anstndigen Body Count. Die Actionszenen sind gut choreographiert und ansprechend gefilmt (und zum Glck mal nicht im Stakkato-Stil geschnitten), leider hat man bei den Effekten primr auf CGI gesetzt, weshalb die beabsichtigte Kaltschnuzigkeit mancher Gewaltspitzen mehrmals der Knstlichkeit weicht. Dieser drfte der ansonsten recht ruppige Film auch seine milde ab 16-Freigabe verdanken.

berhaupt scheint man seitens Publikum- und Jugendmedienschutz mit dem Thema Selbstjustiz heutzutage etwas nachsichtiger umzugehen. Frher wurden fast smtliche Filme, die einen Vigilant zum Protagonist hatten, indiziert oder gar beschlagnahmt. Whrend Paul Kersey, Jennifer Hills und Konsorten zumindest halbwegs triftige Beweggrnde hatten, mordet sich John Wick wegen eines toten Hundes durch ganze Horden an Gangstern und wird dafr auch noch von einem Mainstream-Publikum beklatscht. Damit hat der Revenge-Film nun ebenfalls den Schritt vollzogen, den das Horrorgenre bereits vor gut einem Jahrzehnt gegangen ist.


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