Nach "Cobain: Montage of Heck", der offiziellen Doku ber das Leben des Rockstars, die im April 2015 erschien, folgt jetzt die nchste Doku. "Kurt Cobain Tod einer Ikone" (Originaltitel: Soaked in Bleach) ist hingegen kein offizieller Film und macht schon mit einer Notiz im Vorspann deutlich, das Courtney Love mit den Inhalten wohl nicht einverstanden sei. Damit ist dann auch eigentlich alles gesagt wer den Trailer gesehen hat, wei bereits, in welche Richtung der Film drngt: Der Selbstmord sei eine Inszenierung und in Wirklichkeit ein Mord. Dahinter stecken knnte die Ehefrau Cobains, Courtney Love. Die wichtigsten Indizien, die dafr sprechen, prsentiert tatschlich bereits der Trailer. Vielleicht berzeugt der Film wenigstens mit einer spannenden Aufmachung der Geschichte? Leider absolut nicht.

Was bekommt der Zuschauer zu sehen? Manchmal: gar nichts

Die Doku wirbt mit "offiziellen Akten, echten Tonaufnahmen und Expertenaussagen". In der Praxis sieht das dann so aus, dass die Dialoge in nachgestellten Szenen immer wieder durch untertitelte Original-Tonaufnahmen unterbrochen werden. Und gibt es gerade mal kein passendes Bild dazu, sieht der Zuschauer eben schwarz und hrt ein mitgeschnittenes Telefonat. Dazu ist der Einstieg holprig und der Zusammenhang fehlt, bis sich endlich Tom Grant vorstellt der Privatdetektiv, den Courtney Love engagiert hatte, um ihren vermissten Ehemann zu finden.

Mord oder Selbstmord?

Grant spricht mit Love (gespielt von Sarah Scott), die sich dabei meist lasziv auf dem Bett rkelt. Schlielich befragt er Freunde Cobains, zuletzt auch seine Anwltin. Zu Wort kommen auerdem an der Ermittlung beteiligte Polizisten und Experten wie Gerichtsmediziner und Journalisten. Die Indizien, die Tom Grant sammeln konnte, werden auf 100 Filmminuten ausgedehnt. Der Zuschauer ist am Ende genauso schlau wie vorher: Ja, es gibt tatschlich Hinweise, die auf Ungereimtheiten hindeuten.
Kurt Cobain Tod einer Ikone
Verleih: Ascot Elite
Darsteller: Tyler Bryan, Sarah Scott, Daniel Roebuck
Regie: Benjamin Statler
Genre: Dokumentation
Filmlaufzeit: 100 Minuten
Der Wichtigste: In Cobains Blut wurde eine erhebliche Menge Heroin nachgewiesen ein Drittel davon wre bereits fr einen stark Abhngigen tdlich gewesen. Es ist schwer bis gar nicht erklrbar, wie jemand in diesem Zustand bei Bewusstsein geblieben sein, das Drogenbesteck ordentlich zur Seite gerumt und sich dann gezielt in den Kopf geschossen haben kann. Das hat mittlerweile auch die Polizei von Seattle zugegeben, die 1994 ungewhnlich schnell den Suizid besttigt hatte.

Neben weiteren Indizien wie einem mglicherweise geflschten Abschiedsbrief und einigen Ungereimtheiten in verschiedenen Aussagen prsentiert Regisseur Benjamin Statler auch gleich ein Motiv: Cobain habe die Scheidung gewollt, nach der Love wegen eines Ehevertrages finanziell leer ausgegangen wre. Braucht es fr so eine offensichtliche Schlussfolgerung wirklich 21 Jahre nach dem Todesfall eine komplette Doku? Ist es tatschlich mglich, dass die Polizei von Seattle bisher alle Indizien ignoriert hat? Schwer vorstellbar.

Da war doch noch so eine Band...

Was der Film auerdem vermissen lsst, ist eine Gesamtsicht auf die Dinge. So beleuchtet er nur Grants Eindruck von Courtney Love und seine Treffen mit einigen wenigen Freunden Cobains. Nirvana bleibt komplett auen vor dass die Band zum Zeitpunkt des Todes aber bereits getrennt war, besttigten Dave Grohl und Krist Novoselic angeblich Jahre spter. Der Film vermittelt nicht den Eindruck, als htte Tom Grant jemals in Betracht gezogen, was das Ende eines solch gigantischen Projekts fr einen Junkie bedeutet, der gerade aus einer Entzugsklinik abgehauen ist. Trotzdem sind die Ungereimtheiten bei den Ermittlungen nicht von der Hand zu weisen: Sollte der Film etwas ffentliche Aufmerksamkeit erhalten, bleibt theoretisch die Mglichkeit, dass der Fall noch einmal aufgerollt wird. Das wrde auch der ehemalige Polizeichef tun aber auch das sagt er ja bereits im Trailer.


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