Lea ist 22, hbsch, frhlich und mit einem starken Charakter gesegnet. Ihren Geburtstag mchte sie mit ihrer Familie in Zrich feiern. Der Grund fr diese Ortswahl ist weder der schne Zricher See noch die Schweizer Kche. Lea mchte dort aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen. Sie mchte an ihrem Geburtstag im Beisein ihrer Familie sterben.

Langsam ersticken finde ich ziemlich zum Kotzen

Seit ihrer Geburt leidet Lea an Mukoviszidose. Eine meist unheilbare Krankheit, die nach und nach ihre Lunge angreifen wird. Sie muss sich mit einer groen Sauerstoffflasche wappnen, um den Alltag zu bestehen. Jede kleinste Anstrengung bringt sie an ihre Grenzen. Das Atmen fllt ihr immer schwerer. Aber so schlecht es ihr auch geht, ihr Geist ist ungebrochen. Sie meistert ihren Alltag mit viel Heiterkeit und Bestimmtheit. Genau diese Selbstbestimmtheit ist es, die sie sich gerne bis zum Schluss bewahren mchte. Denn bei allem Optimismus wei Lea doch, dass ihr baldiger Tod unausweichlich ist. Nun mchte sie ihrem Leiden ein Ende setzen. Langsam ersticken finde ich ziemlich zum Kotzen lautet ihre Erklrung, als der Schweizer Arzt sie nach ihren Beweggrnden fragt. Der Arzt muss sich vergewissern, dass sie wei, wofr sie sich entscheidet. Aber Lea lsst sich von ihrem Entschluss nicht abbringen. Vor allem jetzt, wo keine Hoffnung mehr auf eine erfolgreiche Lungentransplantation besteht, und sie jede Nacht fast an ihrem Husten erstickt. Als sie ihre Familie zu ihrem 23. Geburtstag nach Zrich einldt, werden alle vor vollendete Tatsachen gestellt. Den Familienmitgliedern bleibt ein gemeinsamer Tag, um mit Leas Entscheidung fertig zu werden.

Bis einem der Atem stockt

In Und morgen Mittag bin ich tot ist der Tod omniprsent
Und morgen Mittag bin ich tot (Deutschland 2013)
Verleih: Universum Film
Filmlaufzeit: 102 Minuten
Regie: Frederik Steiner
Darsteller: Liv Lisa Fries, Sophie Rogall, Lena Stolze, Kerstin de Ahna, Johannes Zirner
und doch ist der Film eine Ode an das Leben. Es geht zwar um Krankheit und ums Leiden, jedoch ist seine Botschaft keine negative. So schwer es einem ums Herz wird, so sorgen gleichzeitig Leas schlagfertige Ausdrcke fr herzhafte Lacher. Dem deutschen Regisseur Frederik Steiner gelingt es, eine tiefgrndige und lebensnahe Geschichte bewegend zu erzhlen. Dadurch rckt er ein Thema in den Vordergrund, welches sonst den Schatten eines Tabus trgt.
Es geht in seinem Film nicht darum, ob ein Selbstmord gerechtfertigt sein kann, sondern er zeigt, wie sich jemand aus der Ohnmacht gegenber seiner Krankheit befreit.

Getragen wird der Film von seiner starken Besetzung: Lena Stolze spielt ergreifend die zerrissene Mutter, der es besonders schwer fllt, ihre Tochter kampflos dem Tod zu berlassen, und die diese bis zum Schluss umstimmen mchte. Sophie Rogall spielt Leas Schwester Rita, die hinter ihrer harten Schale und schroffen Art ihre liebevolle Zuneigung versteckt. Die leicht distanzierte khle Gromutter wird von Kerstin de Ahna verkrpert. Und schlielich vollendet Liv Lisa Fries in der Hauptrolle das starke Frauen-Quartett. Ihre authentische Spielweise geht so unter die Haut, dass der Zuschauer gemeinsam mit ihr nach Luft ringt.
Kaum ist der Film vorbei drngt es einen ins Freie, um die frische Luft in seinen Lungen zu spren. Es ergreift einen das Gefhl einen Menschen soeben verloren zu haben.



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