Ein Filmproduzenten-Meeting irgendwo in Deutschland anno domini 2012: Produzent A: "Meine Herren, wir brauchen eine Idee fr einen neuen Film." Produzent B: "Wie wre es denn mit einem Mittelalter-Streifen?" Produzent C: "Das ist eine super Idee. Die Leute stehen doch auf die ganzen historischen Romane la Ken Follett." Produzent A: "Gut, dann aber nur einer mit literarischer Vorlage, das erspart den Drehbuchschreiber." Produzent B: "Ich suche mal nach geeigneten Titeln." Produzent C: "Wie wre es mit einem Iny-Lorentz-Roman?" Produzent B: "Wurden schon verfilmt." Produzent A: "Rebecca Gable?" Produzent B: "Also bitte, keiner interessiert sich fr das sptmittelalterliche England. Nein, ich habe eine bessere Idee: Der Medicus ist noch nicht verfilmt." Produzent C: "Super, dann machen wir das."

800 Seiten Buch auf 150 Minuten Film klappt nicht

So oder so hnlich muss sich die Entstehungsgeschichte des neuesten Mittelalter-Films Der Medicus abgespielt haben. Die Buchvorlage The Physician von Noah Gordon gehrt zu den Bestsellern der mittelalterlichen Fantasyromane mit mehr als sechs Millionen verkauften Exemplaren allein in Deutschland. Das Originalwerk ist jedoch nicht das Problem, sondern der Film selbst. Getreu dem Motto "Was brauchen wir im Moment am wenigsten?" haben Produzent Wolf Bauer und Nico Hofmann mit dem Medicus eine weitere unntige und schlechte Literaturverfilmung aus der Taufe gehoben.
Der Medicus (D 2013)
Verleih: Universal
Genre: Historienfilm / Drama
Filmlaufzeit: ca. 149 Minuten
Regie: Philipp Stlzl
Darsteller: Tom Payne, Emma Rigby, Stellan Skarsgard, Ben Kingsley, Olivier Martinez, Michael Marcus, Elyas M'Barek


Grnde dafr sind zahlreich und schnell ersichtlich: So handelt es sich beim Medicus um eine lose Adaption des Buches. Die Geschichte des Films stimmt nur in groben Zgen mit der des Originals berein. Das ist per se nicht verkehrt, jedoch haben die Produzenten und Drehbuchschreiber versucht, einen mehr als 800 Seiten dicken Roman in einen zweieinhalbstndigen Film zu pressen. Zum Vergleich: Der Herr der Ringe Die Gefhrten ist 600 Seiten dick und wurde zu einem dreistndigen Kino-Epos. Selbst fr unerfahrene Cineasten wird beim Anblick der Zahlen schnell klar, dass das nicht klappen kann.

Starke Hauptdarsteller allerdings erst ab der zweiten Hlfte des Films

Besonders die Narration des Films leidet unter dem Zeitdruck. Zu Beginn rauschen die Ereignisse am Zuschauer vorbei. So bleiben Personen abseits der Hauptfigur Rob Cole, der nach dem Tod seiner Mutter Arzt werden will, blass und ohne wirklichen Mehrwert fr die Geschichte. Es wirkt so, als ob der Plot Rob mglichst schnell auf seine Reise schicken will, um endlich mit dem zweiten Teil der Geschichte beginnen zu knnen: Seiner Ausbildung zum Medicus in Persien. Dort angekommen, bremst die Erzhlung dann abrupt ab. Ein Vorteil dieser inhaltlichen Zweiteilung: Der Medicus ist von diesem Zeitpunkt an ein wesentlich besserer Film.

Erst jetzt zeigen Regisseur Philipp Stlz und sein Team, was sie knnen: So sind die Sets und die Bilder von der mittelalterlichen arabischen Stadt Isfahan mit viel Liebe zum Detail gestaltet und versetzen den Zuschauer mhelos ins Persien des 11. Jahrhunderts. Ebenso zu betonen ist die schauspielerische Leistung der Hauptdarsteller. Tom Payne als Rob Cole und Ben Kingsley als der berhmte Heiler Ibn Sina machen eine gute Figur gengend Zeit fr Charakterentwicklung vorausgesetzt.

Noch so ein Mittelalterfilm

Dennoch rangiert Der Medicus unter der Prmisse "Viel gewollt, nichts gekonnt". Der Film ist in seinem Fundament brchig und daran ndern auch solide Schauspielleistung und Kostmdesign nichts. Darber hinaus fehlt es dem Medicus auf einem von mittelalterlichen Filmen derzeit bersttigten Markt an Alleinstellungsmerkmalen. So ist er nur eine weitere Literaturverfilmung, die ihren Ursprung in kruden Produzenten-Meetings hat.

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