Das Meer ist ruhig, die Sonne strahlt vom Himmel, es ist ein wolkenloser Morgen. Irgendwo in der Nhe der Meerenge von Sumatra treibt ein Segelboot im indischen Ozean. An Bord ein namenloser Mann, der in seiner Kajte liegt und langsam aufwacht. Ein herrenloser Schiffscontainer hat ein Loch in die Auenwand seines Bootes gerissen und als sich der Mann nun von seinem Bett erhebt, steht ihm das Wasser im Inneren bis ber die Knie. In mhsamer Arbeit macht er sich an die Reparatur des Lochs und pumpt das Wasser aus dem Boot, um so der Seenot doch noch irgendwie zu entkommen. Als alles wieder heil und trocken ist, zieht ein Unwetter herauf und zerstrt die ganze Arbeit von Neuem. Ein abgesetzter Notruf bleibt ungehrt, sein Boot ist verloren. Er flchtet sich ins Rettungsboot. Ohne Trinkwasser und mit wenig Proviant beginnt der Kampf ums berleben.

Dabei wird der einzige Akteur in diesem Film immer wieder in seinen Bemhungen zurckgeworfen. Gerade wenn man denkt, dass Besserung und Rettung in Sicht sind, naht ein neues Unglck. Perfekt gespielt wird dabei die Verzweiflung von einem brillanten Robert Redford. Dieser schafft es nur anhand seiner Gestik und Mimik, den Zuschauer mitzureien; gebannt starrt man ihn an und wartet auf etwas. Auf was genau eigentlich, lsst sich schwer in Worte fassen. Wartet man darauf, dass sich endlich ein Wort der Verzweiflung oder der Wut ber seine Lippen begibt? Dass er ausbricht aus der Einsamkeit, die mit diesem Segeltrip einhergeht?

Nur 30 Seiten Drehbuch, ganze 106 Minuten Spannung

Insgesamt ist All is lost ein beeindruckender Film, der zeigt, dass ein solcher auch ohne aufwendige Dialoge und packende Actionszenen spannend sein kann.
All is Lost (USA 2013)
Verleih: Universum Film
Genre: Drama
Filmlaufzeit: 106 Minuten
Regie und Drehbuch: J.C. Chandor
Kamera: Frank G. DeMarco, Peter Zuccarini
Musik: Alex Ebert
Darsteller: Robert Redford
Von der ersten bis zur letzten Minute fiebert, leidet, bangt und hofft der Zuschauer, und sprt Enttuschung und Verzweiflung am eigenen Leib. Der einzige Wermutstropfen sind die zu offensichtlich computeranimierten Strme, die das Spektakel auf See irreal erscheinen lassen; man kann sehen, dass das Boot nicht im Meer schwimmt, sondern auf einem Gerst steht und das Meer auf einer Leinwand im Hintergrund tobt. Interessant ist dabei vielleicht fr manch einen Cineasten nicht nur, dass der Film in denselben Studios entstanden ist wie Titanic (vielleicht hat da jemand eine Vorliebe fr Unglcke), sondern auch, dass das Drehbuch lediglich aus 30 Seiten bei 106 Filmminuten bestanden hat. Dass liegt mitunter am stark reduzierten Gebrauch von Sprache im Film, ist doch der einzige Ausruf des Protagonisten ein lautes "Fuck!".

ber die herausragende Leistung Robert Redfords dabei als einziger Schauspieler, der durch seine facettenreiche Ausdrucksweise den Film trgt, lsst sich kaum noch etwas hinzufgen. Dabei ist es fast schade, dass er fr diese grandiose Arbeit lediglich fr einen Golden Globe, nicht aber fr den Oscar nominiert war. Denn eins gilt fr All is lost allemal: Er zeigt Robert Redford at his best!




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