Fnf Jahre sind vergangen, seit der gefeierte Konzertpianist Tom Selznik (Elijah Wood) zuletzt eine Bhne betreten hat. Der Grund fr dessen Abstinenz: Bei seinem letzten Konzert hat ihn eine pltzliche Schockstarre berfallen und den Auftritt in einem Desaster enden lassen. Nun ist er zurck, um es besser zu machen und seinen Ruf reinzuwaschen vielleicht aber auch nur, weil seine Frau das Ganze arrangiert hat.
Doch, typisch Comeback, der Abend droht nicht so zu verlaufen, wie es sich alle erhofft haben. Dafr sorgt der leider nicht verrckte, sondern schnderweise geldgierige Clem, der Selznik benutzen will, um an das Vermgen des frisch verstorbenen Musikmagnaten Patrick Godureaux zu gelangen. Um den Erpresser nun aber zum Vermgen zu klimpern, muss der Held vollkommen fehlerfrei spielen, andernfalls wird seine Frau erschossen. Und dann ausgerechnet jenes Stck, dass ihn fnf Jahre von der Bhne ferngehalten hatte. Dabei hat der arme Tom doch schon genug mit seinem Lampenfieber zu kmpfen. Genau hier liegt das grte Problem des Films: Der Plot wirkt konstruiert bis unglaubwrdig und die Jagd auf Godureauxs Vermgen vllig berflssig, hat sogar etwas unfreiwillig Komisches. Der Zuschauer fragt sich: Htte die Kombination aus Bhnenangst und gewaltbereitem Musikliebhaber nicht gereicht? Und nicht zuletzt steht die sinnlose Umstndlichkeit des fiesen Plans dem Genuss im Wege: Woher bitte bekommt ein Mann, seines Zeichens Schlosser, eine Waffe, "die nicht nur die prziseste, sondern auch die leiseste auf dem Markt" ist, beziehungsweise kann damit umgehen? Nicht mal ein texanischer Redneck wrde das als glaubwrdig erachten.

Durchweg glaubwrdig ist dagegen die Leistung Elijah Woods, auch wenn es schwer fllt, hier keine Parallelen zu anderen Rollen Woods, wie etwa in Hooligans, oder auf den ersten Blick noch abwegiger im Herrn der Ringe, zu ziehen. Der von Wood gespielte Selznik ist durch und durch zerbrechlich in seinem Wesen, unsicher und scheu im Umgang mit Menschen, dauernervs und emotional vollkommen abhngig von seiner Frau, der berhmten Schauspielerin Emma Selznik. Gleichzeitig verfgt er ber groen Mut angesichts der Gefahr. Vieles an diesem Pianisten erinnert daher an seine Interpretation des Auenlnders Frodo Baggins, allein Selznik fehlt das Faible frs Barfugehen.
Tom Selznik mach dabei auch eine ganz hnliche Entwicklung durch, die uere Bedrohung verlagert den Kampf mit dem inneren Feind nach auen. Er wird gezwungen, seiner Schwche, dem Lampenfieber, zu begegnen und berwindet sie schlielich, um seine Lieben zu bewahren. Was Wood angeht, ein altbewhrtes Konzept. Elijah Wood spielt in Wahrheit nicht um sein Leben, um den Film zu retten wrde aber schon seine authentische Performance reichen.
Grand Piano (Spanien 2013)
Verleih: Koch Media
Genre: Thriller
Filmlaufzeit: ca. 86 min
Regie: Eugenio Mira
Darsteller: John Cusack, Elijah Wood, Tamsin Egerton
DVD-Verffentlichung: 08.05.2014


Grand Piano hat allerdings noch mehr zu bieten. Nicht schwer zu erraten: Die Rede ist von der Musik. Nicht umsonst trgt die deutsche Fassung den Beititel Sinfonie der Angst. Victor Reyes hat die Musik eigens fr den Film komponiert fr eine Produktion dieser Grenordnung eher ungewhnlich. Bei einem Film, dessen zentrales Motiv die Musik ist, erscheint es allerdings geradezu logisch. So schmiegt sich diese, fr sich allein genommen schon groartig, hervorragend in das Gesamtkonzept des Films ein und ergnzt das Spiel zu einem packenden Ganzen: Von der Dramaturgie ber die Einzelhandlungen bis hin in die Gestik der Charaktere sind der Film und seine Musik aufeinander abgestimmt. Wo die Handlung in ihrer Spannung steigt, da steuert auch das Konzert einem Hhepunkt entgegen, wo die Handlung fllt, tut es das Konzert ebenso. Gesten des Dirigenten werden mit denen anderer Charaktere berblendet, ein Kehlenschnitt mit dem Streichen eines Cellos.

Am Ende muss man vor Regisseur Eugenio Mira den Hut ziehen. Spannung und Dynamik zu erzeugen, obwohl der Held die meiste Zeit sitzt und man den Bsewicht nicht sieht, ist sicherlich nicht einfach, gelingt hier aber abseits aller inhaltlichen Absurditten hervorragend. Zusammengenommen, zumal mit Elijah Woods berzeugender Leistung, ergibt sich so ein sehenswerter Film.


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