Die taube Zoe wird von einer Gruppe fieser Rednecks entfhrt, vergewaltigt und gettet. Ein alter Indianer, der mit eben jenen Rednecks noch eine Rechnung offen hat, findet Zoes Leiche und erweckt sie mithilfe eines magischen Rituals wieder zum Leben Reanimiert und vom Geist eines ermordeten Indianerhuptlings beseelt nimmt Zoe Rache an den belttern. Doch die Zeit luft gegen sie, denn ihr Krper verwest bereits.

Das Horrorfilm-Subgenre des "Rape-and-Revenge"-Films zhlt zweifelsohne zu den anrchigsten aller Filmgattungen. Das verwundert wenig, denn dem "Revenge"-Part geht fr gewhnlich die ausfhrliche Darstellung einer Vergewaltigung voraus. Im Klassiker Ich spuck auf dein Grab (I Spit On Your Grave, USA 1978) nimmt die Tortur der Protagonistin die gesamte erste Filmhlfte fr sich in Anspruch - "Rape-and-Revenge"-Filme sind harter Tobak und selbst unter hartgesottenen Horrornerds nicht gnzlich unumstritten. Die Kritiker spalten sich dabei in zwei Lager: Die einen sehen in Filmen wie Ich spuck auf dein Grab, Mondo Brutale (The Last House On The Left, USA 1972) oder Irreversibel (Irrversible, F 2002) Gewaltverherrlichung und pure Misogynie, die anderen bescheinigen ihnen feministische Anstze und schtzen die vermeintliche Subversion solcher Werke.

Savaged ist ein "Rape-and-Revenge"-Film, welcher hnlich wie The Crow Die Krhe (The Crow, USA 1994) den blichen Grundplot um das phantastische Element der "Rache aus dem Jenseits" erweitert. Musste bei The Crow noch der Mann ran und Rache fr die Vergewaltigung (und Ermordung) seiner Verlobten nehmen, ist in Savaged die Frau auch selber in der Lage, Vergeltung zu ben. Selbst ist die Frau! Im Gegensatz zu den meisten anderen Genre-Regisseuren legt Michael S. Ojeda zudem wenig Wert auf eine explizite Veranschaulichung von Zoes Vergewaltigung, die primr im Off geschieht und in den ersten Filmminuten pflichtbewusst abgehandelt wird Ojeda scheint nicht der grte Frauenhasser unter den "Rape-and-Revenge"-Film-Machern zu sein und eine feministische Leseweise bte sich bei Savaged durchaus an: Das Gewalt-Gegengewalt-Verhltnis verschiebt sich deutlich zu Lasten der Mnner und auch das propagierte Mnnerbild diese sind entweder sexgeile Gewalttter oder impotente Versager wrde einer Alice Schwarzer vermutlich zusagen.

Savaged macht seine feministische Position relativ deutlich, allerdings war Political Correctness noch nie ein Garant fr herausragende Genrefilme Ojedas Film leidet unter den blichen Schwchen aktueller B-Produktionen (schlechte Darsteller, dmliche Dialoge, Handlungsklischees) und hat auerdem das Problem, dass er den Zuschauer zu sehr auf Distanz hlt: Die Protagonistin Zoe wird viel zu kurz eingefhrt sie fllt den Rednecks bereits nach wenigen Minuten zum Opfer und nervt nach ihrer Verwandlung zum grunzenden Rache-Zombie doch erheblich. Da ihre Taubheit keine wirkliche Funktion erfllt, liegt die Vermutung nahe, dass man durch die Behinderung beim Zuschauer Mitleid (und Empathie) hervorrufen mchte tatschlich wird die Identifikation mit Zoe dadurch hchstens noch zustzlich erschwert. Selten fiel es einem schwerer, Mitgefhl fr das Vergewaltigungsopfer aufzubringen als in diesem "Rape-and-Revenge"-Film. Folglich ist es einem relativ schnuppe, was mit Zoe passiert. Den niedertrchtigen Rednecks gnnt man den Tod natrlich trotzdem irgendwie.

Und gestorben wird ausgiebig: Gedrme werden aus Krpern herausgerissen, Menschen zersgt, Kpfe abgeschnitten. Doch leider sind ausgerechnet die Special FX der gravierendste Schwachpunkt dieses an Schwchen nicht unbedingt armen Filmes CGI-Effekte mgen im Vergleich zu handgemachten SFX die modernere, preisgnstigere und sauberere Variante darstellen, aber definitv auch die sterilere!
Savaged (USA 2013)
Verleih: Ascot Elite Home Entertainment
Genre: Horror
Filmlaufzeit: 90 Minuten
Regie: Michael S. Ojeda
Darsteller:Amanda Adrienne, Tom Ardavany, Ronnie Gene Blevins, Ernie Charles, Brionne Davis, Bobby Field, Ed Fletcher
DVD-Verffentlichung: 15.04.2014
Was in comichaften Splatter-Spektakeln wie The Machine Girl (Kataude mashin gru, Japan 2008) oder Punisher: War Zone (USA/Deutschland 2008) einigermaen gut funktioniert, stellt im vorliegenden Fall ein rgernis dar, welches den vermeintlichen Genuss von Ojedas Film doch erheblich schmlert. Gute (bzw. gelungene) "Rape-and-Revenge"-Filme sind dreckig und aufgrund ihrer distanzlosen und realittsnahen Inszenierung wie ein Schlag in die Magengrube Savaged hingegen ist hchstens ein mildes Backpfeifchen. Die computergenerierten Effekte sind durch die Bank weg als solche zu erkennen und sehen besonders unecht aus. Damit reiht sich dieser Film in die lange Liste jener Genrefilme ein, die primr ihrer CGI-Effekte wegen Schiffsbruch erleiden Was fr ein groartiger Film htte beispielsweise Midnight Meat Train (The Midnight Meat Train, USA 2008) sein knnen, htte man statt auf Pixel- auf Kunstblut gesetzt! Denn Authentizitt ist eine wichtige (und notwendige) Eigenschaft des modernen Horrorfilms und Filme wie Savaged ignorieren diesen Fakt komplett. Horror- bzw. "Rape-and-Revenge"-Fans sollten sich daher lieber nach Alternativen umschauen Mit den beiden old-schooligen I Spit On Your Grave-Filmen von 2010 und 2013 ist man auf jeden Fall wesentlich besser beraten als mit Savaged. Frauen, Feministen und Pseudos knnen trotzdem einen Blick riskieren.

Savaged ist hierzulande in zwei verschiedenen Fassungen erschienen: Gekrzt mit "ab 18"-Freigabe und uncut mit JK-Siegel. Wer auf ein paar zustzliche (und berflssige) Minuten Pixelblut nicht verzichten mchte, sollte also zur JK-Version greifen. Als Bonusmaterial enthalten sind Making-of, animierte Storyboards, Deleted Scenes und diverse Trailer.



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