Der seltsame Fupfleger, der Polizist mit dem seltsamen Hobby, die seltsam exzentrische wie egozentrische Dokumentarfilmerin man hegt keine groen Sympathien fr die Personen in Finsterworld, zumindest nicht am Anfang. Das Spielfilm-Debt von Frauke Finsterwalder ist ein dsteres und zynisches Portrt deutscher Menschlichkeit, die sich hier vor allem in ihren Macken zeigt und entldt. Farbe bekommt es durch die humorvolle berzeichnung der Figuren und ihrer Dialoge.

Wir sehen nun also diese Menschen in ihrem Alltag und beschlieen, ihnen zu folgen warum? Das wissen wir noch nicht. Wir ahnen vielleicht schon: Das kann nicht gut gehen mit dem lteren elitren Prchen, das scheinbar ber allem steht, sich aber jeden Moment an die Gurgel gehen knnte. Was richtet dieser schnselige Privatschler auf dem KZ-Besuch noch an? Und die Frage aller Fragen wer bekommt das Mdchen?

Mglichst undeutsch sein: Flucht und Hoffnung

Mit verschiedenen Geschichten wird hier ein skurriles Kaleidoskop der deutschen Gesellschaft geboten, mit Figuren, die sich alle sehr viel Mhe geben, nicht allzu deutsch zu sein. Ausstieg, Selbst-Erhebung, Flucht vor Klischees und vor der Kollektivschuld; die Hoffnung, doch noch Schnheit in der Welt zu finden, und die Hoffnung auf Gott. Wir sehen keinen reprsentativen Querschnitt, aber eine treffsichere Satire deutscher Skurrilitt. Viele Geschichten, die am Ende alle auf eine mehr oder weniger realistische Weise miteinander verknpft sind. Viele kleine Zuflle machen das Ganze so unwahrscheinlich wie einen Tarantino-Streifen, doch wei der Film durchaus den schmalen Grat zwischen Realitt und berzeichnung zu meistern.

Nach und nach berhren sich die Geschichten. Wie wird der Einsiedler mit seinem einzigen, unschuldigen Freund ins Bild passen? Wie geht die Flucht ins Rapsfeld weiter? Mittlerweile sind wir dabei. Wir folgen den Menschen, sind vielleicht nicht mit ihnen befreundet oder einverstanden, aber sie scheinen alle ihre Grnde fr ihre Taten zu haben und ihre Taten fhren zu dem Ende, das wir alle nicht erwartet htten.
Finsterworld (Deutschland 2013)
Verleih: Alamode Film
Filmlaufzeit: 91 Minuten
Regie: Frauke Finsterwalder
Darsteller: Ronald Zehrfeld, Sandra Hller, Michael Maertens, Margit Carstensen, Corinna Harfouch, Bernhard Schtz, Johannes Krisch, Christoph Bach, Carla Juri
DVD-V: 11.04.2014
Die Geschichten entladen sich auf berraschende und grausame Weise. Da hilft jede berzeichnung nichts, irgendwo ist die Skurrilitt am Ende doch Realitt.

Das Beeindruckende an Finsterworld sind seine Unbarmherzigkeit und vor allem die fehlende Wertung. Wir wissen am Ende nicht, ob unsere Macken schlecht sind, der Film zeichnet kein Schwarz-Wei-Bild der Tugend. Gut und bse sind verschoben, aber wen wundert das schon? Wir wissen nur eines: Mensch zu sein, kann dann und wann ziemlich schwierig sein, vor allem in Finsterworld.



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