Das ZDF strahlte das dreistndige Historiendrama Die Pilgerin Anfang Januar aus. Seit dem 10. Januar ist der Film auf DVD und Blu-ray erhltlich. Dabei bleibt es allerdings auch: Bonusmaterial ist auf dieser DVD Fehlanzeige. Der auf dem Erfolgsroman von Iny Lorentz basierende Film muss ausreichen, um das Interesse des Publikums zu wecken. Die junge Frau Tilla gibt sich als Mann aus, um den letzten Wunsch ihres verstorbenen Vaters zu erfllen. Sie macht sich auf den Weg nach Santiago de Compostela, wo sie sein Herz in geweihter Erde begraben will, damit er seinen Frieden findet.

Fragen ber Fragen

Was soll das? Diese Frage stellt Tilla in einem auffallend modernen Sprachstil ihrem Bruder Otfried, als dieser nach dem Tod des Vaters Besuch empfngt, um eine fr ihn vorteilhafte Eheschlieung zu erreichen. Auch inhaltlich ist sie berechtigt. Was ist das genaue Motiv Otfrieds, den ohnehin im Sterben liegenden Vater mit einem Kissen zu ersticken? Wieso errt Tilla, gespielt von der aus Trkisch fr Anfnger bekannten Josefine Preu, dies anhand eines Blickes in seine Augen? Warum braucht sie ihre Heiratsurkunde auf der Reise als Beweis, dass sie Witwe ist, wenn sie sich doch als Junge ausgibt?

Konflikte gleich Spannung?

Nach dem Tod ihres Vaters verheiratet Otfried Tilla gegen ihren Willen mit Veit Grtler, obwohl sie einem anderen versprochen ist. Grtler stirbt jedoch schon in der Hochzeitsnacht, woraufhin Tilla unter Giftmordverdacht steht. Sie flieht mit dem Herzen ihres Vaters und die Reise nach Santiago de Compostela beginnt. Otfried setzt den unehelichen Sohn Grtlers auf Tilla an.
Die Pilgerin
Verleih: Universum Film
Genre: Historiendrama
Filmlaufzeit: ca. 175 Minuten
Regie: Philipp Kadelbach
Darsteller: Josefine Preu, Dietmar Br, Jacob Matschenz, Volker Bruch, Lucas Gregorowicz, Roeland Wiesnekker, Stipe Erceg, Ernst Sttzner, Laura de Boer
DVD-Verffentlichung: bereits erschienen

Auch Sebastian, der Bruder des Mannes, der bis zum Tod des Vaters Tillas Verlobter gewesen war, macht sich auf die Suche nach ihr. Unterbrochen wird die Wanderung von mehreren fast wahllos aneinandergereihten Zwischenfllen. Deren Zweck besteht wohl hauptschlich darin, Konfliktpotenzial zu bieten. Ein vielversprechender Spannungsverlauf entsteht so jedoch nicht. Das kann auch der hufig tdliche Ausgang der Zwischenflle nicht ndern.

Ein bisschen Mittelalter im Jetzt

Tilla geht auf die Jagd, Tilla schneidet ihrem Vater selbststndig das Herz heraus, Tilla macht sich gegen den Willen ihres Bruders auf den Weg nach Santiago de Compostela eine auffallend emanzipierte Frau. Vereinzelte Annherungsversuche an eine mittelalterlich geprgte Sprache kann der Zuschauer bestenfalls als netten Versuch werten, die Epoche authentisch darzustellen. Erst durch die gelegentliche Anrede der Personen in der zweiten Person Plural fllt aber besonders auf, dass die Charaktere sich meist duzen. Der einmal gewhlte Sprachstil wird nicht lange durchgehalten. Die klischeehafte Charakterisierung von Gut und Bse fhrt ebenso wenig zu einer glaubwrdigen Darstellung. Blondes Haar und Attraktivitt auf der einen, Dreck, Feuermale und faule Zhne auf der anderen Seite.

Historiendrama ohne Anspruch

So vordergrndig wie viele Inhalte sind, so platt ist auch ihre Vermittlung. Die ungewhnlich emanzipierte Tilla, die vielen mehr oder weniger spannungsgeladenen Geschehnisse auf der Reise, die Gegenberstellung von Gut und Bse, die klglichen Bemhungen einer mittelalterlichen Sprache: von einer authentischen Darstellung des Mittelalters keine Spur. Die Produktion des Werkes kostete stolze 6 Millionen Euro. Fr eine seichte Gute-Nacht-Geschichte vor dem Einschlafen reicht es, fr den Zuschauer mit ber Mord und Totschlag hinausgehendem Anspruch nicht.

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