campus-web Bewertung: 2 / 5
   
Jeder hat mal irgendwas von den Freimaurern gehrt. Meist bei Diskussionen ber Verschwrungstheorien. Die Freimaurerei ist noch immer von Mythen umrankt. Ein Dokumentarfilm knnte Abhilfe verschaffen. Insbesondere dann, wenn bereits in der ersten Szene damit geworben wird, dass ein Forscherteam sich auf einer soliden Wissensgrundlage der Freimaurerei nhert und das sich die Freimauererlogen extra fr diesen Film in die Karten schauen lassen.

Dokumentation oder Produktplatzierung?

Doch es ist nicht die Entstehungsgeschichte der Freimaurerei die im Mittelpunkt der Dokumentation steht. Auch die Ziele der Freimaurerei werden kaum thematisiert. Kern dieser Dokumentation sind vielmehr Dan Browns Intentionen, die ihn dazu veranlasst haben sein Buch Das verlorene Symbol zu verfassen. So beginnt der Film nicht mit der Frage warum es die Freimaurerei gibt, sondern warum Dan Brown ein Buch ber die Logenbrder verfasst hat. Der bizzare Habitus der Freimaurer sei eine ideale Grundlage fr eine Geschichte, in der - wer htte es gedacht - Fakten und Legenden vermischt werden. Und trotz der einleitenden Bewertung von Browns Buch als fiktiven Roman wird im Verlauf dieser Dokumentation, immer wieder Bezug auf Das verlorene Symbol genommen.

Da Browns Buch mit einer Aufnahmezeremonie in die Logenbrderschaft beginnt, erschpft sich das erste Kapitel auch in einem oberflchlichen Anreien dieses Rituals, vor dem Hintergrund der plakativen Frage, ob es als Mittel zum Machterhalt der Freimaurer fungiert. Dabei wird die Entstehung der Freimaurer als Ausgangspunkt fr die Durchfhrung dieser Rituale dargestellt. Warum aber Menschen damit begonnen haben, Freimaurer-Logen zu grnden, bleibt im Dunklen. Erst im siebten Kapitel wird beilufig ein Treffen von Kathedralen-Baumeistern erwhnt, bei dem die Logenbrderschaft gegrndet wurde. Dass der Grndungszweck darin bestand, das immense Wissen der Baumeister im Hinblick auf den Bau von Kathedralen vor der weltlichen und der geistigen Machtelite ihrer Zeit zu schtzen, um die eigene gesellschaftlich hoch angesehen Position dieses Berufs zu erhalten wird nicht erwhnt. Daher bleibt auch unklar, dass die besagten Aufnahmerituale nicht dem Erhalt irgend einer Macht dien(t)en, sondern der Absicherung, dass dieses Wissen von neuen Brdern nicht nach auen getragen wird.

Bauplne und Gerichtsverhandlungen

Es scheint so, als wren die Filmautoren davon ausgegangen, dass es Zuschauer eher fesselt, wenn sie viel ber eine vermeintlich geheime Weltmacht hren anstatt ber die komplexe Transformation einer konspirativen berufsbezogenen Interessensvertretung zu einem Bund der geistigen Elite. Daher bieten die nchsten Kapitel nicht mehr als eine willkrliche Zusammenstellung von vermeintlichen Anzeichen des Agierens einer geheimen Weltmacht.

Dazu gehren die Bauplne von Washingtons D.C. aus denen sich Freimaurersymbole ablesen lassen, die Pyramide mit dem Auge in einem Dreieck auf der Ein-Dollarnote und eine Reihe wild zusammengestellter Gerichtsverfahren die sich mit Morden befassten, die irgend eine Bezug zur Freimaurerei hatten.

Unterm Strich

Erst im letzten Kapitel lst sich die Dokumentation inhaltlich von reierischen Ausfhrungen ber die geheime Weltmacht Freimaurerei. Es wird darauf hingewiesen, dass es bei der Freimaurerei weniger um geheime Mchte, sondern mehr um dem geistigen Austausch zwischen Gleichgesinnten - jenseits von politischen oder religisen Themen - geht. Leider kommt dieser inhaltlich Switch zu spt. So ist diese Dokumentation sicher interessant fr jene, die Browns Roman gelesen haben und sich weiter mit dessen Inhalt beschftigen wollen. Fr wissensdurstige, die sich mit der Entstehung und der Geschichte der Freimaurerei beschftigen mchten, ist sie weniger zu empfehlen.

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