Die Kult-Serie "The Wire" dokumentiert fiktional den Verfall der armen Stadt Baltimore mit all seinen Institutionen. Hier wird ein tiefer Einblick in die dunkle Seite einer Gesellschaft gezeigt, der erschreckend realistisch ist. Nach und nach wird "The Wire" posthum auf DVD in Deutschland verffentlicht. Von den fnf Staffeln fehlt jetzt nur noch die letzte, die im November nachgeschoben wird. Die vierte Staffel beschftigt sich mit der Bildungsinstitution Schule und ist damit vielleicht die emotionalste Staffel bisher.

Nach der dritten Staffel war da ein groes Loch: Das Drogen-Imperium von Avon Barksdale ist dank der guten Arbeit der berwachungseinheit untergegangen. Serienschpfer David Simon fllt es jedoch nicht schwer, dieses Loch zu stopfen so gibt es fr seine realistische Serie gengend Baustellen in Baltimore, die Aufmerksamkeit bentigen. Hier haben wir also die Schule: Ein spezieller Fokus liegt auf vier verschiedenen Schlern, die in die achte Klasse kommen. Sie sind in dem Alter, in dem es sich entscheidet, welchen Weg sie gehen werden. Sie sind nun Schler des Ex-Polizisten Prez, der in der berwachungseinheit Mist gebaut hat und sich entschieden hat, als Lehrer zu arbeiten. Nebenbei ist diese Einheit an ihrem nchsten Ziel dran: Marlo Stanfield, ein Drogenboss, der hart zu knacken ist. Der in der dritten Staffel integrierte Politiker Carcetti ist nun mitten in der Kampagne um die Brgermeister-Wahl. Es gibt wie immer viele weitere Neben-Stories, die nur eines wollen: eine authentische Baltimore-Realitt darstellen.

Schmerzhafte Realitt

The Wire (Staffel 4), USA 2009
Verleih: Warner Home Video
Genre: Krimiserie
Gesamtlaufzeit: 780 min (5 DVDs)
Darsteller: Dominic West, John Doman, Frankie Faison
DVD-Verffentlichung: bereits erschienen
"The Wire" schafft es immer wieder, mit einfachen Mitteln einen unglaublich realen und reflektierten Einblick in das Leben auf den Straen von Baltimore zu lenken. Der Weg der Schler ist raffiniert geschrieben, sodass es vielleicht das tragischste ist, das diese Serie bis jetzt hervorgebracht hat denn von vornherein ist klar, in diesem Umfeld sind die Kids nicht gut aufgehoben. Wie Prez sich seinen Schlern nur langsam annhern kann, ist ein schwer zu meisternder Handlungsstrang, jedoch brillant gelst. Die politische Korruption und die Sackgassen, in die die Charaktere immer wieder geraten, sind teilweise schwer zu ertragen. Eine Schwche hat diese Staffel jedoch: Es dreht sich nicht nur pltzlich alles um die Schule dass einige Charaktere jedoch extra in diese Richtung gelenkt werden, wirkt ein wenig konstruiert. Wenn man jedoch darber hinwegsieht, steht die Staffel in Sachen Realismus den anderen in nichts nach.

Einen groen Pluspunkt gibt es diesmal beim Bonusmaterial: Neben obligatorischen Audiokommentaren bekommt man diesmal eine zweigeteilte, einstndige Behind The Scenes-Dokumentation dazu. Die hat es wirklich in sich: Der weitere Einblick in den Realismus der Serie ist gleichzeitig interessant und schockierend. Man erfhrt viel ber die Schauspieler hinter den Charakteren, die teilweise wirklich aus dem Drogensumpf stammen sowie von wahren Personen, an die die Charaktere angelehnt sind. So spielt jemand zum Beispiel einen Pfarrer, der 15 Jahre vorher vom Serienschpfer selbst eingebuchtet wurde, als dieser noch bei der Polizei war.

Da bleibt nur noch Lob

Man kann es nur immer wieder predigen: "The Wire" ist eine der besten Serien, die das Fernsehen zu bieten hat. Wenn man bedenkt, wie andere Serien mit Erzhl-Tricks, Bild- und Songcollagen experimentieren, kommt man hier komplett ohne solche Spielereien aus. Der Unterschied ist merklich: Whrend "The Wire" schockierende Realitt schockierend Real darstellt, zeigt sich, dass eine durchaus gute und spannende Serie wie z.B. "Breaking Bad" im Endeffekt doch nur ein Mrchenszenario ist.

Mehr Infos zur Serie gibt es auf der offiziellen Facebook-Seite!

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