campus-web Bewertung: 4/5
   
 

Vom Hnfling...
   
 

...zum Superhelden
   
1943: Amerika befindet sich im Krieg mit den Achsenmchten. Steve Rogers (Chris Evans) will in die Army eintreten und seinen Beitrag leisten. Fnfmal hat er es schon versucht, aber weil er krperlich zu schwach ist, wurde er jedes Mal abgelehnt. Durch seine Beharrlichkeit wird der Wissenschaftler Abraham Erskine (Stanley Tucci) auf ihn aufmerksam, Er schleust Steve in ein experimentelles Programm der Armee ein. Dort wird ihm ein Serum verabreicht, durch das er zum Supersoldaten - zu "Captain America wird". Doch auf der Seite der Nazis hat sein Gegenspieler Johann Schmidt ebenfalls das Serum genommen und ist zum "Super-Nazi" mutiert.

Ach, was ist das alles schn. Keine Terroristen, keine Russen und schon gar nicht das obilgatorische Helden-Trauma sind hier der Gegner, sondern ganz klassisch das Dritte Reich und Supernazis. Wie erwartet sind die Amerikaner aufrichtig und ehrlich. Die Nazis sind bse bis aufs Blut , hantieren mit Wunderwaffen, frnen selbstverstndlich dem Okkultismus und auch die Panzer sind grer und bser als sonst. Folgerichtig heit es hier auch nicht lnger "Heil Hitler", sondern "Heil Hydra". Dabei wird nicht nur der rechte, sondern beide Arme zum Gru gehoben doppelt hlt schlielich besser.

All das ist auf eine schrille, berzeichnete Art spaig und durchaus sympathisch, im besten Sinne sogar klassisch - aber "Captain America" ist kein Klassiker. Der Entwicklung von Comicverfilmungen und dem aktuellen Zeitgeist hinkt Regisseur Joe Johnstons "Captain America" auf den ersten Blick meilenweit hinterher. In Zeiten, in denen Helden immer auch Antihelden sind und zuallererst ihre eigenen dunklen Seiten bekmpfen mssen, kommt "Captain America" vllig anachronistisch und mitunter auch etwas eindimensiona daherl.

Die meisten Schauspielleistungen bleiben daher sehr beschrnkt. Hugo Weavings Part als "Red Skull" sorgt fr gute Unterhaltung , hinterlsst aber keinen bleibenden Eindruck. Weavings Rolle des Agenten Smith aus "Matrix" man beachte auch die hnlichkeit der Namen Smith und Schmidt drfte hier Pate gestanden haben. Stanley Tucci kann sein Talent in der Rolle des gtigen Wissenschaftlers Abraham bestenfalls andeuten, whrend Tommy Lee Jones die Rolle eines zwar amsanten, aber ziemlich stereotypen Militrs souvern runterrattert. Hayley Atwells Rolle als Agentin und Love-Interest ist im Prinzip nicht mehr als der Part eines Bond-Girls, dass selbst im wildesten Feuergefecht mit perfekter Frisur, Haltung und Lippenstift zu glnzen vermag. Daher passt es , dass Atwell in Interviews die Gleichberechtigung und Strke ihrer Rolle repetetiv hervorhebt so wie jedes andere Bond-Girl vor ihr.
Captain America, (USA 2011)

Verleih: Paramount Home Entertainment
Genre: Comic-Verfilmung
Filmlaufzeit: 119 min
Regie: Joe Johnston
Darsteller: Chris Evans, Tommy Lee Jones,
Hugo Weaving, Hayley Atwell, Stanley Tucci
DVD-Verffentlichung: 19.12.2011
"Captain America" ist gar nicht so einfltig und oberflchlich. Vor dem Hintergrund der globalen Entwicklung betrachtet, ist durchaus die Verunsicherung und Sehnsucht nach einer Zeit sprbar, als die Dinge noch unkompliziert und Amerikaner einfach nur "gut" waren.

Hinzu kommt Chris Evans Leistung als Steve Rogers. Er wirkt erstaunlich berzeugend als grundanstndiger Kerl und erinnert bisweilen an den unbeirrbar grundguten "Forrest Gump" auch in seiner Beschrnktheit. Denn Steve Rogers/Captain America ist nicht zerrissen wie Batman oder Spiderman, aber ebenso getrieben und gefangen in seinem Wesen. Rogers kann nicht anders, als immer wieder in den Kampf zu ziehen, heldenhaft, unermdlich und dementsprechend abgekmpft. Mde, mitunter verzweifelt sieht Rogers auch mal aus. Bei genauem Hinsehen ist sein ikonisches Schild auch ziemlich verschrammt.

Kurz zur Technik: Die Blu-ray (gibt es auch als cooles Steelbook) ist in jeder Hinsicht, in Bild- und Tonqualitt sowie Quantitt und Qualitt der Extras, herausragend.
Was bleibt also? "Captain America The First Avenger" ist kein "Dark Knight" und man muss ihn nicht gesehen haben Aber es schadet auch nicht. Denn "Captain America" ist eine gut gemachte, durchaus spaige Comicverfilmung, die als Film gut zu unterhalten vermag.

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