Eigentlich sollte man die Pointe einer Geschichte nicht verraten, sonst ist ja die ganze Spannung weg. Bei "Der Sieg des Odysseus" darf man da aber mal eine Ausnahme machen, und zwar aus zwei Grnden. Erstens, weil der Film so oder so keine Spannung bietet. Zweitens, weil man damit eventuell eine gute Tat vollbringt: Man sollte jede Mglichkeit nutzen, um seinen Mitmenschen das Anschauen dieses Films zu ersparen.

Tatschlich htten die Macher dieser TV-Produktion sich einen Gefallen getan, wenn sie das groe Geheimnis der Geschichte ganz offen zu Markte getragen htten. Der Originaltitel "Odysseus and the Isle of the Mists" ist vor lauter Mysterisitt nichtssagend; das deutsche "Der Sieg des Odysseus" schafft das sogar ganz ohne Mysteriositt. Nein, als waschechter Trittbrettfahrer auf postmodernen Albernheiten htte man einen anderen Titel gebraucht. Etwas wie "Pride and Prejudice and Zombies", etwas wie "Abraham Lincoln: Vampire Hunter" nmlich "Odysseus gegen Dracula Biss zum Ende der Odyssee".

Die klassischen Abenteuer, die Homer einst in der "Odyssee" verewigt hat (und die auch schon oft genug den Weg auf die Leinwand gefunden haben), tauchen hier nur noch als Andeutung auf. Die Flucht aus den Fngen des Zyklopen liegt bereits ein paar Jahre zurck, als der irrfahrende Knig mit seinen Mannen auf vernebelte Gewsser stt. Man erwartet die Sirenen Odysseus lsst sich an den Mast fesseln, seine Gefhrten verstopfen sich die Ohren als geflgelte Monster auftauchen. An den Strand einer Insel gesplt, wird die Truppe von einer Frau empfangen, die Circe heien und Seefahrer in Schweine verwandeln knnte; statt dessen entpuppt sie sich als Persephone, die berraschend aus einem anderen Teil der griechischen Mythologie vorbeischaut.

"I am the God of Hell Fire!"

Der Sieg des Odysseus (Odysseus and the Isle of the Mists), USA 2008
Verleih: Sunfilm Entertainment
Genre: Fantasy
Filmlaufzeit: 87 min
Regie: Terry Ingram
Darsteller: Arnold Vosloo, Steve Bacic, Stefanie von Pfetten
DVD-Start: 10.03.2011
Nicht genug, dass Persephone von Hades, dem Gott der Unterwelt, verfhrt und ins gesellschaftliche Aus gedrngt worden war. Nein, ihr Flirt mit der Dunklen Seite hat sie und den Schwarm geflgelter Bestien auf die Insel verbannt, und nur Odysseus kann sie wieder fortbringen. Die Gtter fnden es dagegen besser, wenn dieser auf dem Eiland aufrumt. Da hilft nur grimmig dreinschauen, edel reden und Heldentaten vollbringen. Der Zuschauer wundert sich inzwischen immer fters, wenn wieder ein Wesenszug der dsteren Viecher auffallende hnlichkeit zum Vampirmythos hat. Fledermausschwingen, Vorliebe fr Blut, ernsthafte Probleme mit Holzpflcken im Herz eigentlich kann das alles noch Zufall sein. Als ein Schwert mit dem kulturell fragwrdigen, aus dem Videospiel "Diablo" entlehnt scheinenden Namen "Hellfire Cross" auftaucht, wird man da schon eher stutzig. Die letzte Szene nutzt statt dem Holzpflock schlielich lieber den Holzhammer, und ein Grieche macht sich mit spitzen Dracula-Eckzhnen in die Dunkelheit davon.

Das ist der Stoff, aus dem die Trash-Trume sind. Odysseus gegen Vampire? Geile Sache! Doch Moment genau, wir drfen dem Publikum ja nicht verraten, um was es hier geht. Spannung und Mystery sind die hehren Ziele, die "Der Sieg des Odysseus" sich auf die Fahne geschrieben hat. Drehbuch und Schauspiel erinnern an einen talentfreien Dreizehnjhrigen, der zuviel Edgar Allen Poe und Tolkien gelesen hat. Und nicht einmal das offensichtlich geringe Budget lie die Filmemacher die Notbremse ziehen. Statt lustig-unbeholfenem Trash ist das alles nur Mll. Ein Schiff, das offensichtlich im Studio steht; als Hauptschauplatz ein Wald, durch den bestimmt schon zahlreiche Live-Rollenspieler gezogen sind; und Monster aus dem Computer, die unbeholfener aussehen als ein Mann in Gummimaske. Die berzeugendste Arbeit liefern noch die Maskenbildner. Experten fr realistische Splatter-Effekte und grausame Wunden mgen im Horror-Genre Knige sein, schlechte Filme knnen sie aber auch nicht retten (nebenbei die fragwrdige FSK12-Freigabe bezieht sich wohl nur darauf, dass Fantasy und Mythen bekanntlich "Kinderkram" sind).

"N, zu unglaubwrdig."

Trotz allem nimmt "Der Sieg des Odysseus" sich selbst so bierernst, als htte man ein verlorenes Kapitel im Nachlass von Homer gefunden. Die Welt muss die Wahrheit ber die Herkunft des Vampyrs erfahren! Interessant ist diese, nun, Theorie jedoch weder fr den ernsthaften Anhnger des Blutsaugerkultes noch fr den "Twillight"-Teenager. Die Enthllung der Pointe ist der einzige Spa, den der Film bietet; ohne sie schon vorher zu kennen, wrde man aber nie auf die Vampir-Verknpfung kommen und sich das Werk gar nicht erst anschauen. Fr feucht-frhliche Trash-Abende ist der Streifen zu lahm, neben ihm werden beide Versionen von "Kampf der Titanen" zu hoher Kunst. Und der Freund griechischer Mythologie wird vermuten, dass Homer im Grabe rotiert.

Der meisterhafte Dichter taucht in "Der Sieg des Odysseus" nmlich ebenfalls auf. In der Rahmenhandlung bringt er gerade seine Erinnerungen zu Papier. Was wir alle nicht wussten: Odysseus und Mannschaft hatten ihn auf ihrer Irrfahrt als Schiffbrchigen eingesammelt und als Chronisten und Pausenclown, kurz: Praktikant, an Bord behalten. Testet der alte Homer vielleicht nur aus, wieviel Seemannsgarn man spinnen kann, bevor das Lgengespinst zusammenbricht? Halb erwartet man, dass der Erzhler eine Action-Szene oder eine Plot-Enthllung mit den Worten "n, zu unglaubwrdig" abbricht. So oder so, man kann sich vorstellen, wie Odysseus seinem Biographen den Befehl gab, nie wieder ein Wort ber diese Angelegenheit zu verlieren. Das Publikum sollte sich anschlieen. Das wird nie wieder erwhnt, okay?

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