campus-web Bewertung: 1/5
   
 

   
 

   
Allein im dsteren Wasser schwimmt ein Mann. Keuchend rudert er theatralisch mit den Armen. Hinter ihm ragen Brste auf. Pltzlich schieen weibliche Beine aus dem Wasser, umklammern den Mann von hinten und ziehen ihn hinab in die Tiefe. Drei Filme lieen sich aus diesem Anfang machen: ein Horrorfilm, ein Porno oder eine Komdie. John DeBellis entscheidet sich bei
Vater wider Willen fr Variante vier: die zufllige Ansammlung von Bildern auf einem runden Datentrger. Ein Regisseur und Schauspieler machen noch lange keinen Film.

Eigentlich sollte Vater wider Willen auf der sicheren Seite sein. DeBellis, seines Zeichens Regisseur und Drehbuchautor, hat in der Bausatzkiste alle Zutaten gefunden: Man nehme eine alltgliche Geschichte um die Behebung einer Mangelsituation. In diesem Fall: Ein Vater (Danny Aiello) liegt im Sterben. Sein letzter Wunsch ist die Zeugung eines Stammhalters durch einen seiner Shne. Bei der Umsetzung stirbt der erste Bruder. Also zieht der dipal gestrte zweite Bruder Jeff (T. R. Knight) aus, um Frauen auszuziehen. Nach Irrungen und Wirrungen mit siamesischen Zwillingen und Handpuppen kommt es zum Happy End: Topf findet Deckelchen und produziert Kindchen. Das klingt nach einer typischen romantischen Komdie. Nur schimmert Schema F, das keinen Kinozuschauer mehr hinter dem PC hervorlockt, zu deutlich hervor.

Tiefschwarzer Humor als Werbegag

Um Vater wider Willen aufzupeppen, musste ein Skandal her. Der Sexuallegastheniker wird flugs zum Priesteramtskandidaten und die romantische Komdie im Werbegag zur "tiefschwarzen Komdie". Blaphemisch soll es sein, dass im Priesterseminar mit Hostien gepokert und der gekreuzigte Christus als Telefonhrer verwendet wird. Um dem titelgebenden Wortspiel mit der Doppeldeutigkeit von "father" alle Ehre zu machen, begibt sich der angehende Priester schnurstracks in den Sndenpfuhl des weiblichen Schoes. Dabei beschleicht den Zuschauer der Eindruck, dass lnger ber den Titel als ber die Handlung nachgedacht wurde. Das fhrt beim Film wider willen zu Widerwillen. Die Kirchenverballhornung ist so unoriginell und harmlos wie ein verheirateter evangelischer Priester. Die Witze sind lter als der Papst. Der Regisseur htte sich besser Dogma angeschaut. Dann wsste er, wie man "schwarzen Religionshumor" buchstabiert. Vater wider Willen traut sich nichts. Wahrscheinlich nicht einmal sich selber.
Vater wider Willen
(The Last Request), USA 2006
Verleih: Sunfilm
Genre: Komdie
Filmlaufzeit: 88 min
Regie: John DeBellis
Darsteller: Danny Aiello, T.R. Knight,
Joe Piscopo
DVD/Blu-Ray-Start: 07.04.2011


Prderie trotz FSK 16

Nach der ersten Viertelstunde verschwindet die vemeintliche Kirchensatire. Fortan geht es auf die "Tour de Date". Nur hat die Suche nach dem Titel so viel gekostet, dass fr verschiedene Settings kein Geld mehr da war. Zielstrebig geht es immer direkt ins Bett. Aber selbst hier kann der Film seine Harmlosigkeit und Prderie nicht ablegen. Auer ein bisschen nackter Haut in Nahaufnahme bieten sich keinerlei Schauwerte. Insofern lsst sich die FSK 16-Freigabe nur dadurch erklren, dass es sich um eine Warnung vor Witzen handelt, bei denen selbst das Publikum aus der Konserve nicht lacht, wie: "Ich hab mich ins Wasser verliebt. Da konnte ich nur noch dran denken, Urologin zu werden." Hinzu kommen demenzgeschwngerte Einflle wie ein Exitus beim Koitus oder Grblut beim sterbenden Vater.

Dumm nur, dass der Regisseur das Seminar zur Komdientheorie verschlafen hat. Gerade die romantische Version funktioniert nur, wenn der Zuschauer eine emotionale Bindung zu einer im Kern ernst zu nehmenden Geschichte aufbaut. Da ist es nicht frderlich, wenn keiner der Hauptfigur die vermeintliche Berufung zum Priester abnimmt. Von Anfang sabbert Jeff mit guppygroen Augen Frauen hinterher und sieht in seinen spieig-gestreiften Pullovern nicht aus wie ein Priester, sondern wie eine schlechte Kopie von Alan aus Two and a half men. Die Versuche, seine Berufung zu verteidigen, sind halbherzig und aufgesetzt. Lapidar verspritzt sein kirchlicher Mentor dazu etwas Weisheit: "Gott hat mit Ihnen anderes vor." Gott vielleicht, Regisseur DeBellis nicht.

Die Hauptfigur als beziehungsgestrter Manuel Neuer

Noch schlimmer ist, dass man sich mit keiner Figur identifizieren kann. Jeff quillt so ber vor Gutmenschentum, dass einem schlecht wird. Dabei ist er letztlich nur ein weiterer triebgeleiteter Beziehungsgestrter. Selbst im Stripclub bekommt die Tnzerin einen allergischen Schock, wenn auch von seinem billigen Parfm. Das Einzige, was in Erinnerung bleibt, ist die hnlichkeit von Schauspieler T. R. Knight mit Manuel Neuer.

Jeffs Eltern sind treffend mit Verachtung zu beschreiben. Die Mutter (Barbara Feldon) verachtet den lebenden Sohn und den sterbenden Vater: "Erst verreckt der Toaster, dann auch noch die Splmaschine, dann dein Vater." Der sterbende Vater verlacht auf penetrante Weise den Tod. So sieht es also aus, wenn Mario Barth alt wird. Irgendwie ist man froh, wenn er endlich ruhig ist.

Regisseur gesucht, Frisbee gefunden

Immerhin dafr sorgt der Regisseur. Unntigerweise lsst er den Toten jedoch sofort wieder auferstehen. Sowieso spielt DeBellis gerne mit Realitt und Traum. Leider kann er diese Ebenen aber nicht mit filmischen Mitteln verbinden. Handwerklich ist der Film dilettantisch. Fr einen Cutter fehlte anscheinend das Geld und der Regisseur ist nach der Nennung seines Namens im Vorspann verloren gegangen. Bereits nach wenigen Minuten wei der Zuschauer, welche Frau passt. Nach 88 Minuten durchschaut auch DeBellis sein Werk. Das Problem: Eigentlich hat unser Paar keinen Kontakt mehr. Also kommt es zu einem der berflle, die immer dann passieren, wenn der Regisseur die Handlungsfden nicht mehr zusammenbekommt. Das Ganze ist so unlogisch, dass der Zuschauer denkt, es wre ein weiterer Traum und aufsthnt, wenn es sich als Realitt entpuppt.

bertnt wird es jedoch wie der ganze Film durch die Tonausste des Komponisten, die klingen, wie er heit: Waddy Wachtel. DeBellis und er sind ein gutes Paar. Statt einem Film gibt es eine Bilderreihung, statt Filmmusik eine Tonreihung, statt Romantik dudelt "O sole mio". "No souffls, grandmas or fish were harmed in the making of this film.", heit es im Abspann immerhin. Zu Recht verzichtet man auf eine Aussage bezglich der Zuschauer. Dafr beweist die DVD gute Eigenschaften als Frisbee.

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