campus-web Bewertung: 1/5
   
 

Fr immer Neuseeland
   
 

Zeit der Vergebung
   
Freitag Abend. Zusammen mit einer guten Freundin und einer groen Packung Eis geht es daran, die ZDF-Verfilmungen von Emilie Richards Romanen zu bewerten. Ich bin auf jegliches Leid und das Schlimmste vorbereitet, auf Schmerz eines spanischen Brgerkriegs, auf ein Verdun. Aber ich hatte nicht ahnen knnen, wie grausam es wirklich wird:

Fr immer Neuseeland Ohne Sinn und Verstand
Die Rahmenhandlung, die den Namen nicht verdient hat, geht ungefhr so: Tina Fielding, die laut Klappentext von Vorschriften noch nie viel gehalten hat, kehrt zum Hotel des Vaters zurck. Dieser ist vor kurzem gestorben und hinterlsst neben ihr zwei Halbgeschwister, fr die Tina sich auch noch zur Ersatzmutter entwickeln soll. Zudem gibt es noch eine Romanze mit "einem sehr attraktiven, aber leider auch sehr aufgebrachter Mann". Doch dieser hat ein dunkles Geheimnis: Er soll seine Frau gettet haben.

Schon die ersten Stze der Hauptdarsteller sind derart hlzern, dass dagegen selbst Pressspan wie VA-Stahl wirkt. Klar ist es immer eine Kunst, Charakter- und Beziehungsentwicklungen eines ganzen Buches innerhalb von eineinhalb Stunden authentisch zu gestalten. Aber mit derart abgegriffenen Phrasen und Gefhlsduseleien kann das nicht funktionieren. Zudem hat man Hauptdarstellerin Sophie Schtt bereits besser spielen sehen. Dass die Handlungsstrnge platt und wenig nachvollziehbar sind, sei nur so eingeworfen. Innerhalb von Sekunden entsteht pltzlich unlogische und reizlose Vertrautheit, dass einem selbst der Appetit auf das Eis vergeht. Statt dessen wird nun eine Weinflasche kandiert, sodass die Schnittfehler auch keine Rolle mehr spielen. Die Hauptdarstellerin wechselt innerhalb von drei Szenen und zehn Filmsekunden zwischen zwei Outfits hin und her? Egal. Selten hat man einen solch schlampig produzierten Fernsehfilm gesehen.
Emilie Richards - Fr immer Neuseeland /
Zeit der Vergebung, D 2010
Verleih: Universum Film
Genre: Romanzen
Filmlaufzeit: ca. 178 min (2 Filme auf einer Disk)
Regie: Michael Keusch
Darsteller: Sophie Schtt, Daniel Morgenroth,
Arlen James, Jana Klinge, Philipp Brenninkmeyer,
Gaby Dohm u. a.


Diese Makel mssen wohl auch den Produzenten aufgefallen sein, denn nur so kann man den massiven Einsatz von triefender Schmonzettenmusik erklren, der all dies verdecken soll. Viel zu laut, viel zu aufdringlich gesellt sich die Beschallung zu den drren Dialogen und der faden Nicht-Handlung. Denn ber weite Strecken passiert schlicht nichts, dafr glnzt das stmperhafte Schnulzenepos mit Bildern der "traumhaften Naturkulisse Neuseelands".

Irgendwann wird dann auch der "Fall" gelst: der Mann hat seine Frau nicht gettet: es war ein Unfall. Tinas junger Halbbruder, , der sich mit der neuen Lage und dem Tod der Eltern nicht abfinden konnte, landet im Krankenhaus, man vertrgt sich, alle sind glcklich. Und der ehemals Mordverdchtige wird dann doch eine Art Vater. Irgendwo gibt es noch eine Nebenhandlung mit Eifersucht, ohne dass die Hintergrnde hierfr wirklich deutlich werden. Die Flasche Wein ist halb geleert. Hoffentlich wird der nchste Film besser.

Zeit der Vergebung
Rache! Schreit die Beschreibung des anderen Epos. Eine erfolgreiche Weinhndlerin kehrt nach Neuseeland zurck um sich zu rchen: An denen, die vor 10 Jahren die Eltern in den Selbstmord getrieben haben. Doch sie trifft hier ihre alte Liebe wieder, einen der Gutsbesitzer, dessen Anwesen sie gekauft hat. Ohne Wissen der Besitzer. Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird.

Ob es an der Handlung mit Wein oder an der geleerten Flasche Wein selbst lag, tatschlich wirkt alles runder. Zwar ist die Musik weiterhin nervttend penetrant, die viel zu langen "traumhaften Bilder" Neuseelands unterbrechen weiterhin die Handlung wie die deutsche Bahn den Bonner Stadtverkehr. Auch hier vermisst man wie im ersten Teil einen Spannungsbogen. Der Film pltschert dahin wie Wasser aus einem verkalkten Wasserhahn. Aus Rache wird ein Gefhl der Hilflosigkeit, dann entsteht Freundschaft, alte Zuneigung flammt neu auf. Es kommt noch eine Prise Freundschaft zwischen Arbeitgeber und -nehmer hinzu, und am Ende wird deutlich, dass doch nicht alles so einfach ist, wie es anfangs schien, und es gibt eine etwas berraschende Wendung (!)

Insgesamt ist alles ein stroboskopisches Gefhlsgewurschtel. Es ist eine ellenlange drre Telenovela. Aber wenigstens berzeugen die Schauspieler mehr als noch im ersten Film. Und nach drei Stunden ist man einfach froh, den Fernseher ausmachen zu drfen.

Zielpublikum: Weibliche Hausfrauen mit Kindern ab 43 Jahren, sofern diese Interesse an seichtester Unterhaltung mit bombastisch bertriebener Musik und netten Bildern Neuseelands haben. Und die es nicht strt, dass nahezu alle Schauspieler neben platten Dialogen auch seltsam gertete Augen haben. Wahrscheinlich mussten auch sie heulen angesichts dieser Filme.

Artikel drucken