Der Profiler ein geheimnisumwitterter Berufszweig. So mancher Mensch kann sich nicht erklren, wie ein Kriminalpsychologe es schaffen kann, sich in den Verstand des Tters einzuarbeiten. "Akte X"-Schpfer Chris Carter war vom "Profiling" sogar so beeindruckt, dass er nicht nur seinem UFO-Jger Fox Mulder diese Fhigkeit in den Lebenslauf schrieb, sondern mit "Millennium" gleich noch eine Show um einen Serienmrder-Jger hinterherschickte.

Die britische Serie "Hautnah Die Methode Hill" schliet sich an den Themenbereich an, verzichtet aber weitgehend auf bernatrliches. Die fnfte Staffel spielt in der Folge "Die Macht des Schreckens" zwar ein wenig mit Voodoo-Magie, der rationale Held kann das Ganze aber zufriedenstellend auf den Boden der Tatsachen zurckholen. berhaupt kann dieser Profiler so einiges. Kein Wunder, dass die Polizeiabteilung um DCI Alex Fielding ihn fters zu Rate zieht: Ohne ihn wre sie ganz schn aufgeschmissen.

Der Name des psychologischen Meisters ist Tony Hill, und er ist nicht nur aus dem Fernsehen, sondern ursprnglich auch aus den Romanen von Val McDermid bekannt. Hill lsst kriminelle Jugendliche sich an seiner Schulter ausweinen, denen Gefngniswrter nur mit Prgel beikommen knnen; er vermittelt Psychologie-Studenten Lektionen zum Thema "Psychologie ist Macht". Fr Chefinspektor Fielding berwacht er Verhre, analysiert Tatort-Fotos und findet ganz nebenbei stets die entscheidenden Details, die den Fall lsen. Auerdem albert er als Last-Minute-Babysitter ganz vorbildlich mit Fieldings Sohn herum und sitzt abends einsam in seiner Wohnung. Eine Familie habe er nicht, da er die dafr notwendige Partnerin nicht habe, offenbart er dem Jungen. Er sei einfach zu seltsam, als dass es jemand mit ihm aushielte.

Hautnah Die Methode Hill: Staffel 5, GB 2007
Verleih: Edel Motion
Genre: Krimi
Filmlaufzeit: 334 Minuten (4 DVDs)
Darsteller: Robson Green, Simone Lahbib
DVD-Start: 27.08.2010
Schwchen muss halt jeder haben, und die verschrobene Einsamkeit steht Hill ganz gut. Selbstgesprche ber den aktuellen Fall sind an der Tagesordnung, so kann man sich besser in die kriminelle Psyche versetzen. Ob ein entfhrtes Kind gefunden oder eine Ritual-behaftete Mordserie aufgeklrt, ob ein Vergewaltiger und Mrder berfhrt oder ein Senioren-Killer dingfest gemacht werden muss Hill schnappt sie alle. Fieldings Kompetenz kommt da manchmal schon ein wenig kurz, auch wenn sie eigentlich die Chefermittlerin ist. Ihre Gehilfen, Paula MacIntyre und Ashley Vernon, verkommen sogar noch schneller zur Staffage. Dass Vernon sich im Subplot in MacIntyre verguckt zu haben scheint, ist das nur konsequent. Er hat ja nichts anderes zu tun. Doch egal, wieviel Zeit jeder auf dem Bildschirm bekommt: Richtig warm wird man mit keinem der Ermittler. Hill als offensichtlicher Held ist noch der sympathischste, zu Besuch mchte man ihn aber genau so wenig haben wie die restliche Kripo.

Dieser Eindruck kann aber teilweise auch durch den Stil der Serie entstehen. Kalt, mit der berhmten "authentischen" Wackel-Kamera gefilmt, unruhige Schnitte und ungemtliche Perspektiven (zum Beispiel hinter der Topfpflanze auf dem Revier versteckt). Dieses England ist ein brutaler, gefhrlicher Ort. Als Polizist hat man da nicht viel zu lachen. Wenn die Kindesentfhrung dann den "Amber Alert" auslst und alle Verkehrstafeln und TV-Videoleinwnde die Bevlkerung informieren, erkennt man das England des CCTV, der totalen berwachung im Namen der Sicherheit. Wer lieber gemtliche Ermittlungen mit kumpelhaften Inspektoren sieht, sollte daher um "Hautnah Die Methode Hill" einen weiten Bogen machen. Richtig liegt dagegen der, der Realismus sucht und gerne Hrte und Klte findet. Nicht umsonst zitiert die Folge "Die Spur ins Nichts" den amerikanischen Anti-Terror-Smash-Hit "24" dadurch, dass eine eingeblendete Digitaluhr den Wettlauf gegen die Zeit sichtbar macht. Wer mit der modernen Welt nicht klar kommt, sollte sich lieber wie Inspektor Sam Tyler aus "Life On Mars" in den guten alten Siebzigern einnisten.

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