Die Geschichte ist im Musikgeschft legendr so versichern es direkt zu Beginn zahlreiche Knstler der Gegenwart. 1971 befinden sich The Rolling Stones auf dem Hhepunkt ihres Ruhms, Geld haben sie allerdings keins. Bruchten sie aber: Der britische Staat htte gerne die Steuern nachgezahlt, um die sich der Stones-Manager nie gekmmert hat. Da bleibt nur die Flucht nach Frankreich. Im Exil entsteht mit Exile On Main St. dann eine Platte, die heute als Meisterwerk gehandelt wird. 28 Jahre nach Erscheinen des Albums blicken die Stones auf diese spezielle Phase ihre Lebens zurck. Einerseits mit einer Neuauflage des Albums, die um zehn bisher unverffentlichte Aufnahmen bereichert wurde. Andererseits mit der Dokumentation Stones In Exile, die versucht, Lebensgefhl und Legende der Exilphase nachvollziehbar zu machen.

Der eigentliche Film hat zielich exakt 60 Minuten Spieldauer und wirkt ein wenig, als wre er als TV-Special konzipiert worden. Wie bereits erwhnt steigt der Film mit den Meinungen von Menschen ein, die ein heutiges Publikum vielleicht eher ansprechen als die gealterten Rock-Titanen. So geben zum Beispiel Jack White, Sheryl Crow und der Genre-fremde Will.i.am kurze Statements zur Bedeutung von Exile On Main St.. Oder sie fassen zusammen, an welche Teile der Entstehungsgeschichte sie sich aus dem Stehgreif erinnern. Das entspricht dem heutigen Fernseh-Standard, und mit Promis fngt man das Publikum natrlich schneller ein als mit Fakten. Wenn man sich aber als DVD-Kufer gezielt fr die Stones interessiert, bieten die Gastauftritte absolut keinen Mehrwert. Allenfalls Zeitgenosse Martin Scorsese scheint wirklich zu wissen, wie das damals mit den Stones war.

Viele Bilder, wenig Spannung

Ein animierter Zeitstrahl fasst den Aufstieg der Band zusammen, und auch danach geht es chronologisch weiter. Anhand von Filmmaterial und zahlreichen Fotos (die teilweise mehrfach verwendet werden, damits nach mehr aussieht) folgt man Mick Jagger, Keith Richards und Kollegen von England nach Sdfrankreich. Neben den Bandmitgliedern kommen auch ein paar Weggefhrten zu Wort. Man erfhrt, das die Flucht aus England eigentlich das sichere Karriere-Aus bedeutete, und man sieht zu, wie Richards sdfranzsische Villa zu einem dekadenten Aufnahmestudio umgewandelt wird. Jaggers kurzfristig angesetzte Hochzeit in Paris wird durch gengend Bildmaterial prsentiert.
Stones In Exile, USA 2010
Verleih: Edel
Genre: Dokumentation
Filmlaufzeit: 89 Minuten
Regie: Stephen Kijak
DVD-Start: 18.06.2010


Allerdings fehlt oft die Tiefe. Ein Zeitzeuge, der im Alter von acht Jahren auf der sdfranzsischen Veranda sa und die Joints fr die Band gerollt hat, spricht omins von heraufziehender Dunkelheit. Das soll vermutlich Spannung wecken, viel passiert aber nicht. Ein paar harmlos wirkende Anekdoten, dann Gerchte, dass die franzsische Polizei dem Treiben ein Ende setzen will aber nichts passiert. Die Band hat sich bereits nach Los Angeles abgesetzt, zur Main Street. Hier wird das Album abgemischt, hier finden Photosessions frs Plattencover statt. Ein wenig wirkt das bereits wie ein Epilog, genau wie das Kapitel zu Erscheinen und Rezeption der Platte.

Guter Einblick, wenig Tiefgang

Die Dokumentation bietet insgesamt ein paar schne Einblicke in das Exil der Stones. Kleine Details wie die Beschaffung von englischen Nahrungsmitteln oder das Desinteresse der franzsischen Landbevlkerung bieten gute Unterhaltung. Szenen, in denen Mick Jagger und Charlie Watts in der Gegenwart die alten Studios nochmal besuchen, stehen dagegen etwas zusammenhangslos dar. Die Sequenzen kann man im Bonusmaterial komplett ansehen, genau wie lngere Interviews mit den Zeitzeugen und ein Special, in dem die heutigen Knstler noch umfangreicher ber das Meisterwerk reden drfen.

Fans und Musikinteressierte werden den meisten Spa aber eindeutig am Foto- und Filmmaterial im Hauptfilm haben. Hier fllt die stndige Mehrfachverwendung von Bildausschnitten sowie die unruhige, flackernde MTV-Optik negativ ins Gewicht. Und auch wenn man am Ende einen guten Einblick in Leben und Wirken der Rolling Stones bekommen hat, bleibt doch das Gefhl, dass man besser eine Kino-Dokumentation mit mehr Tiefgang produziert oder das Werk doch lieber als Bonus zur CD-Neuauflage beigelegt htte.

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