Es ist WM-Jahr, und in Zeiten wie diesen steigt das Interesse am Fuball wieder deutlich an. Spezialsendungen ber einen gewissen Knchel im Anschluss an die Hauptnachrichten sind der Beweis. Doch glcklicherweise ist Fuball viel mehr als Jogi und seine Brokaufmnner. Wenige Wochen vor dem ersten Pfiff in Sdafrika erinnert daran das Magazin 11 Freunde mit einer zweiten Auslese von Filmen ber die Leidenschaft fr das runde Leder.

Im 2008 erschienenen ersten Schuber hatten die Fachleute des Blatts fr Fuballkultur exakt elf Titel zusammengestellt, in der Neuen sind es derer sechs. Das Thema reizt zu Analogien, weswegen es naheliegt, die neue Zusammenstellung eher als "Auswechselspieler" zu sehen. Bestrkt wird der Verdacht durch den Umstand, dass die vermeintlich bekanntesten Filme des Genres schon in der "ersten Elf" vertreten waren: Football Factory, Dokus ber Zidane, Netzer und Best sowie das schwarz-rot-geile Sommermrchen sollen als Beispiele gengen.

Doch wer ein wenig in der Fuballhistorie grbt, wird schnell herausfinden, dass viele der groen Momente auf dem grnen Rasen von Spielern geschaffen wurden, die zuerst auf der Bank Platz nehmen mussten. Solskjaer 1999, Ricken 1997, Bierhoff 1996, Netzer 1973 Namen und Daten reichen dem Connaisseur, um sich zu erinnern. Auch die sechs Filme der zweiten 11 Freunde Edition haben wenigstens zum Teil das Zeug fr bewegende Momente zu sorgen.

11 Freunde Edition, Vol. 2
6 Fuballklassiker
Verleih: Kinowelt
Genre: Doku/Spielfilm
Filmlaufzeit: ca. 564 min (6 DVDs)
DVD-V: 20.05.2010


Die sechs Filme der Edition

Awaydays ist ein weiterer Spielfilm ber Hooligans in Grobritannien. Statt der Cockneys aus "Football Factory" bekommt man es hier mit Scousern zu tun und der Plot ist in den Frhling des Thatcherismus verlegt. Der Film dreht sich um Post-Punk, die richtigen Schuhe/Jacken fr eine znftige Klopperei und weitere Accessoires der Adoleszenz im Endstadium.

Die besten Frauen der Welt ist das weibliche Gegenstck zum Sommermrchen. Wichtigster Unterschied: Am Ende wird der Titel tatschlich eingesackt. Denn der Film begleitet die deutsche Nationalmannschaft der Frauen durch das WM-Turnier in China 2007. Gab es im Sommermrchen noch Kirchensoul von DJ Asamoah, darf man sich hier ber Tanzeinlagen zu Kirmestechno von Fatmire Bajramaj freuen. Alles in allem hinterlassen die Mdels hier einen netteren, frhlicheren und auch "echteren" Eindruck als der Capitano und seine Geschftspartner.

Ebenfalls um Frauen und ihre Liebe zum Fuball geht es im zweiten Spielfilm der Box. In Offside versuchen verschiedene Frauen in ein Fuballstadion zu gelangen. Problem dabei: Es ist das Nationalstadion in Teheran. Ihre Methoden, das Verbot zu umgehen und was passiert wenn sie erwischt werden, darf vor allem als Anklage an die herrschenden Verhltnisse in Iran verstanden werden. Dennoch hat der Film auch seine komischen Momente.

Und auchSpiel der Gtter beleuchtet Beschwernisse, die Menschen auf sich nehmen, um ihrer Fuballleidenschaft zu frhnen. Handlungsort: Ein buddhistisches Kloster im indischen Exil. Hier riskieren junge Mnche viel rger, um die Spiele der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich im Fernsehen verfolgen zu knnen. Der Abt hat keine Ahnung von diesem "Nationenkampf um einen Ball", doch auch er lsst sich bald auf die Faszination ein, die von Ronaldo und Zidane ausgeht.

Abgerundet wird die Edition von zwei Dokumentationen recht unterschiedlicher Art. Referees at Work wirkt eher offizis, was an der Alimentierung durch die UEFA liegen drfte. Trotz dessen kann der Film ber die Schiedsrichter der EM 2008 mit unterhaltsamen und spannenden Momenten sowie einigen Sympathietrgern aufwarten. Das filmische Denkmal des Regisseurs Emir Kusturica fr den Fuball-Messias schlechthin, Maradona by Kusturica, hingegen zeigt den ganzen Wahnsinn der Existenz des "Pibe de Oro": Ein Mann zwischen Fett- und Kokainsucht, Freundschaften zu den sozialistischen Staatsfhrern Sdamerikas und Anti-Bush-Tiraden, seine Herkunft aus dem Barrio und die Vergtterung in seiner eigenen Kirche und "seiner" Stadt Neapel. Man muss es gesehen haben, um es fassen zu knnen.

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