campus-web Bewertung: 4/5
   
 

   
 

   
Es ist schon ziemlich bedrckend, was der charismatische Regisseur und Protagonist seines Films Werner Boote da in zehn Jahren Recherche und Dreharbeit zusammengetragen hat. Geldgierige Konzerne, die sich weigern ihre Produkte verbraucherfreundlich herzustellen, bettelarme Menschen, die in den riesigen Mhllandschaften Indiens den Plastikmll zum Recyceln aufsammeln, verdreckte Landstriche und verunreinigte Ozeane. Dabei war der Grovater von Boote selbst ein wichtiger Pionier auf dem Gebiet der Plastikproduktion. Angetrieben von dieser Familienvergangenheit versucht der Regisseur dem weltweitem Phnomen Plastik auf den Grund zu gehen.

Dabei zeigt er sich keineswegs als strikter Plastikgegner. Im Gegenteil oftmals ist es sehr amsant ihm dabei zuzuschauen, wie er an den unterschiedlichsten Plastikprodukten schnuppert, sie befhlt und sich begeistert zeigt. Doch diese Begeisterung verfliegt schnell, wenn Boote fhrende Konzernchefs nach den gesundheitlichen Risiken ihrer Produkte fragt, oder wenn er von diesen zum Gehen aufgefordert wird, zeigt er sich zu neugierig innerhalb eines Chemiewerks.

Seine Reise fhrt ihn an viele Flecken der Welt. Man sieht eindrucksvolle Bilder aus sterreich, China, Indien, bekommt Eindrcke von einem Forscherboot im Pazifik und einem anderem in einem englischem Industriefluss, verfolgt Suberungsaktionen einer japanischen Kleininsel, welche jhrlich von aus dem Meer angeschwommenem Plastikmll verdreckt wird. Dazwischen uern sich immer wieder interessante Persnlichkeiten aus den unterschiedlichsten Bereichen. Die Liste der Interviewpartner ist lang aber auch sehr vielseitig. Ob der ehemalige Prsident von "PlasticEurope", ein japanischer Knstler, der Plastikskulpturen herstellt, ein Pharmakologe oder die Vizeprsidentin der europischen Kommission sie alle kommen zu Wort und helfen dabei ein sehr objektives Bild zu bekommen.
Plastic Planet
sterreich/Deutschland 2009

Verleih: farbfilm
Genre: Dokumentation
Filmlaufzeit: 95 min
Regie: Werner Boote
Kinostart: 25.02.2010


Die angesprochenen Probleme sind zahlreich. Nicht nur die mehr oder weniger offensichtliche Verdreckung unseres Planeten durch das sich nur sehr langsam zersetzende Plastik, sondern auch die Problematik der Inhaltsstoffe unserer Lebensmittelverpackung werden thematisiert. Die meisten Hersteller wissen dem Film nach gar nicht, was genau in ihren Produktverpackungen enthalten ist, da die Verpackungshersteller die Produktionsweise geheim halten. Boote legt unzhlige, unabhngige Forschungsberichte vor, die nachweisen, dass in unseren Krpern zahlreiche Spuren von Plastikinhaltsstoffen nachzuweisen sind. Die gesundheitlichen Folgen daraus sind alles andere als rosig.

Trotz der ernsten Inhalte ist der Film nicht anstrengend, sondern sorgt mit eingestreuten Cartoons oder schnen Schnitten fr gute Unterhaltung. Wer jetzt befrchtet, Plastic Planet sei ein weiterer Michael-Moore-Verschnitt, der darf beruhigt sein, denn Werner Boote distanziert sich ausdrcklich von der propagandistischen Herangehensweise seines amerikanischen Kollegen.

Und so kann man den Dokumentarfilm nur wrmstens empfehlen, denn selten gelingt es einem Regisseur, ein so wichtiges, ernstes und beunruhigendes Thema so unterhaltsam, spannend und vor allem glaubwrdig auf die Leinwand zu bringen.

Mehr Infos und der Trailer auf der offiziellen Homepage

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