campus-web Bewertung: 4/5
   
 

Helen und Mathilda
   
 

Helens Familie fhlt sich hilflos
   
Helen (Ashley Judd, De-Lovely, Mnnerzirkus) hat alles, was man fr ein durch und durch zufriedenes Leben braucht. Sie ist glcklich verheiratet, liebt ihre Tochter (Alexia Fast, Fido) und ber Geld muss sich die Musikprofessorin auch keine Sorgen machen. Aber trotzdem macht ihr Leben an einem Punkt halt und kehrt sich ins Negative. Helen erkrankt an schweren Depressionen und landet schlielich nach einem Suizidversuch in einer psychiatrischen Klinik. Whrend Mann (Goran Visnjic, Elektra, Emergency Room) und Tochter hilflos sind, findet eine ehemalige Studentin von Helen, Mathilda (Lauren Lee Smith, Der letzte Kuss), die hnliches durchmacht, langsam Zugang zu ihr.

Depression wird nach Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems als die verbreitetste Krankheit weltweit angesehen. Allein in Deutschland sind ca. 4 Millionen Menschen an Depression erkrankt weit ber die Hlfte sind Frauen. Regisseurin und Drehbuchautorin Sandra Nettelbeck (Bella Martha) gelingt es, sensibel klar zu machen, dass die Grenzen zwischen gesund und krank oft flieend sind. Sie widmet den Film ihrer besten Freundin aus Kindertagen, welche sich 1995 das Leben nahm. Man merkt, dass der Filmstoff Nettelbeck besonders am Herzen liegt. Helen ist kein "Wie bekmpfe ich erfolgreich meine Depression" -Film, sondern vielmehr eine Charakterstudie, die sich intensiv mit seinen Protagonisten beschftigt.

Den Zuschauer erwarten keine schockierenden Hysterie-Szenen mit Schaum vor den Lippen und Schtteltrauma. Es war Nettelbeck sehr wichtig, nicht den Patienten sondern den Menschen hinter der Krankheit darzustellen. So wird auch klar, dass Helens Schwermut und Traurigkeit zumindest im Kleinen jeder selbst aus eigener Erfahrung kennt. Anfangs erscheint alles in ihrem Leben perfekt, doch dann beginnt der Krankheitsverlauf. Der Film zeigt eindrucksvoll alle Phasen einer Depression: Traurigkeit, Verlust von Interesse und Freude, verminderter Antrieb und Mdigkeit, Verlust von Selbstvertrauen und Selbstwertgefhl, unbegrndete Selbstvorwrfe, Denk- und Konzentrationsstrungen, Schlafstrungen, Appetitlosigkeit, Schmerzen, Verspannungen, Schwindel, Erschpfung, Gedanken an den Tod.
Helen, USA 2009

Verleih: Warner Bros
Genre: Drama
Filmlaufzeit: 119 min
Regie: Sandra Nettelbeck
Darsteller: Ashley Judd, Goran Visnjic, Lauren Lee Smith, Alexia Fast, Alberta Watson, David Nykl, David Hewlett, Leah Cairns, Ali Liebert
Kinostart: 26.11.2009
Helen-Darstellerin Ashley Judd zeigt sich in einer der besten Rollen ihrer Laufbahn. Sehr glaubwrdig und zerbrechlich lsst sie den Zuschauer ganz nah heran an ihre Emotionen. Es gibt immer wieder Einstellungen, in denen Helen weint, schreit, sich verletzt das ist bitter und zieht den Kinozuschauer tief in die negative, destruktive Stimmung, in der sich Helen befindet.

Der Film zeigt aber auch das Leid der Angehrigen, die sich damit abfinden mssen, dass sie dem geliebten Menschen nicht helfen, ihn nicht mit eigener Kraft vom Abgrund fernhalten knnen, denn die momentane Welt der Erkrankten dreht sich nur um ihre eigene Befindlichkeit. So zieht sich auch Helen immer weiter zurck. Die Krankheit isoliert sie. Aber auf ihrem Weg zum Abgrund trifft sie Mathilda. Ihr gegenber muss sich Helen nicht erklren, denn Mathilda "versteht" sie. Sie durchlebt dieselbe Krankheit, wenn auch in einem deutlich fortgeschritteneren Stadium. Sensibel und zurckgenommen zeigt der Film die Annherung der beiden Frauen, immer mit der Gewissheit, dass der endgltige Fall ins Dunkel jederzeit eintreffen kann.

Helen ist ein sehr ruhiger Film und erwartet man eine "Phnix aus der Asche" Geschichte, ist man vielleicht enttuscht. Es gibt lange keine Entwicklung, stattdessen viele Rckschlge, - aber so ist das bei einer Depression. Der Zuschauer erlebt kaum Momente der Erleichterung und erst auch kein Gefhl der "Besserung". Aber genau das sind gleichzeitig Grnde, diesen Film anzuschauen. Fernab von jeglichem Hollywood-Kitsch und Happy-Ending-Quatsch wird realistisch und beklemmend ein Thema angesprochen, welches heutzutage immer noch viel zu selten angepackt wird. Psychische Erkrankungen stigmatisieren die Betroffenen und die Gesellschaft ist froh, wenn sie die Erkrankten ganz weit weg schieben kann, dabei ist es fr viele von uns oft nur ein Schritt bis zum Abgrund



Am 17. November erlebte Helen seine feierliche NRW-Premiere in Kln. campus-web war fr euch dabei. Hier gehts zum Premierenbericht.

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