Bild: Moritz Hellfritzsch
   
 

Jahrgang 45 (Bild: DEFA-Stiftung/Roland Grf)
   
"Die Erinnerung an die DEFA, [...] und ihre Filmgeschichten ist durchaus treffend mit der Symbolik eines Januskopfes zu fassen und zu deuten. [] Die Geschichte einer deutschen Filmgesellschaft als Substrat von Jahrhunderthoffnungen und Irrtmern des Jahrhunderts" (Fred Gehler, Festrede "60 Jahre DEFA" am 17.05.2006).

Die DEFA, kurz Deutsche Film AG, wurde am 17. Mai 1946 als deutsch-sowjetische AG gegrndet. Sie war das volkseigene Filmstudio der DDR mit Sitz in Potsdam-Babelsberg. Insgesamt drehte die DEFA ca. 950 Spielfilme, 5800 Dokumentarfilme und Wochenschauen, 820 Animationsfilme und 4000 deutschsprachige Synchronisationen auslndischer Filme. Von Beginn an nahm die DEFA eine widersprchliche Position in der DDR ein. Zum einen hatte sie ein staatliches Monopol und wurde durch die SED kontrolliert. Aufwndige Filmproduktionen sollten zur Volkserziehung genutzt werden. Dabei kontrollierte die SED, was produziert wurde. Andererseits lag das Bestreben der DEFA darin, das Publikum in die Kinos zu locken. Dadurch entstand der Zwiespalt zwischen der Aufgabe des Films und der Umsetzung.

Mit zunehmender Darstellung alltglicher Probleme unter Bercksichtigung von Thematiken wie Heuchelei, Anpassung und Kritik, wollten die DEFA-Regisseure das Publikum verstrkt fr das Kino gewinnen. Ziel war es, dem Publikum Identifikationspotenzial zu bieten. Den SED-Politikern missfiel dieser Trend der alltagsnahen Darstellung. In dieser kreativen Zeit entstand unter anderem der Film Jahrgang 45 von Jrgen Bttcher in der Gruppe "Roter Kreis". Es existierten viele dieser Gruppen, die knstlerisch und wirtschaftlich mehr oder weniger selbststndig agierten. Die erhhte Kreativitt und Produktivitt wurde als Aufbruchstimmung empfunden. Als Reaktion auf diese in den Augen der SED-Funktionre bestehende Gefahr folgte vom 15. bis 18. Dezember 1965 das 11. Plenum des Zentralkomitees der SED das Kahlschlagplenum: "Wir stimmen jenen zu, die feststellen, dass die Ursachen fr diese Erscheinungen der Unmoral und einer dem Sozialismus fremden Lebensweise auch in einigen Filmen, Fernsehsendungen, Theaterstcken, literarischen Arbeiten und in Zeitschriften bei uns zu sehen sind [...]. In einigen whrend der letzten Monate bei der DEFA produzierten Filmen- Das Kaninchen bin ich und Denk blo nicht, ich heule zeigen sich dem Sozialismus fremde, schdliche Tendenzen und Auffassungen."

Die als Wirtschaftsplenum geplante Tagung wurde zu einem Kulturplenum umgemnzt, das einschneidende Konsequenzen fr das kulturpolitische Klima der DDR bedeutete. Im Laufe dieses Plenums, das spter als "Kahlschlag" bezeichnet wurde, kam es zum Verbot mehrerer Werke und Filme und herber Kritik an vielen Schriftstellern und Regisseuren. Es wurde der Standpunkt vertreten, dass sich die Filme fr den Werteverfall der Jugend verantwortlich zeichneten. Es folgten Entlassungen von DEFA-Regisseuren und alle Produktionen wurden genauestens berprft. Eine ganze Generation von Filmschaffenden wurde an ihrer Arbeit gehindert. Zwlf Filme wurden als Folge des Plenums verboten, begrndet mit dem Vorwurf, "eine dem Sozialismus fremde Lebensweise" abzubilden. Auch der Film Jahrgang 45 fiel dem Kahlschlag zum Opfer. Kritikpunkte an diesem Film waren westliche Impulse, die Darstellung des Generationskonfliktes sowie die ausgeprgte Individualitt.

Nach der Wende wurden die verbotenen Filme aus ihrem Keller-Dasein befreit. Auch Jahrgang 45 wurde im Februar 1990 uraufgefhrt. Daneben bekamen auch die brigen Keller- oder Regalfilme erst eine spte Ehrung in Form ihrer Urauffhrung nach der Wende. In seinem Buch "Kahlschlag" aus dem Jahr 1991 beschftigt sich der Berliner Filmhistoriker Gnter Agde mit dem 11. Plenum. Er bezieht sich dabei auch auf die Werbung fr die alten DDR-Filme.

Wer mehr wissen mchte ber die verbotenen Filme und die DEFA, kann sich auf den Seiten der DEFA-Stiftung informieren.

Hier findet ihr einen Einblick in Jahrgang 45.



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