campus-web Bewertung: 4/5
   
 

   
 

   
In Zeiten des "Making ofs" und jeder Menge DVD-Bonusmaterial knnte man meinen, die Filmwelt genauer zu kennen, hinter ihre Kulissen zu blicken und alles zu verstehen. Dabei sind diese Beitrge doch auch nur "gemachte" Filme - nur das Beste wird gezeigt, alle verstehen sich blenden, die Zusammenarbeit war wunderbar. Filme wie Billy Wilders Klassiker "Sunset Boulevard" oder Francois Truffauts "Die amerikanische Nacht" zeigten schon die Schattenseiten der Filmindustrie und das unglamourse Treiben am Set. Erstaunlicherweise beschftigt Deutschlands Ausnahmeregisseur Andreas Dresen ("Sommer vorm Balkon", "Wolke 9") sich nun mit diesem Thema - erstaunlich deshalb, weil er sich bislang eher den Sorgen und Nten "normaler Leute" widmete, berflssigem Glamour offenbar lieber fernblieb. In "Whisky mit Wodka" scharrt er ein wunderbares Schauspielerensemble um sich, das mit viel Spielfreude die kleinen und groen Machtkmpfe, Eiferschteleien und Eitelkeiten am Set persifliert:

Otto Kullberg (Henry Hbchen) ist ein erfolgreicher Schauspieler, gerade noch in seinen "besten Jahren". Seine groe Schwche - Frauen und Alkohol. Ein paar Jahre zuvor platzte deshalb eine ganze Produktion. Als er nun erneut einen Aussetzer am Set hat, geht der Produzent auf Nummer sicher: ein zweiter, jngerer Schauspieler (Markus Herig) wird engagiert. Ab sofort werden alle Szenen zweimal gedreht und niemand wei, wer am Ende der Hauptdarsteller sein wird.

Arno Runge sieht seine groe Chance. Schnell weicht die Bewunderung fr den lteren Schauspielkollegen dem Ehrgeiz und dem Neid, der Arno auch zu unlauteren Mitteln greifen lt. Whrend man sich anfangs noch um Kollegialitt bemht, trgt man den Konkurrenzkampf bald offen aus. Immer zwischen den Fronten: Regisseur Martin Telleck (Sylvester Groth) und die Hauptdarstellerinnen Bettina Moll (Corinna Harfouch) und Heike Marten (Valery Tscheplanowa). Vor allem die Frauen mssen immer wieder als Trostpflaster fr gekrnkte Mnnlichkeit und verletzten Stolz herhalten. Bald vermischen sich in diesem bunten Reigen aus Eifersucht, Liebe, Hass und Ruhmsucht Film und Wirklichkeit, die Rollen werden auch nach Drehschluss weitergespielt. Wer behlt da noch den berblick? Wer kann noch echte und gespielte Gefhle unterscheiden?

Whisky mit Wodka, D 2009
Verleih: Senator
Genre: Komdie
Filmlaufzeit: 104 min
Regie: Andreas Dresen
Drehbuch: Wolfgan Kohlhaase
Darsteller: Henry Hbchen, Corinna Harfouch,
Sylvester Groth, Markus Hering, Valery
Tscheplanowa, Peter Kurt
Kinostart: 03.09.2009


"Whisky mit Wodka" ist nach "Sommer vorm Balkon" bereits die zweite Zusammenarbeit von Regisseur Andreas Dresen und Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase. Die Chemie zwischen den beiden stimmt offensichtlich. Dresen inszeniert dieses so glamours scheinende Thema ganz uneitel, warmherzig und liebevoll. Der Regisseur konzentriert sich wieder ganz auf seine Figuren und deren Darsteller. Nicht zuletzt der groartigen Schauspielriege ist es zu verdanken, dass "Whisky mit Wodka" so leichtfig daher kommt. Henry Hbchen nimmt sich selbst als der "deutsche Mastroianni" auf die Schippe, Corinna Harfouch gibt die alternde und doch zeitlose Diva, die alle Fden in der Hand hlt und Valery Tscheplanowa spielt berzeugend die schne Nachwuchsschauspielerin - unschuldig und intrigant zugleich. Markus Herig, dem die undankbare "zweite Geige" zukommmt, agiert immer so, dass man sich zwischen Mitleid und Abscheu nicht entscheiden kann und Sylvester Groth berzeugt als ewig gestrete Regisseur, der seine Crew bei Laune halten muss.

Ein Groteil des Films entstand auf der Insel Rgen, doch Dresen verfllt nicht der Versuchung, dieser malerischen Kulisse zu viel Raum zu geben. Viel zu sehr interessiert er sich fr seine Figuren und ihre Geschichten. Darin liegt die Strke von "Whisky mit Wodka" - die kleinen Episoden hinter den Eitelkeiten, die nach und nach entlarvt werden, die Schauspieler zu Menschen werden lassen, ihre Rollen zu Erfahrungen. Whisky mit Wodka sollte man nicht mischen - das gibt Kopfschmerzen. Wenn Film und Realitt sich vermischen, kann das eben solche Folgen haben - sie sind nur deutlich unterhaltsamer.

Unser Bericht von der Klnpremiere

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