Ein kritischer Kommentar von Manuel Kessel.

Das haut einen glatt aus den Socken. Die Biographie mit dem innovativen, kreativen und eloquent durch subtile Untertne verzierten Titel Bushido wird nun von zwei renommierten Fachidioten auf die Leinwand gebracht.

Eichinger: "Uli und ich wollten einen Film machen wie Bushidos Musik: authentisch, provokant und radikal."

Bekreuzigen wir uns und hoffen, dass sie dieses Vorhaben aufgeben, denn wer hat Lust den Deutsch-Tuneser im Kino zu sehen? Wahrscheinlich jene, die Hip-Hop hren, weil er gerade so schrecklich populr ist. Es mag ja Leute geben, die noch nie von Bushido gehrt haben, doch das wird sich in unausweichlicher Wahrscheinlichkeit bald gendert haben. Groproduzent Bernd Eichinger, der fr solide Unterhaltung wie Der bewegte Mann und Voll Normaaal steht, begibt sich zusammen mit Uli Edel (Der Baader Meinhof Komplex) in die tiefsten und dunkelsten Abgrnde der Kommerzhlle.

Bushido, der Anfang dieses Jahrzehnts mit dem Plattenlabel Aggro Berlin fr die popkulturellen Ohren hrbar wurde, verkaufte 1,5 Millionen Tontrger, alle randvoll mit prolligen Gangsta-Rap, den man anfangs vielleicht ganz witzig finden mag, jedoch im spteren Verlauf seiner Karriere zu verachten beginnt. Der erfolgreichste Rapper Deutschlands war zwar schon zu Zeiten der Ansage-Alben nicht besonders gut, doch hatte er wenigstens den Status eines Underground-Rappers inne.

In einem lteren Bericht der ARD gibt ein gutgelaunter Aggro-Fan folgendes von sich: "Warum ich Aggro-Fan bin? Alter, weil ich will nicht mit so ner populren Scheie abgehn, oder so, ne? Ich glaub auch ganz ernst so, das ist Musik, das ist mal die ist aktiv, Alter ich kann darauf voll abgehn." - Darum ging es den Hip-Hoppern, um die Abwendung von der populren Scheie. Doch was ist Bushido nun? Richtig, populre Scheie. Ein Prolet, der traurige Lieder ber irgendwelche Mdchenschicksale daherquasselt, seinem Vater die Schuld fr alles gibt, und sich womglich noch nach dem Toilettengang mit Fuffis den Hintern abwischt, die er im Club aufgesammelt hat, nachdem Sido sie da hat liegen lassen. Billiger Kommerzrap, der nicht wegen seiner Texte verboten gehrt, sondern auf Grund seiner niederen Qualitt.

Auch ein bekennender Hip-Hop Gegner darf hier durchaus objektiv erkennen, dass die Vorstellung eines berlebensgroen Bushido, der in tausenden deutschen Kinoslen auf die ohnehin intellektuell verkorkste Gesellschaft niederblickt, nur bei masochistischen Kinogngern Vorfreude entstehen lassen kann.

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