Robert Flahertys "Nanook of the North" wird am 5. Mai gezeigt.
   
 

Herbert Ponting: einer der ersten, die eine tragbare Filmkamera benutzten.
   
"Stellen Sie sich vor, dies wre ihr erster Film", wies Paul Harris das Publikum im Klner Filmhaus an. Und tatschlich, es funktionierte: Die Stummfilme der Lumire-Brder, begleitet von Live-Klaviermusik, sorgten fr die passende Atmosphre fr eine Zeitreise ins frhe 20. Jahrhundert des Films. Ein gelungener Auftakt also fr die neue Filmreihe "Geschichte und Entwicklung des nicht-fiktiven Films im 20. Jahrhunderts", die bis zum 21. Juli jeden Dienstag um 19.30 Uhr im Klner Filmhaus stattfindet.

Paul Harris, der durch die Filmreihe fhrt, hat in Kln und Manchester Ethnologie und Film studiert und ist mittlerweile als Dozent und Produzent ttig. So ist klar, warum sich Harris fr den Dokumentarfilm begeistert, denn schlielich sei jener "sehr eng mit dem ethnographischen Film verknpft." Der Filmexperte legt allerdings Wert auf die Unterscheidung zwischen Dokumentarfilm und nicht-fiktivem Film, denn: "Nicht jeder nicht-fiktive Film ist gleichzeitig auch Dokumentarfilm."
Warum, das soll den Besuchern im Laufe der Filmreihe deutlich werden. Zu Beginn wird Paul Harris jeden Dienstag kurz in die technische und knstlerische Geschichte der jeweiligen Epoche einfhren und die dazugehrigen Filme vorstellen; am Ende gibt es die Mglichkeit zur Diskussion.

Einen ausfhrlichen berblick gab er bei der Auftaktveranstaltung: Wie entwickelte sich die Technik von der camera obscura bis zum Kinematographen? Wer waren die Pioniere des frhen Films, welche ihre wichtigsten Werke und was machte diese aus? Schnell zeigte sich: Die ersten Filme waren nur einige Sekunden lang und bildeten einfache, alltgliche Szenen oder gespielte Witze ab wie zum Beispiel das Niesen des Assistenten von Thomas A. Edison in seinem Film Fred Otts Sneeze (1894).

Mgen solche Filmaufnahmen unserem verwhnten und geschulten Auge mittlerweile banal erscheinen, so bten diese auf die damaligen Zuschauer eine enorme Faszination aus. Das zumindest lsst eine der vielen Anekdoten vermuten, die Harris zu erzhlen wusste: So htten sich die Zuschauer beim Film Larriv dun train - Ankunft eines Zuges (1895) der Lumire-Brder beinahe zu Tode erschreckt, als sie auf der Leinwand einen Zug auf sich zu fahren sahen. Nach weiteren Filmen, wie Le voyage dans la lune - Reise zum Mond von Georges Mlis, bildete Charles Urbans A day in the life of a coal miner (1910) das Schlusslicht der ersten Etappe der Filmreihe. Dieser habe den Beginn des Dokumentarfilms eingelutet, so Harris. Es sei der erste Film, der "eine erste kreative Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit" und eine klassische, dokumentarische Struktur aufweise.

Wie es danach mit dem Dokumentarfilm weiterging, verfolgt die Filmreihe bis in die 1940er Jahre. Im nchsten Semester wird es eine Fortsetzung mit Blick auf die zweite Hlfte des 20. Jahrhunderts geben. Aber zunchst geht es am kommenden Dienstag mit den Reise- und Entdeckungsfilmen der 10er und 20er Jahre weiter und eine Woche spter mit der amerikanischen Romantik-Tradition und Robert J. Flahertys Nanook of the North von 1922. In jeder Veranstaltung wird im Anschluss ein fiktiver Film gezeigt, um die Dokumentationen in ihren zeitgeschichtlichen Kontext einzubinden.

Die Veranstaltung richtet sich brigens nicht nur an Filmstudierende und Experten. Vielmehr stellt sie die einmalige Gelegenheit dar, einige der schwer erhltlichen Filme berhaupt im Kino sehen zu knnen. Eine Karte fr eine Vorstellung kostet 6,50 Euro, ermigt 5 Euro. Dauerbesucher knnen eine Rabattkarte kaufen, mit der sie zur sechsten Vorfhrung gratis eingelassen werden.

Zum vollstndigen Programm.

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