Campus-Web Bewertung: 3,5/5
   
 

Den Sohn fest im Griff: Annie Hoover
   
 

Stndiger Begleiter Hoovers: Clyde Tolson
   
"Edgar - du wirst eines Tages der mchtigste Mann dieses Landes sein!" Annie Hoover sollte recht behalten. Ihr Sohn J. Edgar Hoover war fast fnf Jahrzehnte Chef des FBI - bis zu seinem Tod 1972. Zeitlebens strebte er nach Macht und Anerkennung. Eine vielschichtige Persnlichkeit, die nur schwer zu greifen und zu begreifen ist. Clint Eastwood wirft in seiner jngsten Regiearbeit einen Blick hinter die Fassade dieses ambivalenten und nur schwer zu durchschauenden Menschen, der stets die Kontrolle behalten wollte - auch ber sein Bild in der ffentlichkeit und seinen Platz in der Geschichte. Leonardo DiCaprio zeigt als "J. Edgar" seine bislang beste schauspielerische Leistung. Er berzeugt als junger, ambitionierter Staatsdiener ebenso wie als gealterter, von Paranoia und Misstrauen zerfressener mchtigster Mann der Vereinigten Staaten.

Eastwood lsst den alten Hoover selbst seine Geschichte diktieren. Was davon wahr ist und was Hoover dazu erfand, um seine Legende zu manifestieren, bleibt ebenso im Dunkeln wie Hoovers geheime Akten, die nie gefunden wurden.

Edgar J. Hoover wchst in einem konservativen und streng religisen Umfeld auf, Familienoberhaupt ist Edgars dominante und ehrgeizige Mutter Annie. So ist es wohl Edgars Streben nach Anerkennung und Liebe der Mutter, dass ihn in seinem beruflichen Ehrgeiz vorantreibt. Schnell steigt er innerhalb des US-Justizministeriums auf und baute das heute bekannte FBI auf, arbeitete akribisch an der Weiterentwicklung von Ermittlungsmethoden und der intensiven Sammlung und Katalogisierung von Informationen. Damit erreichte er groe Fortschritte in der Kriminalistik und erzielte beachtliche Erfolge bei der Verbrechensbekmpfung, wodurch er den Ruf und die Bedeutung des FBI weiter stabilisieren konnte.

J. Edgar, (USA 2011)
Verleih: Warner
Genre: Drama / Biopic
Filmlaufzeit: 136 min
Regie: Clint Eastwood
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Naomi Watts,
Armie Hammer, Josh Lucas, Judi Dench
Kinostart: 19.01.2012
Regisseur Eastwood stellt den Privatmensch Edgar in den Mittelpunkt seines Biopics und entwickelt das Bild einer Persnlichkeit, die gespaltener nicht sein knnte. So selbstsicher und souvern Hoover in seinem beruflichen Handeln agierte, so gehemmt und unsicher schien er im Umgang mit privaten Beziehungen. Die Bemhungen des Jungen um die Sekretrin Helen Gandy scheiterten schnell an seiner Unbeholfenheit und einem berstrzten Heiratsantrag, der letztendlich aber doch zu einer lebenslangen Verbindung fhrte - beide vereinte das Streben nach Macht und Anerkennung und so wurde Helen Gandy eine von Hoovers wenigen engen Vertrauten. Eine intensive Beziehung sowohl auf beruflicher als auch auf privater Ebene unterhielt Hoover zu Clyde Tolson - sein stndiger Begleiter und engster Mitarbeiter. Hier spinnt Eastwood eine zarte und feinsinnige Liebesgeschichte, sensibel inszeniert und intensiv gespielt. DiCaprio und Armie Hammer spielen nuanciert und facettenreich, nie eindeutig und stets von unerfllten Sehnschten geprgt. Diese emotionale Ebene ist die eigene Strke des Films und gewhrt einen vllig anderen Blick auf J. Edgar - diesen paranoiden und machtbesessenen Mann, der im Lauf seiner Karriere immer mehr an Macht und Einfluss gewann und dennoch wohl nie er selbst sein konnte.

J. Edgar Hoover ist eine schwer zu begreifende Persnlichkeit. Zwiespltig, ambivalent, verstrend. Seine uneingeschrnkte Kontrolliertheit, die ihn stets steuerte, bremste, emotional verkmmern lie, macht es schwer, J. Edgar auch nur ein bichen Sympathie entgegen zu bringen. So bedauernswert dieser Mensch in seiner emotionalen Unfhigkeit ist, so wenig bietet er Raum zur Identifikation. Der Mensch "J. Edgar" bleibt ein Mysterium, eine sperrige Geschichte, die schwer zugnglich ist, seltsam kalt lsst und gerade dadurch berhrt. Darin liegt die Strke des Films und vor allem in DiCaprios Spiel, der in jeder Sekunde mit seiner Figur verschmilzt, sich selbst dahinter vllig zurcknimmt.

Nicht zuletzt ist es die komplex verschachtelte Erzhlweise, die die Rezeption des Films erschwert. Was ist Wahrheit, was ist Legende? Hoover selbst hat wohl am Ende den berblick darber verloren und so liegt es am Einzelnen, die einzelnen Versatzstcke zu einer Geschichte zusammenzufgen. Was bleibt, ist ein interessantes Stck amerikanische Zeitgeschichte und ein beinahe liebevoller Annherungsversuch an eine der zwiespltigsten Figuren des letzten Jahrhunderts, der Eastwood hiermit ein menschliches Antlitz verleiht.



Zum Kinostart von "J. Edgar" verlost campus-web in Kooperation mit Warner jeweils 3x2 Freikarten und 3 Fllfederhalter. Hier geht es zum Gewinnspielformular.

Mehr Informationen zum Film:
Offizielle Homepage

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