Campus-Web Bewertung: 4,5/5
   
 

   
 

   
Was passieren kann, weil man "einfach nur mal da ist", fhrt das Regiedebt von Bryan Bertino dem Zuschauer in bester Psychothrillermanier erschreckend vor Augen. Der verheissungsvolle Zusatz "inspired by true events" sorgt direkt fr grere Aufmerksamkeit im Kinosessel. Nach dem Film denkt man zwangslufig darber nach, wie abgrndig der Mensch sein kann.

Trotz des durchgeplanten und vllig auf Romantik getrimmten Heiratsantrags, den James (Scott Speedman, Dark Blue, Underworld) seiner Freundin Kirsten (Liv Tyler, Herr der Ringe, Armageddon) macht, lehnt diese ihn ab. Dennoch fahren beide in das Anwesen von James' Eltern, um dort die Nacht zu verbringen. Ohne viele Worte bekommt der Zuschauer mit, was geschieht und in welcher Lage sich das Paar befindet. Eine ohnehin unangenehme Situation, die noch unangenehmer wird, als drei mysterise und maskierte Fremde im Laufe des Abends auftauchen und das junge "Noch-Paar" terrorisieren.

Nicht der blanke "Hostel-Saw-Bloodandgore-Horror", den man in letzter Zeit hufig im Kino sieht. Nein, dafr ist man mittlerweile schon zu abgestumpft, ein subtilerer Horror, der die menschliche Psyche angreift muss her. Und der wirkt. Regisseur Bryan Bertino nutzt wohl ausgesuchte Gerusche, um seinen Filmopfern die Angst durchs Gebein zu treiben. Der Zuschauer selbst kann sich gerade noch einen gewissen berblick verschaffen und das pltzliche Auftauchen der drei maskierten Schreckensfiguren ("Kartoffelsack", "Betty Boop" und ein "Bunny") ist so gut platziert, dass einem das Schaudern zur Freude wird. Viel gesprochen wird in diesem Film nicht. Wieso auch? Er funktioniert mit einer Handvoll Schauspieler und schaurigen Soundeffekten hervorragend und wirkt absolut beklemmend. Ein regelrechtes Kammerspiel ist es geworden und das wird auf keinen Fall langweilig.
The Strangers, USA 2008
Verleih: Kinowelt
Genre: Horror-Thriller
Filmlaufzeit: 85 min
Regie: Bryan Bertino
Darsteller: Liv Tyler, Scott Speedman, Gemma
Ward, Laura Margolis, Peter Clayton-Luce
Kinostart: 20.11.2008


Der Film versucht hier nicht, irgendwelche Beweggrnde der Tter zu beleuchten. Hierzu reicht ein Satz: Auf die Frage nmlich, wieso sie das alles tten, fertigt man das gequlte Prchen mit der lapidaren Aussage ab: "because you were home". Keine Motive, keine Geschichte einer schlimmen Kindheit, einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Somit wird der Zuschauer nur Zeuge der Ereignisse und erfhrt genauso viel bzw. wenig wie die Opfer. Nun, nicht genauso viel, Gott bewahre, dass im Kino drei verrckte, sich psychisch nicht ganz auf der Hhe befindende, vermummte Gestalten herumlaufen und Besucher meucheln. Man ertappt sich aber dabei, einfach mehr ber die Tter herausfinden zu wollen und allein die Beantwortung dieser Fragen und die Geschichte jedes einzelnen knnte wahrscheinlich eine Trilogie fllen.

Fazit: The Strangers kommt als erfrischender, subtiler Horror-Psychothriller daher, der aufzeigt, dass es funktionierenden Horror auch ohne "Hack-and-Slay"- Elemente geben kann. Der Anfang baut sich langsam auf, doch dan wird die Stille je unterbrochen durch ein lautes Klopfen an der Tr (mit dem sich brigens im Anschluss hervorragend der feminine Teil des Freundeskreises erschrecken lsst.) Das Ende erinnert durchaus an Michael Hanekes Funny Games und lsst einen leicht verstrten Zuschauer zurck.

Artikel drucken