Campus-Web Bewertung: 4,5/5
   
 

   
 

   
Das ist Ben Stillers neuestes (Mach-)Werk sicherlich nicht fr jedermann. Auf jeden Fall sollte man Fan besonders derben Humors sein. Stiller, der bei Tropic Thunder nicht nur eine der Hauptrollen bernahm, fhrte Regie, schrieb am Drehbuch mit und ist als Co-Produzent an Bord. Nach den Warming-Up-Satiren Cable Guy und Zoolander haut er diesmal ganz mchtig auf die Persiflagepauke und nimmt legendre Vietnamepen wie, Platoon, Apokalypse Now und obendrein alle Jerry Bruckheimer Bombastproduktionen mchtig auf die Schippe.

Fr Irritationen sorgen schon zu Beginn einige Fake-Trailer und manch einer raunzt durch den Kinosaal: "Gehrt das schon zum Film!?" Diese kongenialisch verknappte Einstimmung bereitet auf das vor, was an Hollywoodsatire noch folgen wird: Alle kriegen bei Stiller ihr Fett weg: der brillante australische Method-Actor und Academy-Award-Abonnent, der Fkalstreifen-Mime, der Gangsterrapper-Schauspieler mit eigenem Modelabel, der Filmrookie in seiner ersten groen Rolle und selbstverstndlich der Muskelprotz aus den 90ern, der sich inzwischen auf dem absteigenden Ast seiner Karriere befindet natrlich gibt es die mehr oder weniger direkten Realpendants, aber das who-is-who Spielchen sei der Phantasie des Zuschauers berlassen.

Legendentrchtig auf jeden Fall der Auftritt des 70er Jahre Kriegsepen-Veterans Nick Nolte, der eine Selbstparodie abliefert, dass beim Cineasten die Erinnerungssynapsen Polka Tanzen. Und auch einer, der sich schon auf manch "unmgliche Mission" begab und die letzten Jahre wiederholt durch sein mehr als fragwrdiges Scientologygebaren in Verruf geriet, zeigt sich hier von einer ganz ungewohnten Seite: ein Auftritt als primitiver "Silberrcken-Filmproduzent", der kultverdchtig ist. Die Story ist im Prinzip eine Film-im-Film Geschichte. Am Set des teuersten Vietnamstreifens aller Zeiten haben sich eine Reihe von auf- und absteigenden Darstellern eingefunden: Ex-Actionstar Tugg Speedman (Ben Stiller), der auf ein Comeback hofft, Furz- und Fkalwitzspezialist Jeff Portnoy (Jack Black), der sich nach einer Chance in einem ernsteren Fach sehnt, Hollywoodprimadonna Kirk Lazarus (Robert Downey Jr.), der mit seinem Auftritt als afroamerikanisches Frontschwein schon wieder nach dem nchsten Oscar schielt, sowie der schwarze Rapper Alpa Chino (Brandon T. Jackson) und der Newcomer Rob Slolom (Bill Hader).
Tropic Thunder, USA 2008
Verleih: Universal Pictures
Genre: Komdie
Filmlaufzeit: 105 min
Regie: Ben Stiller
Darsteller: Ben Stiller, Jack Black, Robert
Downey Jr., Nick Nolte, Brendan T. Jackson
Kinostart: 18.09.2008


Leider nur kommen die Dreharbeiten nicht recht voran, so befindet man sich schon nach wenigen Tagen einen ganzen Monat hinter dem Drehplan. Das treibt den Produzenten zur Weiglut. Der rettende Gedanke scheint, die fnf Diven mitten im Dschungel auszusetzen und die Aufnahmen via versteckte Kameras im Reallook zu filmen. Vom Ansatz her keine schlechte Idee, wenn der sdostasiatische Urwald nicht voller echter militrischer Hinterlassenschaften wre. Den ersten den es erwischt und in Fetzen reit ist der Regisseur Damien Cockburn (Steve Coogan). Von so was lassen sich die Schauspiel-Vollprofis aber nicht irritieren, insbesondere wenn sie schon in der Rolle aufgegangen sind und alles fr "coole Spezialeffekte" halten. Man macht nach Drehbuch weiter, fest in dem Glauben, alles sei nur Film, whrend schwer bewaffnete Heroinhndler die "bekloppten amerikanischen Sldner" aufs Korn nehmen. Ein makaberes, bses, satirisches Szenario mit aberwitzigen Plottwists und schrgen Storylinewendungen entspinnt sich: die Worte fehlen einem solch Feuerwerk zu beschreiben und nicht selten wird das Lachen im Halse stecken bleiben.

Stiller scheint nicht zu wissen, dass man nicht die Hand beit, die einen fttert oder es ist ihm schlichtweg egal. Und tatschlich kann sich das energiegeladene Multitalent das erlauben. Er ist inzwischen in den Olymp der Hollywoodstreifen etwas anderer Machart aufgestiegen und geniet regelrecht Narrenfreiheit. Es wundert deshalb nicht, dass Stiller fr seine Filme immer wieder eine schier unglaubliche Crew casten kann. In ihnen wimmelt es von kultig besetzten Nebenrollen und skurrilen Cameoauftritten. Es scheint fast, als wrden sich die Stars und Sternchen regelrecht darum reien, in Stillers Persiflagemaschinerie mitspielen zu drfen. Besser vor der Kamera als Opfer der Sidekicks mag sich manch einer denken. Tropic Thunder wird zu Recht gefeiert und der Erfolg gibt Stiller recht, genau die richtige Richtung eingeschlagen zu haben. Das Humorfach in bersee kriselt ohnehin ernstlich, da knnte dieser Richtungswechsel, der sich auch schon im Film von Stillers Kumpel Adam Sandler Leg dich nicht mit Zohan an andeutete, genau das Mittel der Wahl sein. Endlich "Komdien" fr denkende Menschen.

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