Campus-Web Bewertung: 4/5
   
 

   
 

   
Wre Ikarus nicht zu hoch in Richtung Sonne geflogen, dann wren seine mit Wachs befestigten Flgel wohl nicht geschmolzen, was ihm schlielich den Absturz und somit den Tod einbrachte. Soweit jedenfalls die griechische Mythologie. Doch das stetige Streben nach Hherem mit dem darauffolgenden Fall ist nach wie vor auch in der Neuzeit keine Seltenheit. In Berlin Calling, dem neuen Film von Hannes Sthr (Berlin is in Germany) geht es ebenfalls um einen, der hoch hinaus will und vorher erst einmal abstrzt.

Elektro DJ Ickarus, kurz Icka (Paul Kalkbrenner) steht kurz vor seinem internationalen Durchbruch. Mit seiner Freundin und Managerin Mathilde (Rita Lengyel) tourt er durch die Welt. Icka konsumiert regelmig Drogen, sehr zu Mathildes Leidwesen. Sie hat Angst um ihn, ist jedoch vllig machtlos. Eines Abends, nachdem die Plattenchefin bessere Tracks fr das bevorstehende, neue Album verlangt, erwischt Ikarus eine Pille, die mehr ist als "nur" Ecstasy. Er hat schizophrene Schbe, Hitzewallungen und verteilt im Hotel oberkrperfrei eine gehrige Portion Msli auf sich und der Tischdecke. Er wird in eine Berliner Nervenklinik eingeliefert. Die Leiterein, Professorin Dr. Petra Paul (Corinna Harfouch) empfiehlt ihm eine Ruhepause und fordert ihn zur Teilnahme an freiwilligen Therapiestunden auf. Nach langem Hin und Her, zwischen wiederholtem Drogenkonsum und den darauffolgenden Zusammenbrchen, wird Ickarus ein stationrer Aufenthalt verordnet. Trotz der Trennung von seiner Freundin Mathilde, die unterdessen ein Verhltnis mit Ickas Ex-Freundin Corinna beginnt, untersttzt sie ihn bei der Verffentlichung seines Albums. So darf Ikarus schlielich das Krankenhaus verlassen, und kann endlich wieder in den Clubs auflegen, was ihm neben Mathilde am meisten bedeutet und ihn sichtlich beflgelt.
Berlin Calling, D 2008
Verleih: Movienet
Genre: Tragikomdie
Filmlaufzeit: 100 min
Regie: Hannes Sthr
Darsteller: Paul Kalkbrenner, Rita Lengyel,
Corinna Harfouch, Peter Schneider
Kinostart: 02.10.2008


Sthrs fiktiv skizzierter Abriss der Biographie eines Musikers nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise durch die Elektro- und Technoszene Berlins. Selbst diejenigen, die sich bisher noch nie in diesem Bereich aufgehalten haben, finden rasch Zugang zum Geschehen. Die Filmmusik besteht ausnahmslos aus Elektrobeats, die die tranceartige und teilweise machtlose Situation des Protagonisten passend untermalen. Doch neben der Ohnmacht klingt in ihnen auch ein Hoffnungsschimmer und die Musik begleitet Icka auch dann noch, wenn sich sein Schicksal wieder zum Besseren zu wenden scheint. Sthr verzichtete hufig auf Dialoge und lsst statt dessen Klnge und Bilder, was ihre intensive Wirkung noch verstrkt.

Paul Kalkbrenner, der im wahren Leben ebenfalls als DJ und Musikproduzent arbeitet, gibt mit diesem Film sein Debt als Schauspielter. Sicherlich ist ihm diese Rolle wie auf den Leib geschneidert und man ahnt bereits, dass in Icka auch einiges von Paul stecken muss. Dennoch spielt Kalkbrenner berzeugend den Verfall eines aufstrebenden DJs, in dessen Talent Genie und Wahnsinn nicht weit auseinander liegen.

Dieser Film ist kein Pamphlet zur Bekmpfung von Drogen, aber diesen Anspruch kann und wird ein Film auch nicht erfllen knnen. Dennoch gelingt es Sthr mit Berlin Calling, ein realistisches Bild der aktuellen Drogensituation in der Techno- und Elektroszene zu vermitteln, das weder dramatisiert noch beschnigt. Am Ende macht der Film sogar Mut, dass es wichtig ist an sein Ziel zu glauben, um es erreichen zu knnen. Somit ist Berlin Calling nicht nur ein Film fr Elektrofans, sondern auch fr all diejenigen, die noch an die Verwirklichung ihrer Trume glauben. Ickarus ist zwar gestrzt und hat sich schwer verletzt, aber er konnte wieder aufstehen, indem er sich selbst und andere mit seinen Beats zum "Fliegen" ohne Drogen bringt.

Zum Filmstart von Berlin Calling gibt es auch ein Gewinnspiel.

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