Campus-Web Wertung: 4/5
   
 

   
 

   
Gerade hat Regie-Genie Woody Allen sein neuestes Werk Vicky Christina Barcelona bei den Filmfestspielen in Cannes vorgestellt, wieder mit seiner neuesten Lieblings-Muse Scarlett Johannsen. Auf die musste er in Cassandras Traum verzichten, nach Matchpoint und Scoop der letzte Teil seiner London-Trilogie, der es nun endlich auch in die deutschen Kinos geschafft hat.

Whrend Scoop eine eher leicht inszenierte Krimikomdie war, serviert Allen hier wieder harte Kost und beweist nach dem groartigen Matchpoint erneut, dass er auch ein Hndchen fr dstere Geschichten hat. Angesiedelt ist die Geschichte in der unteren Working Class Londons. Terry und Ian sind Brder, die in eher bescheidenen Verhltnissen aufgewachsen sind. Beide trumen von Reichtum, Erfolg und schnen Frauen. So sehr sich ihre Wunschvorstellungen auf den ersten Blick hneln, so unterschiedlich sind sie doch bei genauerem Hinsehen. Whrend Terry auf den groen Gewinn durch Glcksspiele und Wetten hofft, mit denen er sich ein kleines Huschen und genug Whisky leisten kann, hat Ian hhere Ziele: Er will ber den groen Teich und es zu einem superreichen Immobilienmakler in Kalifornien bringen. Doch erst mal hilft er Daddy in seinem kleinen Restaurant. Als er die schne Schauspielerin Angela kennen lernt, wird die Sehnsucht nach schnellem Ruhm immer grer. Nicht lange kann er ihren hohen (materiellen) Ansprchen gerecht werden.

Doch dann scheinen sich alle Hoffnungen wie von selbst zu erfllen: Terry gewinnt eine groe Summe beim Pokern. Das Glck hlt nicht lange an: Wie gewonnen so zerronnen, verspielt er eine weitaus grere Summe und braucht auf einmal 90.000 Pfund, die er windigen Kredithaien schuldet. Nun gibt es nur noch einen Ausweg: Onkel Howard aus Amerika, der es mit Schnheitskliniken zu einem enormen Vermgen gebracht hat. Gern will der den Brdern helfen, erwartet jedoch eine Gegenleistung. Und die hat es in sich: Ian und Terry sollen einen unangenehm gewordenen, ehemaligen Geschftspartner Onkel Howards aus dem Weg rumen...

Mit Cassandras Traum ist Allen zwar nicht der ganz groe Geniestreich wie mit Matchpoint gelungen, dennoch wei auch sein neuer Film zu fesseln und zu berzeugen. Allen baut die Spannung geschickt auf und zeichnet dabei die Charaktere zweier einfacher Brder, die vor der Chance ihres Lebens stehen und dafr einen hohen Preis zahlen mssen den ihrer Unschuld.
Cassandras Traum
(Cassandras Dream, GB 2007

Verleih: Constantin Film
Genre: Thrillerdrama
Laufzeit: 108 min
Regie: Woody Allen
Darsteller: Ewan McGregor, Colin Farrell,
Tom Wilkinson, Sally Hawkins, Hayley Atwell
Kinostart: 05.06.2008

Dabei fhrt er ein groartiges Schauspielerensemble auf allen voran Colin Farrell, der den von Alptrumen und Schuldgefhlen geplagten Terry unglaublich tragisch und berzeugend spielt. Seine Mimik spiegelt die innere Zerrissenheit, Selbstzweifel und die Ausweglosigkeit der Situation absolut glaubhaft wieder. Farrell beweist mal wieder, dass er mehr kann, als nur den schnoddrigen Macho zu geben.

Ganz das Gegenteil Ewan McGregor sein Ian ist naiv und sorglos, dabei aber ebenso berechnend und kaltbltig. Whrend Terry seine Skrupel bis zuletzt nicht ausblenden kann, geht Ian eher nchtern an die Sache heran. Khl, distanziert und sachlich plant er den Mord bedenkt alle Fakten und mglichen Zwischenflle. Wenn er von dem Gefallen fr Onkel Howard spricht, knnte man meinen, er plane eine Geburtstagsparty.

Ergnzt wird das Trio Infernale durch Tom Wilkinson, der als Onkel Howard gewohnt oscarreif agiert. Er mimt den lieben, verzweifelten Onkel, der immer fr seine Jungs da war und sie nun um eine ganz kleine Gegenleistung bittet seine unschuldige Fassade bekommt dabei kaum Risse. Seine Bitte uert er im Regen stehend. Das Wasser von oben scheint die Schuld von ihm abzuwaschen, wie er selbst jede Verantwortung fr seine Fehltritte von sich weist. Die Grenzen zwischen Tter und Opfer, Schuld und Unschuld verwischen.

Allen zeichnet ein bitterbses Spiel um Liebe, Geld, Macht und Erfolg und wirft allerhand moralische Fragen auf, in deren Mittelpunkt der Kampf um sozialen Aufstieg steht und der Preis, den man bereit ist, dafr zu zahlen. Cassandras Traum ist nicht nur Filmtitel, sondern ein Boot, ein Traum, den sich die Brder zu Beginn des Films erfllen und den sie nach einem Siegerhund im Wettrennen benennen. Die mythische Bedeutung Kassandra trumte einst von dem hlzernen Pferd, das Troja zerstrte ist wegweisend fr den Film. Leider sind alle Akteure fr die unheilvollen Vorzeichen blind, und so steuern sie geradewegs in ein unerwartetes und berraschendes Finale, das verblfft, erschreckt und fasziniert.

Cassandras Traum ist unterhaltsames und anspruchsvolles Kino, dessen durch Vilmos Zsigmonds Kamera hervorragend in Szene gesetzte Bilder von schwerflligen, bombastischen Klngen des renommierten Komponisten Philip Glass verstrkt werden. Wer den bsen und zynischen Woody Allen mag und einen Sinn fr subtile Untertne hat, der wird angenehm berrascht sein. Alle anderen knnen sich zumindest an zwei gut aussehenden, berzeugenden Hauptdarstellern erfreuen und auf den nchsten, frhlichen Allen-Film hoffen.

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